Downtown Austin

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Donnerstag, 1. September 2011

Pornos und prüde Amerikaner

Dieser Eintrag wird sicher wieder hoch in der Google Quote ankommen da er doch zwei interessante Themen vereint: Pornographie und das ach so prüde Amerika.

Bei meinem regelmässigen Blick in die Online Zeitung in der alten Heimat sehe ich doch den schönen Titel "HIV-Fall stoppt kalifornische Pornoindustrie". Nicht verwunderlich das dies in Kalifornien passiert ist, denn angeblich ist das San Fernando Valley in der Nachbarschaft von Los Angeles und Hollywood das Porno Mekka der amerikanischen Porno Filmindustrie--respektive Adult Business/Movies (Erwachsenengeschäft/-film) wie sich das im Amerikanischen nennt.

Soweit so gut und uninteressant. Mitten im Text stosse ich jedoch auf den folgenden Satz:

... weil der Dreh von Pornos in fast allen US-Staaten unter das Prostitutionsverbot fällt und damit untersagt ist.
Ach ja? Da ich nun schon einige Jahre hier bin gibt es so gewisse Dinge wo ich mittlerweile fast instinktive sagen kann, dass dies bullshit ist. Vor allem weil man in den USA so etwas wie eine Constitution und die bill of rights kennt und auch anwendet. Der gute Schreiberling bei der Online Zeitung hat sich allerdings nicht um Recherche bemüht. Er/Sie hätte konkret folgendes gefunden.

Es gibt den Fall California vs. Freeman wo man in Kalifornien tatsächlich versucht hat die Pornoindustrie und pornographisches Material mit einem Gesetz zur Prostitution zu verbieten. Konkret ging es in der Anklage um pandering was man im Deutschen unter Kupplerei, also Zuhälterei, versteht.

Der gute Harold Freeman ist anfänglich in erster und zweiter Instanz auch wirklich verurteilt worden. Allerdings, in folgender Instanz ist er freigesprochen worden, hauptsächlich im Bezug auf das First Amendment und freedom of speech. Das ganze wurde durch alle weiteren Instanzen bis zum U.S. Supreme Court hinauf aufrecht erhalten. Dieser letztendliche Freispruch hat wohl auf dem Weg über den Atlantik an schärfe verloren, scheint es.

Das letzte Urteil vom U.S. Supreme Court datiert übrigens vom August 1988! Das war genau die Zeit als ich in der alten Heimat einen Typen kannte der immer wieder mal VHS Sexfilme offerierte mit folgendem Kommentar: "Der ist direkt aus Amerika. Da sieht man mehr als in den Videos die man sonst hier kriegt!" Tja, so war das in der alten "prüden" Heimat damals. Erstaunlich, dass das Urteil und Wissen über das Amerika von heute von noch früher als damals ist.

Wer es etwas mehr zeitgenössisch will, es gab kürzlich einen ähnlichen Fall in New Hampshire mit einem "privaten" Filmproduzenten. Auch dieser Fall wurde im Dezember 2008 abgewendet--Supreme Court of New Hampshire Urteil [pdf].

Abschliessend muss man vielleicht anerkennen, dass ein kleiner Funke Wahrheit in dem Satz drin ist. Die Gesetzgebung in Amerika ist etwas komplex und in Europa schwierig zu verstehen. Vor allem weil jeder Staat primär seine eigene jurisdiction (Gerichtsbarkeit) hat. Da ausserhalb von Kalifornien (und nun auch mit New Hampshire) kein anderer Staat einen ähnlichen Fall vorweisen kann, darf man entsprechend in europäischen Medien behaupten, dass es nur in Kalifornien erlaubt ist.

Mittwoch, 3. August 2011

Only in America ...

Ehm, moment, das ist aber nicht in Amerika. Klingt eher nach Kanada, oder?

Dienstag, 28. Juni 2011

Kommentar vorhersehbar

Wenn das Thema nicht so ernst und tragisch wäre ich würde mich krank lachen.

Da ist dieser Artikel mit dem Titel USA rügen Schweiz ... . Nur schon ab diesen ersten drei Worten braut sich in meinem Kopf sogleich ein OMG zusammen. Das kommt nicht gut an im Schweizer Wohnzimmer. Ich öffne den Artikel, lese und komme langsam zum Ende wo es eventuell die Möglichkeit gibt einen Kommentar zum Artikel zu hinterlassen. Bis dato 231 Kommentare. Oh my god! Im anderen Zürcher Blatt Schweiz ... in der Kritik ist es mit 10 Kommentaren noch bescheiden aber es herrscht der gleiche Ton.

