Downtown Austin

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Dienstag, 31. Juli 2007

Kleine gelbe Menschen

Ich glaub ich habe es schon mal erwähnt, ich sitze relativ viel vor der Glotze. Dabei ist mir kürzlich nicht etwas aufgefallen, eher wieder in den Sinn gekommen. Selbst wer schon mal in Amerika war nimmt es mehrheitlich so wahr wie es in Filmen und TV Serien präsentiert wird. Nachrichten und damit Politik schliesse ich hiermit explizit aus. Da etwas zu analysieren oder hinein-zu-interpretieren wage ich mich noch nicht ran und ist zu komplex. Später vielleicht mal.

Eigentlich ist es offensichtlich, hinter einer TV Serie in Amerika steckt ein anderes Konzept als in einer Serie produziert vom oder für das deutsche Fernsehen. Oft schien es mir aber als ob das vielen Leuten in der alten Heimat nicht bewusst ist. Mit deutschem Fernsehen meine ich übrigens vorwiegend die öffentlich-rechtlichen in Deutschland, das Schweizer Leutschenbach Fernsehen und auch die beiden Österreicher 1+2, da man die in der Deutschschweiz auch zum Standard Angebot zählen darf. Amerikanisches Fernsehen will seit jeher unterhalten, deutsches Fernsehen will ... ähm, langsam mit den privaten Sendern auch unterhalten, aber es verfolgt mehrheitlich höhere Ziele. Immer noch steht über allem irgendwie dieser "Bildungsauftrag". Gibt es hier nicht, Quoten müssen her. Nielsen Rating heisst das Zauberwort. Und wenn Bildung dann in Form von Mythbusters oder Dirty Jobs. Aber eben, das ist nicht staatlich verordnet.

Eine TV Serie im deutschen Fernsehen scheint es muss immer dem realen Leben entsprechen, man will dem Zuschauer zB das wahre Leben eines Polizeibeamten näher bringen. Bildung, mit etwas Unterhaltung! Oder umgekehrt? Unterhaltung, mit etwas Bildung? Nee, kann nicht sein.

"Harry, fahr' mal den Wagen vor"-Derrick und andere deutsche Serien sind rein von der Aufnahmetechnik her den heutigen Reality Shows näher als einer fiktiven Geschichte. Man sitzt mehr als nur in der ersten Reihe. Man hatte das Gefühl die Personen und die ganze Handlung sind echt, dass man die begleitet wenn sie in ein Haus treten um die Leute zu befragen. Die ganze Szenerie am Filmset bei US TV Serien ist komplett anderes. Bei Columbo oder Magnum, P.I. schaute man sich im Vergleich dazu praktisch einen Kino Film an. Die Geschichten sind oft abstrus aber die ist auch nicht so wichtig. Die Charakteren und Dialoge sind viel wichtiger. Und es darf auch gelacht werden.

Ein weiteres Klischee. Die Notfallaufnahme jedes Krankenhauses in amerikanischen TV Serien ist konstant überfüllt mit tausenden von blutenden Patienten, vor allem weil angeschossen. Handkehrum kann sich angeblich kein Amerikaner Krankenversicherung leisten. Müssen wohl alles Touristen sein. Ich war vor einem Jahr in der Notfall Aufnahme wegen einer allergischen Reaktion auf den Stich einer Feuerameisen. Der echte Emergency Room sieht gleich langweilig aus wie in der alten Heimat. Und weit und breit kein George Clooney. Ein Disaster für jeden Regisseur mit Hollywood Aspirationen.

Auf was ich hinaus will? Oft schien es mir, dass dem Zuschauer in der alten Heimat dieser markante Unterschied nicht bewusst ist. "Ja genau so wie in der Lindenstrasse ist bei uns das Leben." folglich "Ah, so wie Roseanne leben die Amerikaner also???" Gleichzeitig hat dann auch noch die 'schrecklich nette Familie' losgelegt. "Mann, sind die Amis bescheuert?" Wer sich übrigens zu dieser Serie den Titel im Deutschen ausgesucht hat frage ich mich heute noch. Anyhow! Wobei wir mit Roseanne diesbezüglich etwas spezielles ansprechen müssen. Bis zu Roseanne zeichneten TV Serien über 'das alltägliche amerikanische Leben' mehrheitlich eine gute heile Welt. Fiktion also. Mit Roseanne kam das 'wirkliche Leben' der Amerikaner, vor allem das der unteren Mittelschicht, in die Fernsehstuben. Allerdings auch hier Fiktion, stark überzeichnet und konzentriert. Unterhaltung steht im Vordergrund, die Quoten müssen stimmen und der Amerikaner kann gerne und gut über sich selbst lachen. Obwohl, beim Gang durch den Supermarkt ertappe ich mich oft und denke: "Ich glaub ich weiss wie es bei den zu Hause zu und her geht". Hab es ja schliesslich bei Roseanne oder den Bundys gesehen.

Fast hätte ich es vergessen und eigentlich wollte ich auch nur folgendes vermelden - die ganze Einleitung sollte nur etwas der Rahmen bilden. Langer Rede kurzer Sinn wie man so schön sagt.

Die Simpsons sind jetzt im Kino. Und nein, nicht alle Amerikaner sind kleine gelbe Menschen! D'oh!

Gemäss den ersten Kritiken und Berichten soll The Simpsons Movie nicht sooo überwältigend sein. Ich werde mir das also ersparen und mich auf die Fall Season im Fernsehen freuen. Die geht bald los und dazu kann ich auch wieder was erzählen. Das kennt man so im deutschen Fernsehen nämlich nicht.

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