Downtown Austin

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Freitag, 31. August 2007

Cornuto

Nachdem wir im letzten Beitrag uns etwas vertraut gemacht haben mit der NCAA können wir jetzt langsam zu NCAA Football einschwenken.

Da es folglich um Teams einer Schule geht ergibt sich fast natürlich etwas sehr spezielles - vor allem im NCAA Football. Eine Schule steht hinter ihrem Team und die Spiele in der Championship zu Besuchen scheint Pflichtprogramm für die Studenten zu sein. Entsprechend sehen die Stadion aus. Mehrheitlich genau so gross oder sogar grösser als die der Profi Liga. Das Stadion hier in Austin fasst zB mehr als 85,000 Zuschauer und wurde gerade auf diese Saison hin noch ausgebaut - da zu klein!

Eigentlich überflüssig zu erwähnen aber damit das auch gesagt ist; das Fernsehen ist natürlich bei allen Top Spielen Live dabei. Seit gestern herrscht somit für viele Männer in Amerika der Ausnahmezustand und der Streit um den Fernseher mit ihren Freundinnen oder Frauen hat begonnen. Glücklich wer eine Frau hat die auch Football begeistert ist. Am Donnerstag, Freitag und Samstag finden die College Spiele statt plus Sonntag und Montag mit ESPN NFL MNF (Monday Night Football) regieren die Spiele der Profi Liga. Die startet aber erst nächste Woche.

Die Sportabteilung einer Schulen ist einer Division zugeordnet. Die Division soll in etwa die Spielstärke (aller Sportarten) der Schule repräsentieren. Da Football so populär ist sind diese Divisions noch unterteilt in sogenannte Conferences. Eine Conference ist meistens traditionell entstanden und ihre Mitglieder liegen daher auch relativ nahe beieinander, damit die Reisen nicht zu lang sind. Man darf nicht vergessen, dass dies bis vor einigen Jahrzehnten nur per Bus bewältigt werden konnte und es ist auch heute noch der Standard. Stellt sich einem die Frage wie die in den Anfangsjahren um 1900 gereist sind zu einem Spiel. Dann muss man auch noch bedenken, die Sportler sind in erster Linie Schüler und keine Profis. Innerhalb dieser Conference werden in der regular season (normale Saison) die meisten Spiele gespielt. Traditionell werden aber auch mit Teams aus anderen Conferences Spiele ausgetragen welche in die Tabelle irgendwie aufgenommen werden. Da wird es etwas undurchsichtig für mich.

Die Divisions im NCAA Football nominieren dann aufgrund irgendwelcher dubiosen und kaum zu begreifenden ratings ihre Top Teams und diese spielen dann nach der regular season ihrer conference noch die Championsship der Division. In der Division I Football Bowl Subdivision (ehemals die I-A) sind dies die sogenannten Bowl Games, im Gegensatz zu den anderen Divisions in welchen ein Playoff gespielt wird. Last but not least gibt es noch einige Spiele als Abschluss der Season welche mehr aus Tradition abgehalten werden aber nicht minder Prestige trächtig sind.

Wer denkt das ist alles unheimlich kompliziert hat wohl Recht. Man muss sich aber einfach etwas vor Augen halten, dass das erstens mit Tradition verbunden ist und es zweitens über das ganze Land verteilt relativ viele Schulen sind was entsprechend eine grosse Anzahl von Teams ergibt. Man müsste sich zum Vergleich eine Liga oder Organisation im Fussball vorstellen welche alle Hochschulen und Universitäten in Europa beinhaltet. Am Besten konzentriert man sich einfach auf sein Team, die dazugehörige Conference und wenn man Chancen hat für die Championsship schaut man einmal in die Division rein was einem da erwarten könnte. Richten wir unseren Blick also nach Austin, Texas.

Die Sport Teams der University of Texas (UT) hier in Austin sind die Texas Longhorns und spielen in der Division I. Die Team Farbe ist Burnt Orange und man sagt ein echter Longhorn Fan blutet auch in dieser Farbe. Die Farbe Burnt Orange ist vom Namen her ein verbranntes (burnt) und somit dunkles Orange. Natürlich hat man auch einen Schlachtruf und der Spruch hook 'em, horns hört man nicht nur, man findet ihn hier durch die ganze Stadt verteilt an Wänden, Autos und natürlich auch immer wieder mal auf einem T-Shirt. Hab ich vergessen zu erwähnen, dass Austin das ist was man eine Universitätsstadt nennt. Dann gibt es noch das Gruss- oder Handzeichen was manchen Europäer etwas erschrecken könnte weil es das ist was man speziell in Italien als mano cornuto kennt.Es repräsentiert das Markenzeichen, das Texanische Longhorn, ein Rindvieh mit charakteristisch langen und geschwungenen Hörnern. Man sollte hier in der Gegend also nicht erschrecken wenn einem jemand plötzlich den "Gehörten" zeigt. Die Hörner will einem hier niemand aufsetzen aber das gegnerische Team dafür auf die Hörner. Das Football Team findet man in der Big 12 Conference. Sie sind schlicht und einfach unter dem Begriff Texas bekannt und gefürchtet.

Morgen Samstag um 6pm beginnt für die Longhorns die Season gegen Arkansas State und man ist sehr gespannt ob der Quarterback Neuling vom letzten Jahr, Colt McCoy, seine grossartigen Leistung überbieten kann. Leider wird das Spiel nur über FSN PPV (Pay-Per-View), dh einen Bezahlsender ausgestrahlt. Was soll's ich muss ja eh arbeiten morgen Abend.

Donnerstag, 30. August 2007

T minus 0

Der Countdown läuft, in etwas mehr als einer Woche beginnt wieder die Football Season und findet irgendwann Ende Januar ihren Höhepunkt in der Super Bowl. Falsch, der Countdown* ist bereits bei Zero angelangt! Die Season beginnt heute.

Was manchem American Football Fan in der alten Heimat nicht bewusst ist, College Football, auch bekannt als NCAA Football, geniesst hier fast genau so grossen Status wie die Profi Liga, die NFL (National Football League). Ich will jetzt heute nicht so sehr über Football den Sport berichten als viel mehr das Konstrukt College Sports. Ich blicke ehrlich auch noch nicht so ganz durch und alle Daten die ich hier nun präsentiere sind in diesem Sinne also nicht Fakten sondern Informationen aus dem Web die ich mir zusammengekratzt habe. Das ist das schöne an diesem Blog, dass ich mich mit gewissen Dingen etwas ernsthafter auseinander setzen darf (muss). Statt einfach loszuplappern, dass die Amis jetzt wieder spinnen mit College Football und dies kein Mensch versteht ausser die Amis selbst schaue ich hinter die Kulisse, suche die Gründe und will nicht nur das Verständnis für mich alleine sondern auch in der alte Heimat fördern. Völkerverständigung sozusagen.

Wer meine früheren Einträge über soccer gelesen hat sollte sich an einige Dinge erinnern die ich über die Entstehung von Fussball geschrieben habe. Soccer, Rugby und auch Football haben ihre gemeinsamen Wurzeln in England und dort in Universitäten. Die verschiedenen Schulen trafen sich immer wieder um in unterschiedlichen Wettkämpfen nicht nur ihre geistigen sondern auch ihre körperlichen Fähigkeiten zu messen. Etwas das man ausser auf der britischen Insel wohl nie für nötig befunden hat. Die ersten Sportligen sind allesamt aus diesen Schulspielen entstanden. Von England aus hat sich diese, sagen wir mal Tradition, auch auf der anderen Seite des grossen Teichs fortgesetzt. Allem voran das was wir heute als American Football kennen.

Hier muss ich jetzt einen Einschub machen und die Begriffe University und College etwas erklären. Der Begriff University ist in Amerika keine staatlich geschützte Bezeichnung und ihn mit Universität zu übersetzen kann mitunter zu Missverständnissen führen. Daher sieht man auch immer wieder mal irgend welche kuriosen Schulen die sich selbst University nennen. Man muss also grundsätzlich in das Angebot der Schule schauen um festzustellen ob es mit einer Universität in der alten Heimat vergleichbar ist. Nicht viel anders sieht es entsprechend auch mit dem Begriff College aus im Bezug auf die Schule. Als gesichert gilt eigentlich nur etwas. Wer die High School verlässt und studieren will geht die ersten vier Jahre ins College und schliesst das als ersten Titel mit einem Bachelor's Degree ab. Die weiteren Titel sind dann theoretisch den Universities vorbehalten. Folglich sagt man in Amerika zB immer "I went to college at UT (University of Texas)" selbst wenn die Schule eine University ist und man den Bachelor schon hinter sich hat. Eine weitere Besonderheit gibt es auch noch und ist im College Sport vertreten, dass sind die Militärakademien. Darauf gehe ich jetzt aber nicht näher ein und ich verwende für den Rest allgemein den Begriff college oder einfach Schule.

Die verschiedenen college hatten aus dieser frühen und offensichtlich sehr populären Form des Wettkampfs bald einmal die Einsicht, dass es ohne Regelung über dem ganzen etwas schwierig wird. So schwierig vor allem, weil Football viele Verletzte und sogar Todesopfer gefordert hat. Offensichtlich musste sich US Präsident Theodore Roosevelt selbst in die Problematik einschalten und 1905 die Teilnehmer zu Tisch und Aussprache bitten. An einem Meeting am 28. Dezember in New York City, wurde die Intercollegiate Athletic Association of the United States (IAAUS) mit 62 Mitglieder gegründet. Einige Jahre später wurde das unbenannt in National Collegiate Athletic Association (NCAA) -- Geschichte der NCAA. Mit der NCAA wird nun aber nicht nur Football geregelt sondern 23 Sportarten. Unter dem Dach der NCAA tragen die Schulen in den jeweiligen Sportarten regelrechte Championships (Meisterschaften) aus in denen jährlich der Meister erkoren wird. Mehr als 40,000 Sportler kämpfen in insgesamt 88 Championships und alles von der NCAA geregelt und überwacht. Wahrscheinlich jedes college in Amerika hat ein Team in irgend einer Sportart welches in einer Liga an einer solchen Championship teilnimmt. Einige Schulen sind mit ihren Sportprogramm so erfolgreich und folglich populären, dass das restliche Unterrichtsangebot total überschattet wird und kaum erwähnenswert scheint. Der Schein trügt, die paar Elitesportler eines college machen natürlichen nur einen bescheidenen kleinen Teil aller Studenten aus.