Früher musste man mühsam von Hand oder mit der Schreibmaschine auf Papier seine Meinung niederschreiben und in einem Briefumschlag an die Redaktion schicken. Mit etwas Glück wurde dann einige Tage später eine Auswahl der Einsendungen abgedruckt in einer separaten Rubrik "Leserbriefe". Gute alte Zeit. Heute ein Klick auf den Kommentar Knopf und schon kann Herr und Frau Schweizer die Luft raus lassen über sein neutrales Weltbild. Schöne neue Zeit.

Die Kommentare zu den beiden Artikeln waren natürlich vorhersehbar. Das Hauptthema sind die Worte im Titel. Um was es eigentlich geht im Artikel ist nicht nur absolute Nebensache sogar vollkommen egal. Man könnte meinen, dass ein Grossteil direkt vom Titel zum Kommentar Knopf gesprungen ist.

Es ist für mich irritierend, dass ein solch ernstes Thema übergangen wird bei so vielen Leuten und der Anti-Amerikanismus dem Thema vorgestellt wird. Das bei einem Grossteil deren Argumente falsch und zum Thema irrelevant sind ist egal. Es sind eh immer die gleichen lahmen Argumente wie die der "Doppelmoral", "Weltpolizist spielen", "die sollen erst vor der eigenen Tür wischen" oder "haben selbst genug Dreck am Stecken". Sucht euch mal was neues und wahres aus.

Es ist erbärmlich und einfach traurig, dass man nebst dem Negativen was man den Vereinigten Staaten vorwirft nun diesen positiven Aspekt nicht sieht, respektive sehen und zugestehen will. In Deutschland ist dieser Report wahrscheinlich kein Artikel wert und folglich kein Thema, den good ol' Germany wird nicht gerügt. Zu positiv! Gleiches gilt für praktischen den ganzen Rest von Europa.

Lassen wir das Negative stehen über Amerika und akzeptieren es vollumfänglich. Fragen uns einfach folgendes: Weshalb kann man den Report welchen die USA seit Jahren produzieren nicht als das sehen was es ist? Etwas positives! Vielleicht als ein Schritt in die richtige Richtung. Nope!

Der Report umfasst 184 Länder, die Schweiz ist nur eines davon. Es ist keine explizite Rüge aus Amerika an die Schweiz. Das einzige Problem: Die Schweiz ist--oh Schreck--nicht an ersten Stelle beziehungsweise nicht vor Deutschland und vor allem nicht den USA im Report. Es ist sogar etwas weiter weg, in einem Tier 2, und man hat eine kleine unangenehme Sache ausgemacht, fein säuberlich aufgeschrieben und ach wie dreist eine Empfehlung abgeben. Böses, arrogantes Amerika, was erlaubt ihr euch.

In der Logik der Kommentatoren soll Amerika folglich erst dann, und wirklich ernsthaft erst dann und keinen einzigen Tag früher, bzw. wahrscheinlich sogar erst nach 50 Jahren Bewährungsfrist, damit beginnen etwas vernünftiges, edles, sinnvolles zu tun wenn sie all das eliminiert hat was dem Ausland--und most important of all der Schweiz--an Amerika nicht genehm ist. Was für eine egoistische, kranke Logik.

Um was geht es nun im Artikel und Report eigentlich. Ist doch egal! Für diejenigen welche es doch noch interessiert hier ist der TIP Report.

Freitag, 24. Juni 2011

Was macht der Amerikaner im Titel

Im Englischen gibt es das Sprichwort "the pen is mighter than the sword". Das Deutsche Gegenstück "Die Feder ist mächtiger als das Schwert" gibt es zwar auch aber in meinem deutschsprachigen Leben war mir das persönlich nie untergekommen.

Nehmen wir als Beispiel einen Titel. Ein Titel hat die Aufgabe ins Auge zu stechen. Sei das nun ein Titel für ein Buch, einen Film und speziell für einen Artikel in einer Zeitung. Zeitungstitel sind nicht ohne Grund gross und fett.

