Downtown Austin

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Donnerstag, 26. Juli 2007

Einmal Nr. 3, bitte!

Bevor ich mit dem eigentlich Inhalt des Blogs beginne muss ich einige der Freunde in der alten Heimat etwas vorwarnen. Ich hoffe es ist kein Schock und hinterlässt euch in einem desillusionierten Zustand. Zwei Tage vor meiner Abreise in die USA hatte ich einen alten Zopf abgeschnitten. Jawohl, mein langes Haupthaar ist einer Radikalkur zum Opfer und abgefallen. A) dachte ich es ist wieder mal Zeit für kurze Haare, B) war die Zeit genau richtig da eine Auswanderung ein wesentlicher Wechsel in einem Leben ist, C) wusste ich nicht was mich in der Arbeitswelt erwartet und D) ein Cowboyhut mit den langen Haaren ist nicht Wind resistent. Kurzes Haar wirkt wie Widerhaken und vermag den Deckel auf der Pfanne zu halten.

All right, Punkt D ist natürlich etwas übertrieben. Auch wenn Texas stark an Cowboys erinnert so ist davon im alltäglichen Leben wenig zu sehen. Ein eingewanderter Schweizer der im Cowboy Outfit in Austin vor dem Computer hockt wäre etwa so abwegig wie ein Zürcher in Bern in der Sennentracht. Wer diesem Beispiel nun nicht ganz folgen kann ist nicht Schweizer, war wohl auch noch nie in der Schweiz und hat auch ein verklärtes Bild davon. Und nein, ich werde darauf nicht weiter eingehen, es geht hier um Texas, Amerika und um mich! Wobei Cowboystiefel und auch einen Cowboyhut habe ich, zwar keinen Stetson (, it's not just a hat, it's the hat) aber immerhin einen Resistol, der ist dafür aus Texas! OK, gekauft hab ich ihn in Las Vegas 1996.

Bin ich wieder mal abgeschweift? Genau, eigentlich geht es um meine Haare und ich war heute beim Coiffeur (schweiz. für Friseur). Lange Haare hatte ich immer wieder mal vor allem weil mich meine Haare auf dem Schädel eigentlich nicht so interessieren. Ausser ich stehe auf am Morgen, sehe mich im Spiegel und die Pracht lässt sich durch keinerlei Massnahme ausser Waschen in eine halbwegs gewünschte und anständige Position bringen. Bis ich dann aber so stark genervt bin und den Weg zum Coiffeur hinkriege vergehen meist noch einige Wochen. Es muss mich so stark nerven, dass es über die morgentlichen 2 Minuten vor dem Spiegel hinweg geht. Eine einfache Lösung zum Problem ist sich weitere 6 Monate über die Haare zu nerven bis sie langsam so lange sind, dass ich sie in einen Pferdeschwanz binden kann. Für mich die einfachste Lösung. Es gibt natürlich auch noch die Möglichkeit schön regelmässig zum Coiffeur zu gehen aber was mich auch noch nervt ist das Haare schneiden selbst. Konkret, Termine und der Preis.

Hat man ein normales Arbeitsleben blieb einem in der alten Heimat eigentlich nur der Samstag. Samstag hiess auch nur bis 16:00 Uhr und da man mit dem Problem nicht der Einzige war, hatte man ohne Voranmeldung keine Chance. Sollte man dann mal am Montag frei haben war das auch Pech - die Zunft der Hair Stylisten braucht dann frei um den Samstag auszugleichen. Ich hab ja so Mitleid mit euch.

Haare schneiden in der alten Heimat ist auch nicht grad billig, unter 50 harten Schweizer Fränkli geht kaum was. Irgend wann, und ich habe auch keine Ahnung wieso, hat es sich eingebürgert, dass man auch als Mann die Haare gewaschen kriegt vor dem Schneiden. Soll man also gefälligst mit dreckigen und fettigen Haaren zum Coiffeur, oder was? Einfach nur Haare schneiden wurde mir entweder mit 'haarsträubenden' Gründen abgelehnt oder es hiess; "sie müssen aber trotzdem den vollen Preis bezahlen". Na gut, dann Wasch mal! Bei einem Salon verpasste man mir sogar eine Haarmassage mit so einem Schüttelapparatus welcher der Figaro mit der Hand 5 Minuten über meinen Kopf führte. Im Preis schon inbegriffen. Die Kopfschmerzen welche ich anschliessend hatte wohl auch. Die hatten mich einmal und nie mehr wieder gesehen.