Nachdem wir nun etwas die Basis haben über NCAA können wir ihm nächsten Beitrag näher auf NCAA Football eingehen und natürlich noch etwas zum lokalen Team der University of Texas hier in Austin.

* Folgender Link bringt etwas Hintergrund Wissen zum NASA Countdown

Mittwoch, 29. August 2007

Der Meister und sein Diener

Nein, es geht hier nicht um meinen Hund Lucky und mich. Obwohl ich sein Meister bin ist er mit Sicherheit nicht mein Diener, wie könnte er auch mit seinen Pfoten. Auf den Tag warte ich seit 12 Jahren, dass ich nach Hause komme und er den Haushalt erledigt hat. Wenn es um Lucky und mich ginge wäre "Der Schmarotzer und sein Meister" der geeignetere Titel. Und es geht auch nicht um Depeche Mode und ihren Titel Master and Servant von 1984. Hier das Video bei YouTube. Das waren noch Zeiten, was? *sigh*

Was sich seit Wochen angekündigt hat ist heute noch nicht wahr geworden aber die Offerte liegt jetzt auch für mich auf dem Tisch. Oder in meiner Mailbox. Unser boss hat uns vor etwa einem Monat informiert, dass er überraschend grünes Licht bekommen habe alle Vertrag seiner Contractors (Teilzeit Mitarbeiter) in permanent employees (Vollzeit Angestellte) umzuwandeln. Bevor nun überall der grosse Freudentaumel losbricht, lasst mich das erst etwas relativieren.

In Amerika ist eine Vollzeit Anstellung nicht automatisch besser als eine Teilzeit Beschäftigung. Es gibt sicher irgendwelche gesetzlichen Finessen im ganzen aber in vielen Fällen sind die minimal. Soweit mir gekannt ist gibt es in den Arbeitsgesetzen keinen Unterschied in den Vertragsformen vor allem wenn die Teilzeit sich auf die Anstellungsdauer und nicht auf die Stunden/Woche bezieht. Als Basis gilt in der Vollzeit die 40 Stunden Woche und bisher hatte ich mehr oder weniger eine normale 40 Stunden Woche auch als contractor. Daran hätte sich auch sonst nichts geändert auf absehbare Zeit.

Ich bin einfach nicht bei der Firma selbst sondern über eine Agentur angestellt. Sprich ich rechne mit der Agentur meine Stunden ab und die Firma bezahlt der Agentur irgend einen Ansatz und ich bekomme dann von der Agentur meinen wöchentlichen Check. Die Agentur offerierte mir ab Beginn eine Krankenversicherung und seit kurzem nach 6 Monaten hätte ich sogar Pensionskasse Anspruch. Ferien und Freitage fallen allerdings flach respektive kann ich unbezahlt nehmen. Sollte die Firma meine Dienste nicht mehr benötigen informiert sie im Prinzip die Agentur und diese wiederum würden wahrscheinlich versuchen mir eine andere Arbeit zu finden aber grundsätzlich ist es ein "es war schön mit dir zusammenzuarbeiten (?), aber leider yada yada"; das übliche Gefasel.

Wenn man sich die Webseiten anschaut welche Arbeitsrecht behandeln fällt ein spezieller Bestandteil für die Arbeitsverträge auf. Die Basis ist meist die at-will employment was frei übersetzt so viel bedeutet wie "wir beschäftigen dich solange wie es uns beliebt". Das frühe oder erste Vertragsrecht in Amerika wurde aus England übernommen und hat das Verhältnis zwischen master and servant (Meister und Bediensteter) geregelt. Offensichtlich beinhaltete es ein kleines nerviges Detail, notabene für beide Parteien. Hatte man nichts spezielles vereinbart galt ein Arbeitsverhältnis im Prinzip automatisch für ein Jahr. Seltsamerweise schien die Beweispflicht dafür aber wiederum beim Arbeitnehmer zu liegen. Irgendwie hat sich daraus vor mehreren Jahren mal ein Rechtsstreit ergeben weil es mittlerweile in die andere Richtung ging und darum beinhalten nun die meisten Verträge die at-will Klausel.

Um das etwas herauszustreichen, dabei geht es im wesentlichen um den Kündigungsgrund und nicht um eine Kündigungsfrist. Ein Aspekt den in Amerika offensichtlich weder die eine noch die andere Partei je einmal interessiert hat. Entweder man arbeitet für jemanden oder nicht. So einfach! Mir persönlich übrigens auch recht, wenn mich jemand nicht mehr will brauche ich dort nicht noch lange rumsitzen. Und Arbeitslosenunterstützung kennt man übrigens auch in Amerika. Auch wenn ich persönlich im Moment noch nicht ganz alle Bedingungen erfüllen würde für den vollen Anspruch. Was man jetzt unbedingt auch noch anfügen muss ist das die Grundrechte nachwievor gewahrt sind, also Diskriminierung und solche Dinge. Das sieht man dann immer wieder einmal in den Rechtsanwalt Serien oder Filmen wo jemand klagt das man in Wirklichkeit wegen etwas persönlichem gefeuert wurde. Ich denke der Film Philadelphia mit Tom Hanks als AIDS erkranktem Anwalt basiert auf diesem Grundsatz.

So, jetzt könnt ihr euch für den Freuden Tanz bereit machen. Die Firma ist natürlich stolz ein verantwortungsbewusster Arbeitgeber zu sein und offeriert einige benefits (Sonderleistungungen). Notabene der wesentlichste Unterschied zwischen einem contractor und einem permanent employee - also nicht ein Kündigungsschutz. Die Offerte beinhaltet nun allerhand Dinge welche ich vorher nicht hatte und sehr angenehm sind. Darauf im einzelnen einzugehen lasse ich jetzt mal weg, bringt im Detail ja nichts. Ich hatte das ja schon erwartet aber auch befürchtet, dass das finanziell wieder irgendwie ausgeglichen wird. Die meisten Kollegen hatten ihr Gespräch schon früher und beklagt sie müssten Lohneinbussen in Kauf nehmen. *smile* Ich meinerseits werde aber zu all den benefits auch in cash noch einen ordentlichen Schritt nach vorne mache was mich doch etwas stark überrascht hat.

Bin ich doch dem amerikanischen Traum wieder ein Schritt näher und kann mich langsam nach einer Ranch umsehen und einem Boot um auf den Seen herumzukurven.

Dienstag, 28. August 2007

Häuptling Geschwollene Füsse

Ist es seit gestern also wieder so weit: Ich hab Nachtschichtarbeit. Damit ihr nicht zurückblättern müsst im Blog, und ich weiss auch nicht ob ich das irgendwo schon so detailliert geschildert habe, hier zur Erinnerung. Nur alle 6 Wochen trifft es einen von uns dafür arbeitet man dann jeweils 7 Tage am Stück, 12 Stunden nonstop von 7 Uhr abends bis 7 Uhr am nächsten Morgen. Als Kompensation haben wir die anschliessende Woche frei. Die angehäuften Stunden über 40 Stunden in der Wochen gelten auch noch als Überstunden und werden mit 50% zusätzlich entschädigt. Das gibt ordentlich etwas in die Kasse.

Nebst dem das man allein vor sich hin döst, ähm ich meine die Verantwortung hat, kann man oft in Ruhe Zeitung lesen, DVD schauen oder halt auch Blog schreiben. Manchmal gibt es aber auch einige Dinge zu erledigen, aber selten und ist meistens in 2-3 Stunden erledigt. Obwohl wir sonst schon sehr relaxte Bekleidungsvorschriften haben kann man in der Nacht auch bedenkenlos mit Shorts und Slippers antanzen. Aber das schönste ist ich kann Lucky mitnehmen. Der nervt dann zwar speziell in den ersten beiden Nächten immer etwas und ich muss ihn alle 5-10 Minuten mit einem Keks und etwas Streicheleinheiten beglücken (oder ruhig stellen, wie man will). Auch jetzt spüre ich gerade wieder seinen Kopf auf meinem Oberschenkel. Also einen Moment schnell.

Ok, bin wieder zurück. Dann so etwa zwei oder dreimal pro Nacht gehen wir auch nach draussen, weit können wir aber nicht gehen da das Schnurlostelefon nicht so weit Empfang hat. Seit Anfang Mai fällt die Temperatur kaum unter 75 °F (ca 24 °C) und da ist es selbst in Shorts und T-Shirt total angenehm. Die grillen Zirpen um die Wette und am benachbarten Highway Loop 360 hört man die Autos vorbei rauschen. In den ganz frühen Morgenstunden wird es aber auch mit den Autos etwas ruhiger.

Zuerst führe ich Lucky etwas dem Gebüsch nach. Da wird dann wie üblich alles ordentlich beschnuppert und in gebührendem Abstand immer wieder mal mit einigen Tropfen Wasser markiert. Anschliessend setzen wir uns an den Randstein vor dem Eingang und lassen die Umgebung auf uns wirken. Gestern hat Lucky auf einmal den Kopf gestreckt und ganz gespannt den hintersten Winkel vom Parkplatz anvisiert. Wenig später habe ich erspäht was ihn so interessiert. Schwer zu erkennen aber offensichtlich ein Armadillo (Gürteltier) tapst über den Parkplatz und sucht wohl was zu fressen. Oder gar auf Brautschau?

