Downtown Austin

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Montag, 4. Juni 2007

Lasst uns randsteinen und fersen

Heute wieder mal eine Englisch Lektion. Dies dürfte interessant sein für alle welche mal mit Hund nach Amerika gehen. Spontan fällt mir dazu gerade niemand ein in meinem Bekanntenkreis, aber was soll's. Mein Wille zählt.

Gestern hatte ich mal das Schild genauer gelesen über dem Ding das man in der alten Heimat allgemein als Robidog bezeichnet. Dazu erst etwas Basiswissen weil vielleicht nicht alle Leser Schweiz bewandert sind. Robidog ist ein schweizerdeutsches Wort weil eine rein schweizerische Erfindung und man wird mit dem Wort ausserhalb der Schweiz auf Unverständnis stossen. Ich hab mich auch noch schnell im Internet dazu orientiert und dabei folgenden interessanten Blog gefunden in welchem eine Deutsche ihre Sicht auf das Schweizer "Hundekotsammel-System" schildert. Einen speziellen Namen für das amerikanische System hab ich bis dato nicht bemerkt ausser, dass man vielerorts gebeten wird to pick up after your dog. Man soll also 'nach seinem Hund aufnehmen'. Allerdings wird nicht gesagt was man den nun aufnehmen soll, wohl weil offensichtlich oder weil to offensive/zu anstössig. Whatever!

Zurück zum Schild. Da steht nun leash-curb and pick up after your dog. Den letzten Teil haben wir schon entschlüsselt, bleibt also leash was die Leine ist und curb wäre allgemein der Rand- oder allenfalls Rinnstein, letzterer sollte aber eher der gutter sein. Wer sein Englisch streng nach britischer Weise (BE=British English) gelernt hat wird zu curb noch insistieren und sagen das man es kerb schreibt. Das ist korrekt aber die amerikanische Schreibweise (AE=American English) ist curb und ausgesprochen wird es beiderseits des Teichs auf die gleiche Art. Englisch hat die aus deutscher Sicht beneidenswerte Eigenart das man oft aus einem Hauptwort (noun) direkt das Verb dazu bilden kann wenn man mit dieser Sache oder Ding etwas tut. Im Deutschen gibt es das ganz selten auch aber so spontan fallen mir dazu nur Anglizismen ein, also Wörter welche wir direkt aus dem Englischen schon so übernommen haben. Und konjugieren müssen wir sie trotzdem auch noch was nicht immer so einfach oder offensichtlich ist wie im Englischen. Tut ihr nun smsen oder simsen? Auf dem Schild wird leash, die Leine, also zum Verb und gebietet den Hundebesitzer seinen Hund zu leinen, respektive natürlich anzuleinen oder 'an der Leine zu führen'.

Mit curb hatte ich dann aber so meine Mühe zu verstehen was damit gemeint sein soll. Soll ich meinem Hund einen Randstein umbinden? Wer nun ein Deutsch-Englisch Wörterbuch zur Hand nimmt wird das Rätsel kaum lösen oder sogar sprachlos zur Kenntnis nehmen müssen, dass man den Hund "an die Kandare nehmen" oder auch "im Zaume halten" soll. How dare you! Es ist eigentlich ganz einfach wenn man sich eine Stadt mit dem Trottoir (oder Bürgersteig für unsere Deutschen Freunde) vorstellt und man dort mit dem Hund Gassi geht/to walk the dog. In England läuft man übrigens auf dem pavement oder footpath und in Amerika auf dem sidewalk. Läuft man nun auf dem sidewalk und wird gebeten to curb a dog heisst es ganz simple den Hund 'randsteinseitig zu führen', damit er dort im gutter sein Geschäft verrichten tut und nicht mitten auf dem sidewalk. Clever, isn't it?

Bleibt noch zu klären, wieso das Wörterbuch den Hund zügeln oder an die Kandare nehmen will. Das Nomen curb hat natürlich noch weitere Bedeutungen als nur Randstein. Ursprünglich kommt curb von alten Worten in Französisch [corber] und auch in Latein [curvus] was uns im Deutschen wiederum wahrscheinlich die Kurve abgegeben hat. Unser Randstein ist im Englischen folglich eine Kurve zwischen Fahrbahn und Gehweg und wurde zu curb. Und jetzt kommt es, beim Zaumzeug eines Pferdes / bridle gibt es offensichtlich eine (vorwiegend amerikanische) Variante welche eine krumme Verbindung unter dem Kinn mit dem Mundstück hat was man als curb bit bezeichnet. Im Deutschen habe ich dazu den Begriff Kinnkette gefunden. Das Pferd also mit diesem Zaumzeug oder speziellen Technik zu führen wird im Englischen mit to curb bezeichnet und für mein Verständnis etwas zu salopp mit "an der Kandare führen" oder sogar "zügeln" übersetzt. Wobei zügeln hier nicht als schweizerdeutsches Wort für umziehen verwechselt werden darf. Man sollte also nicht auf die Idee kommen seine Möbel zu curben, gell! Im Englischen tut man immer noch moven.

Nach dem Abstecher zu den Pferden nochmals kurz zurück zum Hund. Im Englischen führt man den Hund nicht bei Fuss sondern an den Fersen. Der Hund folgt einem auf den Fersen. Also heel für Ferse und ihr ahnt es schon man macht daraus einfach das Verb, to heel the dog, man ferst den Hund. Will man dem Hund "Bei Fuss" befehlen schreit man hier einfach "Heel".

Wer all den Aufforderungen auf dem Schild hier in Austin uebrigens nicht nachkommt kann gebuesst werden im Rahmen von $50-$250.

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