Der Titel spielt auch eine Rolle in einer Web Seite wie z.B. diesem Blog. Google achtet sehr auf Titel und gewichtet diese stärker als den restlichen Text. Kein Wunder ist mein Eintrag "Alles scheisse hier in in Amerika" bei google.de auf Platz 1 wenn man "scheisse Amerika" eintippt. Man muss sehr weit nach hinten blättern um den Link zu finden wenn man nur nach "scheiss Amerika" sucht. Merke: scheiss und scheisse ist nicht das selbe.

Ein Titel soll also Aufmerksamkeit erregen. Er soll einem auch vorbereiten und einstimmen auf das was da kommt. Wer denkt, dass sich Journalisten und Zeitungsredaktionen wahllos und ohne Sinn und Ziel einen Titel auswählen ist denen bereits auf den Leim gekrochen. Diese Leute sind die Gladiatoren, Ritterhelden, Ninjas oder Samurais; die Feder oder besser das Wort und die Sprache ist deren Schwert.

Gestern bei meinem kurzen online Blick in die alte Heimat stach mir doch ein Titel sogleich ins Auge "Den Amerikanern ist Ai Weiwei zu wenig wichtig". Angesprochen durch den Begriff Amerikaner (und nicht Ai Weiwei) im Titel habe ich natürlich den Artikel gelesen. Am Ende musste ich mich wieder einmal mehr fragen: "Really?" Ernsthaft! Wieso, muss der Amerikaner im Titel stehen wenn das mit dem Artikel wenig bis gar nichts zu tun hat. Schlimmer noch der Titel suggeriert ein Bild das so im Text nicht drin steht. Wer den Artikel nicht (komplett) liesst hat mit dem Titel ein falsches und vor allem negatives Bild im Kopf.

Der Artikel ist in Tatsache ein Interview, d.h. wir haben jemand der stellt zu einem Thema einige Fragen und jemand gibt dazu seine Antworten. Soweit so gut. Irgendwo in der ersten Hälfte haben wir die Frage "Haben die internationalen Proteste etwas bewirkt?", darauf in der Antwort unter anderem "... Das Einzige, was der Westen unternehmen kann, sind Deals: Amerika erleichtert administrative Hürden für emigrierende Chinesen – im Gegenzug nimmt man sich beispielsweise in Tibet etwas zurück". Eigentlich etwas positives über Amerika könnte man meinen. Man könnte nun weiter fragen was ist mit dem Rest der Welt? Was unternehmen den andere Länder? Gibt es überhaupt andere Länder die etwas unternehmen-- ausser Amerika?

Nichts da. Der Interviewer nimmt das Wort Amerika danken auf und stellt eine überraschend andere Frage: "Dann haben die Amerikaner vielleicht Ai Weiwei frei gekauft?" What the F...? Ich brauchte eigentlich gar nicht weiter lesen im Artikel. Mein Blick wanderte wieder nach oben zum Titel "Amerikaner--zu wenig wichtig" und ich wusste ganz genau, es kommt was kommen muss.

Hier eine kleine Aufgabe: Ersetze in der Frage vom Interviewer den Amerikaner mit jeder anderen beliebigen Nation; Schweizer, Deutschen, Österreicher, Franzosen, Italiener, Libyer, Rumänen, Mexikaner, Kanadier, Brasilianer, Japaner .. you get my drift! Welchem anderen Land oder besser noch, wäre es allen Ländern ausser Amerika wichtig den Ai Weiwei frei zukaufen? Ernsthaft, welches?

Folglich kommt auf die Frage die Antwort die kommen muss: "Dafür ist er ihnen wohl zu wenig wichtig ...". Er ist nicht nur den Amerikanern zu wenig wichtig es würde sich kein Land überhaupt zu so etwas hinreissen lassen-- ausser Amerika. Wie lange es dauert in Europa bis jemand überhaupt einen Finger rührt ist längst bekannt, meine liebe Schweiz mit ihrer Neutralität wird sich an so etwas erst recht nicht die Finger verbrennen wollen und der Rest der Welt hat genug andere Probleme. Tragisch aber wahr, Ai Weiwei ist allen Ländern zu wenig wichtig. Niemand, kein Land würde ihn frei kaufen. Auch nicht die Amerikaner.