Mir ist dafür etwas ganz anderes ins Auge gestochen. Der Himmel war heute unheimlich klar und der Mond, in seinem vollen Umfang heute am Firmament, schien total hell. Wobei es heisst ja, dass die Sterne heller und grösser scheinen in Texas. Vielleicht war es aber auch meine verbesserte 20/15 Optik. Um 5 Uhr morgens gibt es dann sogar noch eine Mondfinsternis zu bewundern. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich den je einmal so kräftig scheinen sah und für eine total lunar eclipse (totale Mondfinsternis) habe ich mich auch noch nie mitten in der Nacht aufgerafft. Da der Parkplatz mehr oder weniger hell beleuchtet ist bringt das Mondlicht selbst aber nichts um die Umgebung zu inspizieren. Wenn man im Englischen übrigens von moonshine (Mondschein) spricht ist sehr selten die Reflektion des Sonnenlichts vom Mond gemeint sondern eher die Schwarzbrennerei.

Der Begriff moonshine oder auch die Tätigkeit moonshining glaubt man bezieht sich auf die nächtlichen Aktivitäten der Schmuggler zuerst in England. Unter moonshiners versteht man heute aber allgemein die Schwarzbrenner und die bootlegger sind die Schmuggler weil die den Schnaps in ihren Stiefelschaft versteckt haben. Kann mir aber irgendwie nicht vorstellen wie das lukrativ sein soll. Als Schmuggler gibt es auch noch die rumrunners, das waren dann mehrheitlich die zur See welche aus der Karibik Rum transportiert haben. Dann gibt es aber noch die andere Quelle. Im Englischen hat moonshine auch wenig oder nichts bedeutet. Wenn die Schmuggler gefragt wurden was das Zeugs denn sei, haben die geantwortet: "Oh that, that's mere moonshine" - "Ach das, das ist nichts".

Im technischen Sinne hat der Begriff moonshine heute aber auch die Bedeutung übernommen für den reinen Schnaps, also unverschnitten so wie er aus dem Brenner kommt, denn die Schwarzbrenner haben sich nicht um Alterung oder weitere Veredelung des gebrannten Wassers bekümmert. Heutzutage wird moonshining hautsächlich noch mit der südlichen Region der Appalachen in Verbindung gebracht, bzw. betrieben sollte man sagen. Dort in den Wälder fliegt immer wieder mal eine Truppe auf welche den Kick im Schwarzbrennen suchen. Obwohl es wohl vordergründig immer um die Steuern geht ist das Brennen auch nicht ungefährlich. Der Prozess des Brennens erfordert doch einiges an Sorgfalt um giftige Bestandteile wie Methanol abzuscheiden. Die hohe Alkoholkonzentration in diesen Eigenkreationen ist meistens auch nicht unbedingt gesundheitsfördernd. Ausser man konsumiert es natürlich in kleinen Mengen und ausschliesslich zu medizinischen Zwecken. Oder zum Einreiben, könnte ich jetzt für meine Füsse gebrauchen. Vielleicht hilft es was.

In den ersten beiden Nächten habe ich immer festgestellt, dass die Füsse anschwellen. Ich dachte zuerst, dass ich da ein spezielles Problem hätte. Kürzlich hatte ich aber mit einem Kollegen etwas über die Nachtschichtarbeit diskutiert und da hat er das Phänomen auch erwähnt und dann hab ich gestern auch noch einen anderen darauf angesprochen und der hat das auch bestätigt. Muss ich mir also keine Sorgen machen und ab der dritten Nacht hat sich der Körper eingependelt und hat keine Sorgen mehr.

Und jetzt entschuldigt mich, ich will etwas Video kucken. Later!

Samstag, 25. August 2007

Bringt alles was ihr habt

Genug phrasal verbs gelernt, bin übrigens nur bis B gekommen. Werde nächste Woche weiter machen, da hab ich Nachtschichtarbeit. Gleiches Szenario einfach andere Tageszeit.

Ich bin jetzt am Zeitung lesen und hab gerade etwas gelesen was mein Hirn auch gleich etwas überstrapaziert hat als ich versucht habe mir das vorzustellen.

Am 1. August 2007 ist bekanntlich die Mississippi Brücke des Interstate 35W in Minneapolis eingestürzt. Nur so nebenbei der Interstate 35 (I-35) führt hinunter nach Texas und geht quer durch Austin. Da über den Einsturz sicher genug berichtet wurde auch in der alten Heimat hab ich bewusst nicht auch noch etwas dazu geschrieben aber jetzt hab ich etwas spezielles zu diesem Thema. Angeblich sind nun die Aufnahmen der Notrufzentrale 911 veröffentlicht worden auf Wunsch der Medien.

Die Zentrale bekam etwa 40 Anrufe allein in den ersten Minuten nach dem Kollapse. Was mich nun am Artikel erstaunt und wie gesagt mein Hirn etwas durcheinander gebracht hat, ist der bildliche Kommentar einer Mitarbeiterin:

Even in my mind, when somebody told me the bridge collapsed, I'm still thinking a car flipped over in the water. The magnitude of what happened -- my mind wouldn't even go there.
Die Aufregung einer der Anrufer kann man selbst in geschriebener Form erkennen:
The whole bridge over the river fell down -- there's cars all over the place. ... It's the -- there's hundreds of cars, they're in the river. Bring everything you've got!
Ich kann mir gerade noch vorstellen, wie man sich als Dispatcher beim ersten Anruf noch vorstellt "der spinnt" aber spätestens beim Dritten Gewissheit wird, was los ist. Was ab dann losgeht bei den Personen in der Notrufzentrale kann ich mir kaum vorstellen. Da setzt mein Hirn irgendwie richtig aus.

Hoffentlich ruft nun niemand an und erklärt mir das irgendwo ein Rechenzentrum eingestürzt ist. Ich kriege manchmal schon fast die Krise wenn einige Dutzend Rechner auf dem Monitor rot aufblinken nur weil die Verbindung zum Monitoring unterbrochen ist. Schliesslich will ich jetzt in Ruhe weiterlesen!

Ein Kuss mit Nachdruck

Wieder einmal Samstag Arbeit. Well arbeiten, dh ich sitze hier und warte das sich was spannendes bewegt auf einem der Monitore oder jemand anruft wegen irgendwas (un)wichtigem. Oder auch sonst noch irgendwelche tägliche Arbeiten erledigen. Kurzum versuchen nicht einzuschlafen. Kann man natürlich auch etwas im Internet surfen, die englische Sprache weiter vertiefen und Blog schreiben. Im Internet habe ich mich heute als erstes mal mit Englisch etwas auseinander gesetzt. Am Schluss habe ich euch sogar noch ein Quiz aus einer der Webseiten angehängt. Blog lesen bildet!

Grammatik war nicht mein Steckenpferd als Kind und ist es eigentlich auch jetzt nicht. Wie man so schön sagt. Wer einen Sprössling hat und Mühe bekundet die Sinnhaftigkeit von Grammatik zu erklären kann es ja mal mit meiner Erkenntnis versuchen. Wer die Grammatik der eigenen Sprache nicht beherrscht wird es später schwerer haben eine Fremdsprache zu lernen. Sofern man darin eine gewisse Perfektion beansprucht. Genau aus letzterem würde ich mal bezweifeln, dass es bei mir damals was gefruchtet hätte. Anyways! Entsprechend weiss ich nun nicht was mein heutiges Lernstück, phrasal verbs, im Deutschen sind. Bei LEO wird es wie folgt übersetzt: "aus einem Verb und weiteren Elementen bestehender Ausdruck". Das erinnert mich gerade an den Kuss. Ein Kuss ist "der Ausdruck eines Eindrucks durch Aufdruck mit Nachdruck". *smak*

Im Englischen findet man für phrasal verb noch detailliertere Beschreibungen wie zB: Phrasal verbs are idiomatic expressions, combining verbs and prepositions to make new verbs whose meaning is often not obvious from the dictionary definitions of the individual words. Auf gut Deutsch etwa, "Phrasale Verben sind idiomatische Ausdrücke, eine Verbindung aus einem Verb und einer Präposition um daraus ein neues Verb zu bilden dessen Bedeutung oft nicht offensichtlich ist aus der Definition der einzelnen Wörter im Wörterbuch". *choke*

Zum Beispiel to give up heisst im Deutschen "etwas aufgeben" wie zB das Rauchen. Die ursprüngliche Bedeutung von to give (geben) wird durch die Präposition verändert. Das Problem beidseits der Sprachlager ist der Umgang mit der Präposition weil das selten Sinn macht. Weshalb "auf-geben"? Wieso nicht "ab-geben" oder "ver-geben". Der Englischsprachler hat es noch schwieriger, weil wir im Deutschen das Verb verändern und dann auch noch die Präposition oft abtrennen "Gibst du immer so schnell auf?". Darauf zu kommen, dass das richtige Wort "aufgeben" ist welches es im dictionary nachzuschlagen gilt, eine erste riesige Herausforderung. Und in diesem speziellen Fall kommt es noch schlimmer, guckst du bei LEO! Viel Spass beim raten.

Aber ich will ja nicht Deutsch lernen. Das Problem ist nun, dass die Präposition im Englischen nicht immer offensichtlich ist und wenn man die vergisst verändert sich allenfalls die Bedeutung und dann wird man folglich nicht oder falsch verstanden. Wobei es im Alltag oft auch noch weggelassen wird, da impliziert. Wie soll man da Englisch richtig lernen können - unglaublich. Auch ist die Präposition selten gleich wie im Deutschen und kann von der Bedeutung oder vom Sinn her auch nicht mit dem sonst aus der Übersetzung üblichen Verb gebildet werden. Von Slang und anderen umgangssprachlichen Sprachkünsten ganz zu schweigen.