Es würde für mich sehr viel mehr Sinn machen wenn einem die Haare nach dem Schneiden gewaschen werden. All die Haarschnipsel welche noch auf dem Kopf sind vermögen alle Techniken die angewendet werden nicht davon abbringen nach dem Verlassen des Salons auf die Kleider, ins Gesicht und - worst of all - in den Hals und den Rücken hinab zu schweben. Fönen gehört zu den abstrusen Techniken mit dazu und Haar Gel macht es meiner bescheidenen Meinung nach auch nicht besser. Die Schnipsel einfach wieder sorgfältig ankleben, irgendwie clever.

Vermutlich haben all diese Probleme schon früh bei mir angefangen. Anders kann ich mir es nicht mehr erklären, dass ich mir im Teenager Alter sogar vom Vater hab die Haare schneiden lassen. Kein Problem, Kochtopf auf die Rübe und was rausschaut wegschneiden. Mit mehr Professionalismus durfte dann sogar der Busch im Garten als Vorbild herhalten.

Jetzt hier in Amerika sind die Schnipsel natürlich nicht weniger nervig im Nacken aber mit den Terminen und den Kosten sieht es einiges besser aus. Wenn ich am Montag frei habe stehe ich nicht vor verschlossener Tür und das würde selbst für den späten Samstag Nachmittag wie auch einen Sonntag gelten. Warten und geschweige den Stunden oder gar Tage zuvor anmelden musste ich mich bis dato noch kein einziges mal und die Haare waschen lassen muss man sich auch nicht. Kann man natürlich wenn man will und sie versuchen einem diesen Extra Dienst auch immer wieder mal zu verkaufen. Bei Super Cuts muss ich mir nur die Nummer merken für den elektrischen Rasierer für die Länge beim buzz cut im Nacken. Anscheinend ist es Schablone Nr. 3 was ich will und sie vorne drauf poppt. Und dann noch die schwierige Frage ob es im Nacken rund oder eckig sein soll. Was interessiert mich das? Ich muss mich ja nicht von hinten anschauen. Ansonsten reingehen, hinsetzen, Wasser aus der Flasche aufsprühen und 15 Minuten später ist die Sache erledigt. Nun kann ich nach Hause gehen und unter die Dusche.

Kosten tut das alles keine $15. Das einzige was etwas seltsam anmutet und immer noch dazu kommt ist gratuity or tip (das Trinkgeld) was noch üblich ist. Nicht das man mich jetzt falsch versteht, ich finde es ok. Nur wieviel es nun sein soll und wie oder wo ich die tip hinterlasse ist eine der grossen Quizfragen welche einem wohl niemand schlüssig beantworten kann. Die Meinung dazu geht weit auseinander wenn man sich die Antworten im Internet anschaut. Irgendwie 15-25% wobei es meistens wieder flat also gerade $1, $2 oder $3 sein sollen für den einfachen Männer Schnitt.

Dann gibt es auch immer wieder mal Aktionen oder man finden Coupons. Beim HEB Supermarkt sind auf der Rückseite des Kassenstreifen immer solche Coupons abgedruckt und da hab ich gerade kürzlich für Super Cuts einen Coupon gesichtet und nun auch gleich eingelöst. Nun kostet mich der hair cut statt der $13.50 nur $10.95. Respektive wieder $13.50 weil ich den Rabatt gleich zu ihrem Trinkgeld gemacht habe. Ich hoffe ihr hat das auch gepasst und wenn nicht werde ich das vielleicht beim nächsten Schnitt sehen.

Wobei das nächste Mal werde ich vielleicht zu einem richtigen Barber gehen. Genau so einer wie in den alten Filmen wo Männer noch unter sich sind. In der Zeitung hab ich grad kürzlich einen Artikel zu Avenue Barbershop gelesen der noch fast so wie früher aus diesen Filmen bekannt sein Geschäft betreibt. Den hab ich beim vorbeifahren schon mal gesehen, denn er hat draussen diese typische barber's pole, eine weisse Säule mit roten Streifen oder/plus anderen Farben welche sich dreht.

Sollte nicht mehr lange dauern, in 6 Wochen dürften meine Nerven wieder blank liegen.

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