Soweit so gut, ist im Prinzip egal. Nur, unabhängig davon, dass dies eine gelinde gesagt dumme Frage war, habe ich folgende Frage: Weshalb setzt der Journalist oder die Redaktion den Amerikaner in den Titel. Wieso sind sie hier mit ihrem Schwert am herumfuchteln? Wieso muss genau diese Passage aus dem ganzen Interview für den Titel herhalten? Wieso wird der Titel so formuliert, als ob Amerika sich als einziges Land nicht für Ai Weiwei interessiert? Hat das ganze Interview sonst nichts zu bieten um dem Leser ins Auge zu stechen?

Ich will hier wirklich keine "conspiracy theory" heraufbeschwören aber es wirkt auch mich langsam ermüdend solche Artikel fast tagtäglich zu lesen. Ich denke, dass die Mehrheit der Leute nicht von Grund auf negativ auf Amerika gestimmt sind aber kann sich die Masse dem wirklich entziehen wenn sie so subtil mit Titeln und Artikeln gefüttert wird?

Dienstag, 7. Juni 2011

The Magnited States of America

Ach wie liebe ich das Alama Drafthouse, unsere kleine Kino Kette hier in Austin.


For those looking for an English definition or meaning of magnited


First, I am sorry this is a blog written in German and second surprised why Google is ranking this page on top in English. Maybe because this happened in Austin and where I live.
So here is what I think magnited means. I think the not so sober lady meant to say in the magnificent United States of America and that her tongue was a wee bit slow in following up with her arguing. But what do I know?

Wie es scheint hat Google diesen Artikel schon aufgelistet und viele Anfrage kommen nun rein mit was den magnited bedeutet. Gibt es eine Übersetzung oder Definition dazu?
Ehm nein. Fuer magnited gibt es keine Definition, es gibt kein solches Wort. Könnte sich aber noch ändern, im Englischen weiss man das nie so genau.
Selbst das sonst so aufschlussreiche Urban Dictionary schweigt zu diesem Wort. Bleibt uns nur etwas Spekulation.
Wir wissen ja was es ursprünglich heissen soll: The United States of America. Was wir nicht genau wissen aber vermuten ist, dass die Dame am Telefon wohl etwas leicht angeheitert war, sprich nicht nur eine etwas lose sondern auch eine schwere Zunge hatte. Dabei ist ziemlich sicher ein anderes Wort mit United zusammengeschmolzen. Am ehesten kommt mir da magnificent in den Sinn was dann "The magnificent United States of America" wäre.
Sogar Anderson Cooper (CNN) gibt seinen Kommentar dazu.

Freitag, 25. Februar 2011

Der falsche Stolz eines Reporters

Zwischendurch wieder einmal etwas neues. Ich schreibe hier kaum mehr weil "TRUE America" die Wahrheit ueber Amerika kaum jemanden interessiert. Wenn wundert es. Ueber Amerika wird in der alten Heimat dauernd schlecht geredet ohne Ruecksicht auf die Wahrheit. Da verkommt die echte Wahrheit zur Luege! Bei meinem Blick in die Online Zeitung in der alten Heimat werde ich fast taeglich fuendig. Heute habe ich wieder einmal ein Goldstueck gefunden und das ist so grotesk, dass ich hier mein Schweigen wieder einmal breche und wir uns das doch mal naeher anschauen wollen.

Vorwarnung: Um was es hier NICHT geht
Es geht hier nicht um die Person, Ereignisse, Regierungen, Kriege, Guantanamo Bay, Verletzung von Menschenrechten, yada yada also um den eigentlichen Inhalt des Artikels. Darum geht es ganz klar nicht. Da bin ich mit der Schreibergilde zu einem grossen Teil wahrscheinlich sogar gleicher Meinung.

Um was geht es wirklich?
Es geht hier darum wie ein Ereignis oder wie im konkreten Fall ein Artikel genommen wird und daraus eine komplett andere und neue Nachricht geschrieben und vermeldet wird. Zum Thema "Bad America" scheint es herrscht dauernd saure Gurken Zeit und es duenkt mich oft als ob die Zeitungen und Magazine in der alten Heimat eine Art "Negative Artikel ueber Amerika" Quote haben. Aus der Redaktion schallt es: "Schreibt mir taeglich was negatives ueber Amerika, unsere Leser wollen das! Scheiss Amis!" Weshalb ist mir persoenlich schleierhaft und aus Mangel an anderen Worten muss ich solche Artikel als reine Anti Amerika Propaganda bezeichnen.