Wer will kann bei Using English mal die Liste durchgehen. Da sind derzeit 2,414 Begriffe aufgelistet. Ich fange jetzt mal bei A an. Mit etwas Glück bin ich bis am Abend bei K und weiss morgen noch etwa 2%. Auf der Webseite kann man es auch Quiz artig lernen. Eine Probe habe ich wie versprochen im folgenden, allerdings nicht als Multiple Choice wie im Original. Dort gibt es noch einige mehr. Die Antworten aus meiner Probe sind gleich im Anschluss, müsst ihr halt den Bildschirm unten abdecken, oder so. Viel Spass!

01 - The waiter asked us to drink ____ as the bar was closing.
02 - The shop was doing badly, so the owner closed it ____.
03 - I'm going to see her ____ at the airport.
04 - Put a jumper ___; it's cold outside.
05 - I'm going to take ____ holiday insurance.
06 - He takes ____ his mother; they have the same sense of humour.
07 - He was ____ up in the countryside.
08 - I'm trying to give ____ smoking.
09 - I'm going to bed early tonight because I need to catch _____ my sleep.
10 - We got caught ____ in a lot of trouble.
11 - This calls ____ a celebration.
12 - He's not there; I'll call ____ later.
13 - Their proposal was brilliant- I was blown ____ by it.
14 - Cross the wrong answers ____.
15 - The minister has come ____ a lot of criticism lately.
16 - I came ____ the letters while I was clearing up my room.
17 - It's getting dark earlier and much colder- winter is setting ____.
18 - Shoppers snapped ____ bargains in the sales.
19 - The company chalked ____ record sales this year.

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01 - drink up
02 - close down
03 - see off
04 - put on
05 - take out
06 - take after
07 - bring up
08 - give up
09 - catch up on
10 - catch up
11 - call for
12 - call back
13 - blow away
14 - cross out
15 - come in for
16 - come across
17 - set in
18 - snap up
19 - chalk up

Donnerstag, 23. August 2007

Regen Scheck

Englisch Lektion: Ein Ausdruck (einer unter vielen übrigens) für welchen ich im Deutschen kein griffiges Gegenstück kenne habe ich jetzt einmal etwas genauer unter die Lupe genommen. Sehr oft wenn man sich Inserate anschaut stösst man auf einen Vermerk irgendwo im fine-print (Kleingedruckten) aber manchmal auch schön gross und unübersehbar:

NO RAIN CHECKS
Zuletzt gefunden auf der Webseite ganz unten beim Austin Zoo

Dazu muss man erst etwas die positive Form und den Ursprung verstehen, also was ein Rain Check ist. Als erstes haben wir zwei Wörter; rain (Regen) und check (Scheck), nur ist es nicht das was man üblicherweise unter einem check versteht und es muss auch nicht immer rain vom Himmel schütten.

Angeblich irgendwann um 1884 zum ersten Mal wurde den Zuschauern bei einem Baseball Spiel ein solcher rain check abgegeben weil das Spiel abgebrochen wurde wegen Regens. Sowas nennt sich dann rained out und diese Spiele werden bei nächster Gelegenheit weitergeführt. Meistens zu einem Zeitpunkt wenn sich die beiden Teams im regulären Spielplan wieder gegenüber stehen. Da Baseball Spiele fast täglich ausgetragen werden und oft aus Reisegründen auch gleich mehrere Male hintereinander zwischen den gleichen Teams, kommt es dann schon mal vor, dass am folgenden Nachmittag der Nachtrag folgt und am Abend dann noch das eigentliche Spiel des Tages. Solche Spiele nennen sich dann doubleheader. Für dieses Nachtragsspiel bekommt man also einen Gutschein mit welchem man als Zuschauer wieder Zutritt bekommt und sich den Rest der Partie ansehen kann.

Bei Veranstaltungen welche nun "no rain checks" ankündigen ist folglich Mann oder Frau gewarnt, dass man keinen Gutschein erhält wenn eine Veranstaltung abgesagt wird wegen Regens. Die Erweiterung im Begriff geht nun aber soweit, dass eine Absage nicht nur wegen Regens erfolgen muss. Vielerorts findet man auch die Rain Check Policy (Regenscheck Richtlinien). Bei Golfplätzen findet man diese Policy oft und da wird die Definition Regen durch Unspielbarkeit der Anlage ersetzt. Nur weil es etwas regnet kann der regenscheue Golfer also nicht zum Clubhaus gehen und einen rain check verlangen. OK, versuchen kann er es natürlich aber die Policy besagt ob und zu welchem Grade man einen Gutschein erhält mit dem man die Party zu Ende spielen kann.

Etwas schwieriger zu verstehen wird der Begriff wenn es um Produkte und nicht Veranstaltungen geht. In diesen Fällen hat sich der Begriff vollständig vom Regen gelöst - der Sinn bleibt aber erhalten. Bewirbt nun eine Firma in einer Aktion ein Produkt und vermerkt dazu "No Rain Checks" dann heisst dies, dass man keinen Gutschein bekommt wenn das Produkt nicht mehr verfügbar ist. Frei übersetzt also "nur so lange gültig wie der Vorrat reicht". Oft gibt es aber auch das Gegenteil, dass einem ein Geschäft einen rain check ausstellt wenn das Produkt gerade nicht mehr verfügbar ist. Damit kann man das Produkt später aber immer noch zum Aktionspreis beziehen.

Den rain check kann man auch im normalen Gespräch finden. Wenn man zum Beispiel eine Einladung erhält und leider verhindert ist kann man seine Absage auch ergänzen mit but I sure like a rain check. Man bringt damit zum Ausdruck, dass man gerne ein anderes Mal eingeladen wird.

Der rain check ist also nicht mit einem Schüttelscheck* zu verwechseln!

* Der Bankbeamte schüttelt den Kopf wenn man den Scheck einlösen will

Montag, 20. August 2007

Zugehüpftes

Manchmal muss man nicht überlegen, die Ereignisse kommen einem einfach zugehüpft und man hat etwas zu berichten im Blog. Richtig, ich muss mir etwas Frust von den Fingern schreiben.

Das Ereignisse ist lose verknüpft mit dem Eintrag über den Fahnen Vorhang, sprich es geht um meinem Balkon oder patio (Gartensitzplatz). Zur Auffrischung, ich wohne ebenerdig, was hier notabene immer der first floor (Erdgeschoss oder Parterre) ist oder allenfalls noch ground floor, und die patio in meinem Fall ist - da mit Geländer versehen - eigentlich nichts anderes als ein Balkon. Anyways! Ich bin mir im Moment noch nicht sicher ob ich nun "noch nicht Texas tauglich bin" oder einfach nur "zum ersten mal ebenerdig wohne". In der alten Heimat hatte ich immer mindestens im third floor (erinnere und lerne: das ist der 2. Stock) oder höher gewohnt.

Um was es geht? Eine schöne Couchgarnitur für draussen, unter anderem! Aus (wetterbeständigem?) Holz und mit Polstern hatte ich diese aus der alten Heimat mit nach Amerika genommen, macht sich auch wunderbar draussen auf dem Balkon und habe ich schon in Plastik eingepackt um es vor Wind und Wetter zu schützen. Auch hatte ich mir extra Mühe gegeben, dass kein Wasser eindringt und sich unter dem Polster ein See bildet welcher unter dem Plastik wie unter einer Glocke wiederum Ausdünsten könnte. Hat sich eigentlich innert der ersten Wochen auch sehr bewährt. Seit ich meinen Balkon eingerichtet hatte ist es aber ab Juni doch viel zu heiss geworden und für Texasverhältnisse war der Sommer bisher auch sehr verregnet. Habe den patio die letzten zwei Monate folglich nicht genutzt. Schon morgens um 9 Uhr ist es bereits mindestens 85 °F (knapp 30 °C) und wenn die Sonne scheint, dann knallt sie aus Osten auch direkt auf meinen Balkon. Selbst für mich als Hard Core Sunfreak am Morgen zum gemütlich Kaffee trinken und Zeitung lesen zu heiss.

Heute wollte ich es aber wieder mal wissen und auch mal die Kondition unter dem Plastik prüfen. Wollte das auch schon einige mal in den letzten Wochen machen. Man weiss ja nie - oder doch? Keine Ahnung wieso genau aber nur schon der Blick durch den Plastik liess mich erahnen, dass da nichts Gutes darunter verborgen ist. Und irgendwie hatte ich es ja gewusst, halt nur aufgeschoben, verdrängt, nicht wirklich wissen wollen. Auch wenn sich (wie sich später bestätigt) kein See darunter gebildet hat, so hat sich irgendwie unterm Plastik doch ordentlich Feuchtigkeit gebildet und ist natürlich in den Polstern gespeichert. Die sind ordentlich feucht, die grosse blaue Decke welche ich als Schutz über den Polstern hatte richtig gehend nass und bedeckt mit diversen Viechern welche sich entweder verfangen haben oder sich bewusst eingenistet hatten.

Beginne ich also langsam das Zeugs voneinander zu trennen, den Bezug ab dem Kissen, die blaue Decke weggezogen und als erstes einmal über das Geländer gehängt, total schwer der Lumpen. Natürlich hat dieser auch vielerorts kräftig abgefärbt auf die Polster, werde ich wohl mit tausend mal Waschen nicht mehr richtig aus dem Bezug raus bekommen. Egal der blaue Lumpen wenn gewaschen kommt ja wieder drauf, kann ich also verschmerzen. (Nachtrag: Die Bezüge sind mittlerweile gewaschen und das blau erstaunlicherweise nur an wenigen Stellen noch sichtbar - die Freude hält sich allerdings in Grenzen.) Als ich die zwei Rückenpolster wegnehme habe ich plötzlich irgend welches braunes Geschmiere an der einen Hand. Keine Ahnung wer oder was aber irgend etwas hat ein dreckartiges Schlupfgehäuse hinten an eines der Polster gepappt. Mit dem Finger den Rest weg geschnippt, Hände gewaschen.

Als ich dann den Plastik auf der einen Seite etwas zur Seite zog kam die erste grosse Überraschung zum Vorschein. Moment, lasst mich erst etwas erklären. Man kann sagen Austin ist mehr oder weniger in eine Art Wald hinein gebaut. Die ganze Gegend westlich bis runter nach San Antonio, welche in Texas als Hill Country bekannt ist, ist mehrheitlich Wald allerdings nicht mit Tannen wie in der alten Heimat. Selbst Nahe vom Zentrum hat es immer noch grüne Zonen welche noch ursprünglich und komplett erhalten sind. Man sieht daher auch immer wieder mal Verkehrsschilder die vor Wildsprung warnen und tote Viecher am Strassenrand sind hier immer wieder zu sehen. Beim Spaziergang mit meinem Hund habe ich hier schon einiges gesehen, angefangen bei Rehen und Kaninchen, kleine seltsame Schweine aber auch seltsame Vögel und vultures (Geier) die über einem ehrfurchtsvoll ihre Kreise ziehen. Dann selbstverständlich die zirpenden Grillen, Tausendfüssler (aber nicht nachgezählt!), Schlangen (allerdings nur noch Skelette) und selbst so etwas wie einen Kojoten oder Wolf, es könnten aber auch ein verwilderter Hund gewesen sein. So nahe war ich nicht und das war damals ehrlich auch etwas unheimlich. Wir beobachteten uns gegenseitig aus etwa 50 Meter Distanz. Lucky wäre natürlich am liebsten gleich hin gesprungen aber ich war froh hatte ich ihn an der Leine. Keine Ahnung wie so eine Konfrontation ausgegangen wäre. Er hätte ja nur "Howdy!" sagen wollen. Heute beim Spaziergang sind mir auch wieder mal die vielen toten Kröten am Strassenrand aufgefallen, der Randstein scheint ihnen zu hoch zu sein. Fette Kröten halt. Interessanterweise bleibt von denen anschliessend nicht viel übrig, nur ein flaches Haut Relief. Scheint als ob die aus 99% Wasser bestehen.

Vor einigen Wochen hatte sich eine Grille irgendwie in meine Wohnung geschlichen und als ich sie eingefangen hatte und auf dem Balkon wieder freilassen wollte hatte sich etwas gegen die Tür gestemmt. Durch die Scheibe konnte ich dann sehen, dass eine grosse, fette Kröte sich direkt vor der Tür platziert hatte. Erst nach einigem Ruckeln hat sie sich bequemt Platz zu machen. Ich muss endlich mal ein Gitter ans Geländer machen, dachte ich damals. Grillen und anderes Gekreuchs warten immer wieder nur darauf bis ich die Tür öffne und auch geschnittenes Gras und all das andere Dreckszeug welches es auf meinen Balkon bläst nervt. Mit so einem Gitter wären einige Probleme gelöst. Wo war ich, ach ja, hatte ich also den Plastik weggezogen.

Kam eine niedliche toad (Kröte) zum Vorschein. Nicht so gross wie die letzte aber immerhin, eine toad. Da ich nicht genau wusste ob die nicht irgend welche giftige Stachel oder Sekrete haben (beissen, bin ich ziemlich sicher, tun sie nicht) dachte ich es ist weise sie irgendwie nicht mit den Händen einzufangen. Und überhaupt: gross (Ekel erregend). Als ich sie mir mit einer Schaufel aufladen wollte ist sie natürlich unter dem Sitz verschwunden. Da ich eh alles auseinander nehmen und reinigen musste, habe ich die Sitz Kissen entfernt und den Sitz Rost. Ha, da war sie in der anderen Ecke, seltsam dachte ich noch. Hab sie erwischt und über das Geländer entfernt aus meinem Revier. Als ich den Plastik weiter auseinander gezupft habe kam natürlich noch eine weitere toad, wahrscheinlich aber die erste zum Vorschein. Dann noch eine dritte, eine vierte und das war es dann, eine fünfte. Fünf Kröten, haben die alle irgendwo einen Schlupf durch den Plastik gefunden unter meine eingepackte Couch und die Feuchtigkeit und Sicherheit darunter genossen. Oder vielleicht auch nicht mehr hinaus gewusst. Haben sicher kein grosses Gehirn und Erinnerungsvermögen die Viecher.

Who cares
, Schluss damit!

Ich werde heute noch zum Heimwerker Markt gehen und Gitter kaufen. Bin mal gespannt ob die Verwaltung irgendwie auf die "baulichen Massnahmen" reagiert. Üblicherweise gibt es Regeln welche Veränderungen ausserhalb verbieten und mir ist bekannt, dass man vielerorts sehr streng ist diesbezüglich. Dann sollen sie aber gefälligst selber etwas unternehmen für alle Balkone im Erdgeschoss. Wer hier ein Haus sein Eigentum nennt und den Balkon nutzen will, der wird denn normalerweise auch gleich ganz eingittern. Den Fliegen und vor allem den Moskitos wegen. Screening nennt sich das im Home Improvement Fachmund.

Ist der Rest vom Tage für mich somit schon komplett ausgebucht. Dabei wollte ich nur draussen einen Kaffee trinken und die Zeitung lesen.

Freitag, 17. August 2007

Frei Sprech Zone

Beim Online Blick in die alte Heimat wieder einmal etwas entdeckt.

80'000 Dollar Entschädigung für Anti-Bush-Parolen
...
Nicole und Jeffery Rank kamen am 4. Juli 2004 zum Kapitol von Texas nach Austin, wo der amerikanische
Präsident Bush eine Rede zum Nationalfeiertag hielt. Sie trugen T-Shirts mit Parolen wie «Love America, Hate Bush» oder «Regime Change Starts at Home» (Regimewechsel beginnt zu Hause). Als sie die Aufforderung ignorierten, die T-Shirts zu bedecken, wurden sie in Handschellen abgeführt. Ein Richter in Charleston, West Virginia, wies am Donnerstag die Klage gegen das Ehepaar aus Corpus Christi zurück und setzte die Entschädigung fest.
...

Warum entscheidet ein Richter in WV über solch einen lapidaren Vorfall in TX, hab ich mich gefragt. Und mit einer Suchmaschine findet man im Internet mit dem richtigen Suchbegriff fast alles.

Von dem AP Artikel ist bei der Übersetzung in den Online Artikel aus dem Capitol von West Virginia in Charleston auf mysteriöse Weise das Capitol of Texas in Austin geworden. Das betroffene Paar ist zwar aus Corpus Christi (was in Texas am Golf von Mexico liegt) und der Herr Bush wird auch gerne als Texaner bezeichnet (obwohl er das aufgrund unterschiedlicher Meinung eigentlich nicht ist), aber die Veranstaltung damals war in Charleston, WV und nicht Austin, TX.

Zum Thema selbst kann man auch noch ein paar Dinge vermitteln. Erstens ist es etwas erstaunlich, dass so etwas überhaupt geschehen ist und zweitens bestätigt die Ausnahme wie immer die Regel. Bekanntlich haben wir in Amerika die Freedom of Speech (Redefreiheit) welche so ziemlich über allem steht. Und wenn immer sich Politiker durch ein Gesetz gestört fühlen versuchen sie Ausnahmen zu machen. Italien hatte da kürzlich so einen Spezialisten, kann ich mich noch schwach erinnern. Wer zum Thema Freedom of Speech eine Einführung will findet bei USA erklärt einen exzellenten Einstieg.

Obwohl es nun heisst, "Congress shall make no law... " (Der Kongress soll kein Gesetz erlassen ...) hat ein U.S. Gericht irgendwann einmal befunden, dass es uU nötig ist den Aktivisten bei ihren Meinungsäusserungen wenigsten den Raum - nicht den Inhalt - einschränken zu dürfen. Das ganze sogar noch unter der Berücksichtigung die Aktivisten zu schützen also im Sinne von Sicherheitszonen in Sportarenen um die rivalisierenden Fangruppen auseinander zu halten. Free Speech Zone nennt sich das -- aber da gehen natürlich die Meinungen erheblich auseinander.

Im Grunde kennen wir solches auch in der alten Heimat. Demonstrations- oder Protestmärsche müssen angemeldet werden inklusive der Route welche marschiert wird und das wird dann bewilligt oder abgelehnt. Wenn bewilligt ist die Polizei vor Ort und dann ist man - je nach dem welcher Gruppe man angehört - geneigt die Position der Polizei anders zu beurteilen. Die Street Parade in Zürich hat bekanntlich auch mal so angefangen, als "Demonstration für Liebe, Friede, Freiheit, Grosszügigkeit und Toleranz". Angeblich könnte es dieses Jahr das letzte mal mit nz-nz-nz-nz gewesen sein. Demonstrieren kostet angeblich Geld. Anyways!

Im besagten Fall von Mr. and Mrs. Rank aus Corpus Christi, Texas ist es nun dem Secret Service irgendwie missfallen, dass sich dieses Paar mit ihren demonstrativen T-Shirts nicht in einer Free Speech Zone aufgehalten hatte und hat die örtliche Polizei aufgefordert die beiden zu entfernen. Was diese wiederum ordentlich erledigt hat und der Richter damals nicht bestätigt hat. Darauf haben die Ranks folglich Klage eingereicht und man hat sich über $80,000 geeinigt nicht weiter zu streiten.

Ob sich das nun für alle Parteien gelohnt hat weiss der Leser leider nicht. Die American Civil Liberties Union (ACLU) angeblich feiert und hofft das sich der Secret Service in Zukunft etwas zurücknehmen wird.

Skype Login Problems

Skype hat derzeit ein weltweites Problem mit den Login-Ins.

Aktueller Stand im Heartbeat Blog von Skype.

Offensichtlich sind sie auf dem Weg der Besserung aber bei meinem Login kann ich das derzeit noch nicht behaupten. Wer mich nicht online sieht also vielleicht mal überprüfen ob selbst online und dann bei mir halt warten. Das kommt sicher bald wieder. Sie sind ja soooo begeistert im Blog.