Shall we begin?
Im Tages Anzeiger Online schreibt heute ein Christof Muenger einen Artikel mit dem vielsagenden Titel "Der falsche Stolz einer Amerikanerin". Vielsagend daher weil der Titel fuer sich alleine schon den Ton vorgibt. Der Leser wird vorprogrammiert! Wem es noch nicht klar ist dem wird mit der Headline nachgeholfen.

"Die frühere US-Aussenministerin Condoleezza Rice reklamiert die Revolution im Mittleren Osten und Nordafrika zu Unrecht für sich."
Der Leser ist nun richtig auf negativ programmiert und kann alles Negative aufsaugen. Der Leser hat sein Urteil ueber die US-Aussenministerin eigentlich bereits gemacht.

Schauen wir uns trotzdem den Artikel von Herrn Muenger mal an und ich hebe einige Punke hervor auf die wir anschliessend etwas naeher eingehen. Der Artikel beginnt wie folgt mit diesem Absatz:
"Bescheidenheit ist nicht die Sache der Condoleezza Rice. In einem Gastartikel in der «Washington Post» hat sie in Anspruch genommen, mit ihrer viel beachteten Kairoer Rede von 2005 den Keim der Demokratie in Ägypten eingepflanzt zu haben. Denn nur wenige Monate später hätten zumindest halbwegs freie Wahlen stattgefunden, schreibt die damalige US-Aussenministerin. Dabei landete Hosni Mubarak allerdings – gemäss offiziellem Ergebnis – einen Erdrutschsieg und unterdrückte danach die Opposition wie zuvor. Trotzdem behauptet Rice, wegen ihres Auftritts sei der «Rubikon überschritten» worden."
Der zweite Abschnitt hat dann mit dem Gastartikel in der Washington Post nichts mehr zu tun und ist eine erste kurze Auflistung von "Fakten" ueber Frau Rice um den Leser weiter auf negativ zu programmieren. Wir goennen uns aber noch den Beginn des dritten Absatzes:
"Der Hinweis von Rice auf ihre eigene bedeutsame Rolle beim Umbruch in Ägypten – allein in den ersten drei Sätzen taucht das Wort «Ich» viermal auf – wirkt daher nicht nur eitel, er ist unangebracht. ..."
Der ganze Rest ist noch mehr "Fakten" ueber Frau Rice. Wir koennen uns diesen Balast sparen den der hat mit dem Gastartikel in der Washington Post nichts mehr zu tun.

Was haben wir hier nun bitte schoen, frage ich? Erstens wir haben nichts neues! Keine echte Nachricht nur das eine Person einen Artikel in einer amerikanischen Zeitung geschrieben hat. Wir haben hier einen Artikel ueber eine Person (zu einem Artikel von einer Person) um damit ganz bewusst eine Meinung verbreiten zu koennen. Wie gesagt, es geht nicht um die Person sondern darum was der Artikel bezwecken soll. Anti Amerika Propaganda! Man nehme ein kleines Ereignis oder einen kleinen Artikel und mache daraus eine grosse und vor allem mit negativen Attributen bestueckte Geschichte--bashing nennt sich das im Amerikanischen.

Was der gute Reporter und wohl auch viele Leser vergessen ist, dass man solche Ereignisse und Artikel auch im Original in Englisch nachlesen kann. Den Gastartikel von der Condi gibt es auch im Internet. Fuer mich leider nicht ueberraschend liesst sich dieser Artikel dann etwas nuechterner. Schauen wir also den Original Artikel mal an und vergleichen das mit den von mir hervorgehobenen Abschnitten. Hier die ersten drei Absaetze.
As I watched Hosni Mubarak address the Egyptian people last week, I thought to myself, "It didn't have to be this way."

In June 2005, as secretary of state, I arrived at the American University in Cairo to deliver a speech at a time of growing momentum for democratic change in the region. Following in the vein of President George W. Bush's second inaugural address, I said that the United States would stand with people who seek freedom. This was an admission that the United States had, in the Middle East more than any other region, sought stability at the expense of democracy, and had achieved neither. It was an affirmation of our belief that the desire for liberty is universal - not Western, but human - and that only fulfillment of that desire leads to true stability.