Update [17.08.2007 9:56PM CT]: Ich bin wieder online, das Problem scheint also behoben.

Donnerstag, 16. August 2007

No Engine Brakes

Manchmal hat man Fragen, die behält man einfach im Kopf und irgendwann mit etwas Glück kommt die Antwort von alleine. So geschehen kürzlich. Ich sehe hier immer wieder mal ein Verkehrsschild auf dem steht als Hauptpunkt No Engine Brakes

Also kramt man seine Sprachkenntnisse hervor, entziffert das ganze und denkt to brake heisst doch etwas brechen oder kaputt gehen. Was mir erst viel später bewusst wird, 'etwas brechen' ist to break, es wird aber dummerweise genau gleich ausgesprochen wie to brake. Irgendwie hab ich den Text im Kopf laut gelesen und wohl deshalb hat mein Übersetzungsapparat im Hirn das Ergegnis ausgespuckt für break anstatt für brake. Wie blöd von mir! Muss da mal ein Beschwerde einreichen.

Hatte ich also (fälschlicherweise) eine Quiz Frage: Warum in aller Welt gebieten die einem keinen Motorschaden zu haben oder seinen Motor kaputt zu machen? Immer wenn ich an so einem Schild vorbei fuhr hat es mich gebaffelt (to baffle = vor einem Rätsel stehen).

Wie gesagt, über die Antwort zu dieser Frage bin ich per Zufall im Internet gestolpert. Leider weiss ich jetzt grad überhaupt nicht mehr wieso genau aber der eine Teil war Jake Brake. Beim recherchieren habe ich herausgefunden, dass dies im Prinzip das gleiche ist wie Engine Brake und da kam mir die Erleuchtung!

Ich bin wieder einmal einer Besonderheit im Englischen zum Opfer gefallen. Homophones: Wörter welche gleich ausgesprochen aber unterschiedlich geschrieben werden und natürlich auch eine andere Bedeutung haben. To brake bedeutet bremsen, brakes sind die Bremsen und Engines Brakes folglich die Motorbremse. Obwohl es also schwarz auf weiss auf dem Schild stand hat es in meiner Schaltzentrale im Sprach Hirn nicht klick gemacht.

Das Schild richtet sich an die Brummi Fahrer, dass sie Innerorts nicht die Motorbremse verwenden sollen, vergleichbar wie bei einem PKW einen Gang runter schalten. Diese Art zu bremsen ist natürlich mit erheblichem Lärm verbunden und man will das mit dem Schild folglich unterbinden. Jake Brake ist im übrigen ein Begriffsmonopol, dh Jake Brake ist ein Markenname und für solche Motorbremsen unter Truckern bekannt.

Solltet ihr also einmal so ein Schild sehen hier wisst ihr was zu tun ist.

Montag, 13. August 2007

Des Teufel's Chef

Heute kümmern wir uns etwas um die amerikanische Küche. Im speziellen die im Restaurant und nicht die welche in der heimischen Stube das Essen auf den Familientisch zaubert. Und ich kann mir auch gleich das Geheul in der alten Heimat vorstellen; "Ja, ja, die Amerikaner und Küche! Kennen die überhaupt was anderes als Hamburger und Peperoni Pizza wo, oh, Schreck, nicht einmal Peperoni drauf sind?" Als Neo-Texaner muss ich da natürlich gleich ergänzen, aber sicher. Wir haben auch Steaks, Bar-B-Q und TexMex.

Wenn die amerikanische Küche ein Problem hat in der Gunst des Gourmet, dann ist es die Vielfalt und auch das muss wieder mal gesagt sein, die Dimension des Landes. Was die Vielfalt anbelangt ist die Auswahl so bunt wie die Einwanderer in der jeweiligen Region - und wie stark sie ihr Essen vermisst haben. Ein französisches Restaurant irgendwo in einem Wüstenkaff selbst mit 20,000 Einwohnern wird kaum überleben weil ... das muss ich ein anderes mal erklären. Ich will was ganz anderes erzählen heute. Gehen wir einfach mal davon aus: Auch die Amerikaner kennen eine Küche welche sich international nicht zu verstecken braucht.

Vorneweg ein paar englische Begriffe damit auch noch ein gewisser Lernfaktor in diesem Eintrag mitschwingt und man einiges im folgenden besser versteht. Der chef im Englischen ist nicht einfach irgend ein Chef sondern ausschliesslich der Chef in der Küche. Der Ursprung kommt dabei aus dem Französischen. Wenn man über seinen Vorgesetzten spricht dann ist das im allgemeinen der boss. Spricht man aber eher von einer Funktion dann ist es oft chief kann allenfalls aber noch ein anderer Begriff sein. Am besten bekannt ist der chief in der Abkürzung CEO (chief executive officer). Natürlich kann man seinen Vorgesetzten auch chief nennen, dass hat dann aber meist so einen gewissen Unterton. Chief ist auch das was im Deutschen der Häuptling ist. Ich hoffe damit kann man sich etwa gut vorstellen wo die Bedeutung liegt wenn man seinen Chef chief nennt. Also aufgepasst!

Eigentlich will ich über Hell's Kitchen (des Teufel's Küche) berichten, eine Reality Show im Fernsehen. Die läuft zur Zeit gerade in der dritten Staffel und heute abend um 8 Uhr ist Finale und ich bin schon richtig gespannt. Vor zwei Jahren gab es bei RTL auch eine Teufelsküche und wurde aber offensichtlich, soweit ich das per Internet recherchieren konnte, nicht wiederholt. Vielleicht weil sie die Show mit C-X Prominenz besetzt hatten oder der Chef nichts wert war. Wer weiss das schon und ich kann mich nur sehr schwach daran erinnern weil ich mich grundsätzlich für solche Reality Shows (à la Big Brother, Karibik Überlebenstraining, Sing Sang Wettbewerbe und was es sonst noch alles gibt) nicht begeistern kann. Das war in der alten Heimat schon so und nun auch hier in Amerika nicht anders. Mit eben dieser Ausnahme.

Letztes Jahr während der zweiten Staffel etwa zur Mitte bin ich beim klicken durch die Kanäle hängen geblieben. Der Teufel in der Küche ist Gordon Ramsay, von Geburt Schotte und gemäss der Biographie auf der Website Besitzer von diversen Restaurants in England welche mit Michelin Sternen und weiteren Titeln geschmückt sind. Dann hatte er im britischen Fernsehen eine erste Show ebenfalls mit Prominenten welche wohl die Vorlage für die RTL Show bildete. Hier in Amerika auf FOX haben sie mit ihm die Show aber mit dem Konzept von 'normal sterblichen' Möchte-gern-Köchen gestartet. In zwei Teams mit je 6 Frauen und 6 Männern geht es vom ersten Tag zur Sache. Jeder der Köche bekommt so richtig sein Fett ab. Ramsay erscheint einem im ersten Moment wie der Dieter Bohlen allerdings nur in den Momenten wenn er einem Teilnehmer die Meinung sagt. Und meine Güte, das macht er nicht zu wenig. Damit ist der Vergleich mit Bohlen aber bereits ultimative beendet. Man soll den Teufel nicht heraus fordern - also Gordon Ramsay. Ansonsten muss man vor ihm den Hut ziehen und er macht die Show wahrscheinlich für FOX auch so erfolgreich. Ja, und vor allem für mich natürlich. Ich bin dem Teufel ausgeliefert und hab ihm meine Zuschauer Seele verkauft.

In jeder Folge werden die Köche vor mehr oder weniger schwierige Koch Aufgaben gestellt und natürlich gibt es immer einen der damit 'relativ' gut klar kommt und gewinnt. Dazwischen gibt es unzählige Momente wo Gordon Ramsay den Köchen klarmachen muss was für ein F oder S sie grad produziert haben. Das F und S stehen symbolisch für das F- (Fuck) und S-Word (Shit) und kommt sehr häufig aus dem Munde von Chef Ramsay, was im amerikanischen Mainstream Programm natürlich konsequent weg gepiepst wird. Ich kann also nur annehmen, dass er Fuck und Shit sagt. Warum das eigentlich so ist mit dem piepen werde ich auch mal erklären müssen mit einem separaten Eintrag.

Der Sieger des jeweiligen Tages muss dann einen der Mitstreiter nominieren der raus fliegt, also beim nächsten Mal nicht mehr dabei ist. Da die Sieger nicht nur Köche sind, sondern in erster Linie auch nur Menschen, kam es immer wieder mal vor, dass die oder der Sieger den vermeintlich Besten nominiert hat, man ist ja clever und will den ärgsten Rivalen loswerden. Gordon Ramsay ist halt aber auch clever und hat ein Veto Recht welches er dann in die Runde wirft und korrigiert 'diesen Fehler'. Da sieht man dann gleich in kurzer Folge einige Kiefer die runter klappen und anschliessend ist natürlich schön Gift in der Küche. Arbeiten macht Freude, ich könnte stundenlang zusehen.

Mit Freude hatte ich vor einigen Wochen festgestellt, dass Hell's Kitchen diese Saison in die dritte Runde geht. Leider hatte ich die ersten drei Folgen übersehen aber seit der Vierten bin ich wieder live dabei und heute ist der grosse Showdown. Im Finale stehen sich Bonnie (gelinde gesagt eine blonde Heulsusse) und Rock (einer der sich von unten hochgearbeitet hat und den amerikanischen Traum träumt) gegenüber. Dem Sieger winkt eine Stelle als Head Chef in einem Italian Restaurant im Green Valley Ranch Resort and Spa in Las Vegas. Bonnie wollte zu Beginn immer wieder aufgeben und steht nun trotzdem im Final. Ob all das Geheule nur berechnet war fragt man sich nun im Nachhinein. Vor allem in den letzten beiden Folgen hat sie sich unheimlich gesteigert und man muss fast befürchten, dass sie Rock wegfegt. Rock war eigentlich der Fels in der Küche, ein solider Koch über die ganze Serie und hätte sich quer gerechnet den Sieg verdient. Nur hatte auch er immer wieder mal einen Durchhänger oder nicht brilliert und dann auch das Glück, dass es immer andere gab die ernsthafte Fehler begingen und folgerichtig raus geflogen sind. Das könnte ihm im Finale wieder zum Verhängnis werden. Mal schauen was heute Abend resultiert.

Wie gesagt ich bin so gespannt, darf es nicht verpassen und der Teufel lacht sich dafür wahrscheinlich eins in sein heisses Fäustchen.

Donnerstag, 9. August 2007

Die verfilzte Sprache

Als ich kürzlich über meine Haartracht berichtet habe und ich den Cowboyhut erwähnte, fand ich in der Recherche folgendes was ich interessant fand und nun berichten möchte. Ihr dagegen findet das wahrscheinlich langweilig oder viel schlimmer für mich ihr kennt das alles schon und nur ich bin wieder einmal total veraltet, verschlafen oder habe sonst mein Leben verpasst. Anyways, angefangen hat alles rund um den Hutmacher.

Die hatter (Hutmacher) galten lange Zeit als verrückt. Vielleicht nicht generell aber crazy oder mad as a hatter (verrückt wie ein Hutmacher) ist im Englischen auch heute noch ein geläufiger Ausdruck um jemanden zu beschreiben der, wie einer im Deutschen, 'nicht alle Tassen im Schrank' oder 'eine Schraube locker' hat.

Vorwiegend Männerhüte und im besonderen hier der klassische Cowboyhut ist aus felt (Filz), folglich ein felt hat (Filzhut) und wird nicht nur aus cotton (Baumwolle) hergestellt. Auch heute noch ist felt ein Gemisch oder in der exklusiveren Variante rein aus fur (Fell) von beaver (Biber) oder auch hare (Hase) und rabbit (Kaninchen). Für diese Herstellung wurde Quecksilber Nitrat verwendet um das Haar für das verfilzen aufzubereiten. Bekanntermassen ist Quecksilber, speziell die Dämpfe, nicht gerade bekömmlich für den Organismus und lagert sich im Körper an vielen Stellen ab, u.a. auch im Hirn und führt dabei entsprechend zu allerlei Symptomen. Im 18. und 19. Jahrhundert war man sich darüber aber noch nicht so im klaren. Zur damaligen Zeit war es auch durchaus üblich Syphilis mit Quecksilber zu behandelt. Aus heutiger Sicht kommt mir das vor wie wenn man sich für Kopfweh so lange mit dem Hammer auf die Finger klopft bis der Kopf weniger weh tut. Oder so!

Sucht man nach der Bedeutung und Herkunft für den Begriff mad as a hatter im Internet kommt man unweigerlich mit Alice im Wunderland in Kontakt. Im englischen Sprachraum scheint man den Hutmacher aus dieser Geschichte als solchen 'verrückten Hutmacher' folglich bestens zu kennen. Obwohl ich als Kind und Jugendlicher unheimlich viele Bücher gelesen habe ist mir das Buch nie unter die Augen gekommen. Wie viele andere Klassiker aus dem englischen Sprachraum übrigens auch. So rückblickend frage ich mich ob nur ich das war oder ob diese Bücher allgemein nicht so verbreitet oder bekannt waren damals. Was hatte ich damals all die Nächte lang unter der Bettdecke gelesen?

Mittlerweile stolpere ich hier fast täglich wegen Redewendungen, Filmen oder sonstigen Referenzen und Sachen über Klassiker der amerikanischen oder englischen Literatur. Die englische Sprache und die ganze Kultur ist eine richtige Verfilzung habe ich festgestellt - wie ein Cowboyhut. So etwas ist mir aus dem deutschen Sprachraum überhaupt nicht bekannt oder bewusst. Viele der erwähnten Buchtitel oder Autoren sind mir vom Namen her bekannt aber ich hatte die niemals in den Fingern. Manchmal komme ich mir dabei wie ein alien (Fremdling) aus dem All vor weil ich diese Klassiker nie gelesen habe. Und ich wüsste nicht wo ich all die Zeit hernehmen soll um all diese Bücher zu lesen um die Wissenslücke zu schliessen. Wer sich mit einer Auswanderung befasst sollte also schon mal anfangen die Klassiker zu lesen, am besten natürlich gleich in Englisch. Viele Klassiker aus dem vorletzten Jahrhundert kann man sich mittlerweile zwar im Internet, z.B. über das Gutenberg Project, besorgen. Aber eben wo die Zeit hernehmen. Weniger Fernsehen, Blogs schreiben, Schlafen? Arbeiten! Das wäre natürlich etwas. Bis zum Ruhestand geht es allerdings immer noch 20 Jahre.

Nennt mich mad as a hatter aber ich glaub ich drucke mir die Internet Version von Alice im Wunderland aus und folge dem weissen Kaninchen. Ach nein, das ist ja Neo in die Matrix, oder doch nicht?

Dienstag, 7. August 2007

756. Home run

Kurz am Rande vermerkt, es ist vollbracht: Barry Bonds ist alleiniger Rekord Inhaber mit 756 Home runs.

Montag, 6. August 2007

Who cares about soccer?

Hängen wir uns wieder ran ans Thema Fussball, sorry Soccer natürlich!

Im anderen Eintrag haben wir erfahren, Soccer gibt es in Amerika schon lange. Nur warum hat es Probleme in Amerika den gleichen Bekanntheitsgrad zu erhalten wie im Rest der Welt. Aus allem was ich hier sehe und höre über Soccer und auch aus Daten im Internet versuchte ich mir ein Bild zu machen. Hier (wie immer) meine Meinung warum sich Amerikaner nicht um Soccer kümmern.

Ein spezielles Problem in den Anfangsjahren war die Dimension des Landes und von damals bis heute natürlich auch das liebe Geld. Viele Sportarten haben sich in ihren Anfängen im vorletzten Jahrhundert (d.h. 1800-1899!) aufgrund der Grösse des Landes in kleineren Ligen innerhalb vernünftiger Grenzen organisiert. Man bedenke, damals gab es noch keine Autos für den Transport, geschweige denn ein Internet für die Kommunikation. Auch erst ab Mitte jenes Jahrhunderts konnte man dann endlich telegraphiert. Die jüngeren Leser werden jetzt denken: "They did what?" Guckst du hier: Telegraphie. Diese Ligen hatten dann untereinander wiederum Titel ausgetragen oder sich später auch zusammengeschlossen. Man sieht das selbst heute noch in den Ligen wie American Football und vor allem beim Baseball sehr gut. Zu diesen beiden zu gegebener Zeit separate Blogs. Beim Soccer hat man sich dabei aber leider auch oft zerstritten und teilweise sind ganze Ligen deswegen aufgelöst worden. Nicht gut, oder?

Beim Geld geht es natürlich um Publizität. Quetscht man alle grossen Sportarten in einen Wochenplan und mehrheitlich sogar noch auf ein Wochenende, dann bleibt kaum noch Platz für eine neue Sportart - das heisst im Fernsehen, in der Presse und natürlich auch im Leben jedes Amerikaners. Erstaunlicherweise aber haben die Soccer Clubs selten Probleme die Massen in ihr Stadion zu bringen. Die Liga aber konnte keine Verträge mit den grossen Fernseh Sendern abschliessen und auf die Frontseiten der Zeitungen gebracht hat man es auch selten. Das ist ein hart umkämpfter Markt und hat eine Sportart mal Probleme und verschwindet aus diesem Zirkus ist es meistens mit dem ganzen Sport aus und schwierig wieder Land zu gewinnen. Definitiv, nicht gut!

Das Medien -> Publizität -> Geld Karussell dürfe folglich das Hauptproblem sein. Ein kleiner Teufelskreis der nur mit Geld zu knacken ist. Dann mit Glück kommen die Medien, dadurch die Publizität und dann hoffentlich auch das Geld das man investiert hat wieder zurück. Ergo, eine Liga wieder frisch aufzubauen kostet Geld und darf letztendlich, wie das folgende Beispiel zeigen wird, keine Verluste machen sonst ist man gleich wieder im Teufelskreis. Man erinnert sich vielleicht noch an die letzte grosse Phase als Pelé, der Kaiser Franz (Beckenbauer) und auch einige andere Stars mal in Amerika gekickt haben. Das waren die Glanz und Gloria Zeiten von New York Cosmos SC. Diese Liga North American Soccer League (NASL) existiert in ihrer damaligen Form heute nicht mehr. Man hat sich innerhalb der Liga zerstritten aber hauptsächlich ist den Clubs das Geld ausgegangen weil die Saläre für die Spieler explodiert sind. Man wollte den Erfolg erzwingen. Vernünftiges Wachstum gilt nicht nur für eine Firma es trifft auch auf Sport Clubs oder eine Sport Liga zu. Ein wesentlicher Faktor welcher American Football, Baseball, Basketball und Icehockey auch immer wieder beschäftigt hat. Ich glaub alle haben schon einmal eine ganze Saison ausgesetzt wegen dem Streit um die Gehälter. In der alten Heimat hat man das vor ein paar Jahren gerade miterlebt als die NHL Stars 'überwintert' haben in den Europa Ligen. Die NHL kämpft deswegen immer noch mit ihrem Status und ist noch nicht da wo es zuvor war. Soccer hat aber gleich mehrere solcher Phasen immer wieder durch machen müssen. Und zwar bis zum Nullpunkt! Gut, weit gefallen sind sie nicht da sie nicht den hohen Status zuvor gehabt haben. Aber trotzdem, nicht gut!