For a time it seemed that Egypt's leadership was responding - not so much to us but to their own people, who clamored for change. Egyptians had just witnessed the retreat of Syrian troops in Lebanon and the election of a new government; the purple-fingered free elections in Iraq; and the emergence of new leadership in Palestine. A few months later, freer if not fully free presidential elections followed raucous civic debate in Egypt's cafes and online. Though Mubarak's party won overwhelmingly, it seemed a kind of Rubicon had been crossed.
Den Rest des Artikels koennen wir uns sparen, denn fuer den hat sich unser Journalist nicht die Bohne interessiert. Schade eigentlich. Alles was er brauchte fuer seine Geschichte ist in diesen ersten Absaetzen. Um das nun klar und deutlich zu machen: Alles was der gute Reporter der former secretary of state unterstellt befindet sich hier in diesen drei Absaetzen.

Unser Journalist von der Front schreibt also wie folgt: " sie hat in Anspruch genommen ... den Keim der Demokratie in Aegypten eingepflanzt zu haben". Ich kann den Artikel von der Frau Rice noch hundert mal mehr durch lesen ich finde nichts was wie ein Keim fuer Demokratie aussieht. Eher das Gegenteil: "to deliver a speech at a time of growing momentum for democratic change in the region". Sie schreibt ganz klar, dass der Prozess damals 2005 schon begonnen hat--nicht das sie der Keim war und das gepflanzt hat! Auch nicht einmal ein zarter Hinweis, dass sie Wasser auf die keimende Saat gegossen hatte. Es ist alles nur eine stiel-lose Fantasie des Journalisten. Oder vielleicht ein Wortspiel auf ihren Namen? Rice = Reis = Keim? Nein?

Herr Muenger impliziert dann sogleich weiter, dass Frau Rice die folgenden halbwegs freien Wahlen ihrer Rede zu verdanken seien: "Denn nur wenige Monate später ... " beginnt er. Genau so kann man das im Original Artikel nicht finden. Sie schreibt zwar, dass "A few months later, freer if not fully free presidential elections followed" aber das steht an einer anderen Stelle und somit in einem anderen Kontext. Weit und breit nichts, dass dies ausschliesslich wegen ihrer Rede geschehen sei. (Noch) nicht unbedingt das Gegenteil aber im richtigen Kontext und deshalb im Gegensatz zu den Worten vom Journalisten beginnt sie den Abschnitt mit "For a time it seemed that Egypt's leadership was responding--[das sparen wir uns auf fuer gleich]. Egyptians had just witnessed the retreat of Syrian troops in Lebanon and the election of a new government; the purple-fingered free elections in Iraq; and the emergence of new leadership in Palestine". Erst jetzt folgt der zitierte Satz und steht nun im richtigen Kontext.

Journalistische Freiheit, eh? Man schnippselt einfach zwei Saetze weg und klebt das ganze neu fuer seine Zwecke neu zusammen. Der Satz bezieht sich im Original auf die Aegypter welche die erwaehnten Ereignisse erlebten und nicht ihre Rede wie bei Herr Muenger. Wichtig und interessant hier jedoch der erste Satz, es ist eigentlich die einzige Stelle wo sie einen Bezug zwischen ihrer Rede und etwas herstellt, so scheint es. Oh Schreck und Wunder, es ist ein Bezug zur aegyptischen Regierung "Egypt's leadership" und nicht dem Volk welches sich nun aufgebaeumt hat und was der Journalist hier der Frau Rice vorwirft! Nun kommt aber der eigentliche Hammer und der tolle Satze welchen ich zuvor aufgehoben haben, denn sie schreibt "--not so much to us but to their own people, who clamored for change". Man beachte als erstes das Wort "us"--not "me"--und zweitens, dass sie einen Einfluss von Amerika eigentlich ausschliesst. Das pure Gegenteil von dem was Herr Muenger dem gegen Amerika geneigten Leser weiss machen will.

Als naechster kleiner Uebersetzungsfehler, wenn wir das mal so taxieren wollen, haben wir die Ueberquerung des Rubikon: "Trotzdem behauptet Rice, wegen ihres Auftritts sei der «Rubikon überschritten» worden.". Wir koennten hier als erstes wirklich noch etwas um das "Trotzdem" debatieren aber wir lassen das und sehen uns das Original an mit dem Rubikon: "Though Mubarak's party won overwhelmingly, it seemed a kind of Rubicon had been crossed." Unser Journalist unterschlaegt in der Uebersetzung einerseits das Wort "seemed" (oder uebersetzt das mit behauptet???) und fuegt anderseits "wegen ihres Auftrittes" ein. Das "Mubarak's party won overwhelmingly" im uebrigen ein Link zu einem weiteren Artikel ist mit welchem man das "Trotzdem" sehr in Frage stellen muss faellt in der Uebersetzung auch durch alle Maschen durch.

Die Spannung steigt wir naehern uns dem Hoehepunkt, dem dritten Absatz von Herrn Muenger wo er die ueberschaeumende Eitelkeit von Frau Rice untermauert mit den viermal "Ich" und wie sie auf ihre eigene bedeutsame Rolle beim Umbruch in Aegypten hinweist. Viermal "ich", wau, das muss aber wirklich eine eitle Tante sein. Nochmals, man kann den Artikel mehrmals durchlesen und sieht nirgends wo oder wie die gute secratary of state auf ihre bedeutsame Rolle hinweist. Einzig und alleine weil sie den Artikel damit beginnt, dass sie 2005 in Kairo war und dass sie dort eine Rede hielt? Are you frickin' kidding me?

Und dann also das Wort "Ich"; viermal in den ersten drei Saetzen? Really? Are you fricking, fricking, fricking kidding me? Das waere dann auch viermal fricking in diesem Artikel! Hier meine freie/woertliche deutsche Uebersetzung der ersten drei Saetze
Als ich Hosni Mubaraks's Rede an das aegyptische Volk sah letzte Woche, dachte ich: "Es haette nicht so kommen muessen". In Juni 2005, als secretary of state, kam ich bei der Amerikanischen Universitaet in Kairo an um eine Rede zu halten, zu einer Zeit als der demokratische Wechsel in der Region an Schwung gewann. Nachfolgend zur zweiten Amtsantrittssprache von GWD sagte ich, dass die Vereinigten Staaten mit Leuten welche Freiheit suchen zusammenstehen werden.
"I watched, I thought, I arrived, I said." Veni, vidi, vici oder was? Diese vier "ichs" sollen was beweisen? Eitelkeit? Really? Are you fr .... lassen wir das. Wie sonst soll die Frau Rice den ihren eigenen Artikel schreiben, in der dritten Person???

Wer die beiden Artikel im Original selber lesen und vergleichen will hier sind die entsprechenden Links.
Tages Anzeiger
Washington Post
Wir brauchen uns uebrigens nicht zu wundern, wenn dann der deutsche Artikel irgendwann mal nicht mehr Online ist. Ich habe beide Text auf alle Faelle abgespeichert und kann die notfalls nachliefern hier oder sonstwo.

Und last but not least einfach nochmals, in aller Deutlichkeit! Es geht nicht um den eigentlichen Inhalt des Artikels. Soll mir keiner Antworten hier "ja aber die Amis, Kriege, Guantanamo Bay oder die Rice hier"--darum geht es nicht. Es geht einzig und allein um die Art der Bericht Erstattung. Um Nachrichten welche keine sind. Um Nachrichten welche nachweislich falsch sind! Und "regurgitating" von alten "Fakten"! Es geht um diese Artikel welche lediglich dazu da sind um das Negativebild von Amerika aufrecht zu erhalten--Wahrheit hin oder her und mit Fuessen getreten. Propaganda! Es geht ferner darum, dass es nicht nur so eine gelegentliche Ausnahme zwischendurch ist, sondern tag taeglich geschieht. Es ist beileibe auch nicht nur der gute alte Tages Anzeiger (you're excused) alleine sondern so ziemlich jede Zeitung oder Magazin welche ich in deutscher Sprache immer wieder mal online konsultiere. Man muss sich allerdings nur die Muehe nehmen das Original im Englisch zu suchen und zu lesen.

Daher der kleine Gratistipp: Konsultiert die Original Artikel in Englisch, es lohnt sich!

Samstag, 24. April 2010

Wireless Network

Too funny, und ja als Techy liebe ich natuerlich Dilbert

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