Die aktuelle Liga in Amerika ist die Major League Soccer (MLS). Die ist folglich relativ jung und muss sich seinen Platz erkämpfen im Medien Dschungel und gegenüber allen anderen Sportarten. Ein Unterfangen das wie die Vergangenheit zeigt und lehrt nicht einfach ist. Es ist zu befürchten, dass es dieses mal wieder nicht klappt das Amerika Soccer crazy (verrückt) wird. Der Einkauf von Beckham für $250 Million ist kein gutes Zeichen. Meine Meinung, nur wenn interessiert das schon! Zu dieser aktuellen Liga werde ich später auch einen separaten Eintrag machen müssen. Sonst wird das hier zu lange. Blog management, you know!

Oops, es gibt ja noch einen Punkt. Da muss ich nochmals auf "Was interessiert uns Soccer?" zurückkommen. Hier liesst und hört man immer wieder das Soccer langweilig ist. Man bekundet offen Mühe zu verstehen weshalb die restliche Welt so Soccer crazy ist. Ich bin mit Fussball gross geworden aber ich hatte selbst je länger je mehr meine Probleme mit Fussball als Zuschauer. Seit ich nun hier bin kann ich eines bestätigen; ich fühle mich unter Gleichgesinnten und habe auch keinerlei Entzugserscheinungen. Da ich Fussball kenne kann ich auch die Verständnis Probleme der Amerikaner nachvollziehen. Man schaut auf das Spielfeld und in fünf Minuten hat man verstanden um was es geht. Nur warum gibt es so wenige Tore und zu oft leider auch zu wenig Torchancen? Da kommt der Amerikaner nicht wirklich mit. Die meisten Amerikaner (mich inklusive) zappen da einfach weg. Baseball ist zwar auch ein ruhiges Spiel und hat vermeintlich wenig Action aber da geht es um was ganz anderes. Wie gesagt dazu folgen separate Einträge. Dann scheint man auch nicht zu verstehen weshalb man keine Veränderungen vornimmt im Regelwerk um das Spiel attraktiver zu machen. Tipps und Anregungen wie man Soccer in Amerika (und vielleicht auch dem Rest der Welt) wieder spannender machen kann werde ich wohl mal zusammentragen und niederschreiben. Aber eilig hab ich es damit ehrlich gesagt nicht. Ihr verzeiht, bitte!

Zusätzlicher Lesestoff:
ESPN - When soccer rules the world

Sonntag, 5. August 2007

23rd Player to win 300 Career Games

Soeben wieder etwas für die Baseball Bücher. Kein Rekord aber etwas das man trotzdem mit Bewunderung zur Kenntnis nimmt.

Pitcher Tom Glavine von den New York Mets hat im seinem 659. Spiel als 23. Spieler die Marke von 300 Siegen errungen.

Das besondere an diesem Wert ist, dass der Spieler daran nur bis zu einem gewissen Grad einen Einfluss hat. In dieser Kategorie findet man ausschliesslich Starting Pitcher welche das Spiel beginnen. Heutzutage schliesst dieser Starting Pitcher aber selten das Spiel ab. Falls er eine gute Vorlage geliefert hat und das Team eine Führung hat muss er darauf hoffen, dass die folgenden Pitcher respektive natürlich das ganze Team den Vorsprung halten kann und den Sieg an Land zieht. Oder einen Rückstand in einen Sieg kehrt.

Im Spiel heute gegen die Chicago Cubs hat er bei einem Vorsprung von 5:1 abgegeben und dann wurde es nochmals spannend als die Cubs auf 5:3 herankamen. Ab Schluss hiess es dann aber 8:3 und damit war die Marke für ihn gesichert.

Nachtrag: In einer Zeitung gelesen. Nach Glavine wird wohl sehr viel Zeit vergehen bis wieder ein Pitcher diese Marke erreicht. Die wenigen welche in der Nähe dieser Marke sind, sind vom Alter her doch wieder zu weit weg und von den jüngeren Pitcher kann man in den kommenden 10 Jahren nicht erwarten, dass sie diese Zahl erreichen. Also folgt zu diesem Wert hier sicher bald kein neuer Eintrag mit dem Titel 24th Player to win 300 Career Games.

It's called Soccer, not football!

Kürzlich schrieb ich was zu Beckham und Fussball und ich versprach etwas Aufklärung zu liefern in Sachen football in Amerika.

Im Englischen hat das Wort football nicht überall auf der Welt die gleiche Bedeutung wie zB Fussball im Deutschen als Objekt und Sportart. Die Deutsche Welt ist halt auch gar klein, aber nicht deswegen. Konzentrieren wir uns erst einmal auf die Sportart und schauen etwas in die Geschichte. Da gibt es einige interessante Sachen zu entdecken.

Einen ersten und guten Überblick bietet die FIFA in ihrer Geschichte zu Fussball. Getreten wurde schon seit mehreren hundert Jahren allerdings wenn man sich das so durchliest nicht unbedingt immer nur auf den Ball. Oder sogar selten.

Von Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts (zur Erinnerung das heisst 1800-ca 1850) wurde es nicht unbedingt gesitteter aber man begann sich langsam aber sicher an Regeln zu halten. Speziell unter höheren Schulen in England veranstaltete man erste Spiele (oder sollte man Konkurrenzkämpfe sagen) und relativ schnell hat sich auf der Insel dieses Fussballspiel in das entwickelt was man heute als Rugby kennt und als gemässigtere Form (für Weicheier * ?) ist daneben aber auch das heutige Fussball Spiel entstanden. Solche Entwicklungen sind natürlich auch über den Atlantik oder sonst in die ferne Welt getragen worden, mit entsprechender Verzögerung natürlich. Etwa zur gleichen Zeit als in England Rugby und auch diese "neue Sportart" Fussball erfunden, oder besser gesagt geregelt wurden, hat sich "das alte Fussball" auf der Welt schon ausgebreitet und eigene Formen angenommen. Langsam aber sicher hat sich in Australien Australian Rules Football entwickelt und in Amerika entstand was man allgemein als American Football bezeichnet. Wer also behauptet American Football ** sei kein Fussball, umdenken! Auch Rugby ist der 'Urform' des Fussball näher.

Aus der Bezeichnung für das neuen Regelwerk Fussball (Football Association) hat sich in England ursprünglich der Begriff association football ergeben und aus dem association als Abkürzung Soccer. Die neue Sportart hat zusammen mit dem Begriff Soccer dann eigentlich schon sehr früh den Weg nach Amerika gefunden. Der Begriff selber ist dann aber in England wieder verschwunden und football hat sich durchgesetzt. Wohl begünstigt dadurch, dass sich Rugby Football mit ihren Regeln auf den Begriff Rugby reduzierte hat. Behaupte ich einfach mal. Im weiteren werde ich nun die Sportart Fussball mit Soccer bezeichnen da wir jetzt die alte Welt verlassen und dies die gängige Bezeichnung ist in Amerika.

Fragt man Leute zum Thema "USA und Soccer" gibt es wohl nur zwei Meinungen:
1) Die der Nicht-Amerikaner:
"Die haben keine Ahnung von Fussball!"
2) Die der Amerikaner selber:
"Who cares about soccer?" (Was interessiert uns Soccer?)
Das sich in Amerika niemand für Soccer interessiert kann man aber nicht generell behaupten. Wie oben erwähnt hat Soccer schon früh den Weg nach Amerika gefunden. So früh sogar, dass die U.S. Football Association 1913 zu den ersten internationalen Mitgliedern der FIFA gehörte. Allerdings erst 1974 hat sich die U.S. Football Association dann in U.S. Soccer Federation umbenannt. Eine Einführung zu Soccer in Amerika mache ich im nächsten Eintrag, sonst wird das wieder zu lang hier! Blog Management nennt sich das (oder Cliffhanger)!

To be continued ... hier

* Wenn man die toten Männchen sieht welche immer wieder mal auf dem Feld rumliegen - verwiegend wenn die eigene Mannschaft führt und das Spielende nahe ist - muss es einfach so sein.
** in vier Wochen ist Saison Beginn. Da dürfte das Thema in meinem Blog etwas eintönig werden.

Samstag, 4. August 2007

Just for the records

Die meisten von euch Lesern können damit wahrscheinlich nichts konkretes anfangen und es wird euch somit wohl auch egal sein. Da dies aber ein Amerika Blog ist muss es einfach vermerkt sein.

Alex Rodriguez (A-Rod) von den New York Yankees hat heute seinen 500. Home run geschlagen. Das ist eine stattliche Zahl und insofern interessant, dass er das in einem Alter geschafft hat wie keiner zuvor und damit ist er natürlich auf dem besten Weg irgendwann den Rekord zu holen mit den meisten homers.

Und da wir bei den meisten Home runs sind ist erstaunlicherweise soeben, also am gleichen Tag, auch das passiert was man lange erwartet hat. Barry Bonds von den San Francisco Giants hat den Rekord mit den meisten Home runs - 755 von Hank Aaron - egalisiert. Beim Spiel in San Diego gegen die Padres hat er bei seinem ersten at bat den Ball über die Outfield Begrenzung geschlagen. Die Fotos sind live aus dem Fernseher geknipst bei ESPN.

Wie gesagt, alles einfach mal das es hier notiert ist. Alle Details zum Rekord und Barry Bonds später einmal und zu Baseball überhaupt werde ich immer wieder mal schreiben und euch vielleicht auch mal zu "Experten" machen. Alle Beiträge zu Baseball werden dazu zukünftig auch ein eigenes Label haben.

Donnerstag, 2. August 2007

Blaue Flaschen

Ich bin zwar schon mehr als ein Jahr in Amerika und mein Englisch war zuvor schon recht gut aber bis zum Profi wird es noch einige Jährchen gehen schätze ich mal. Ich bin etwas realistischer geworden. Anfangs dachte ich, ein paar Monate und dann ist die Sache geritzt. Dann nach der ersten Ernüchterung macht man sich sorgen und mit den Monaten dachte ich dann an die Sprüche "Ja im Alter da wird es schwieriger mit dem Lernen einer Sprache". Ich denke nicht, es sind viel eher die Ansprüche die wir alten Säcke an uns selbst haben.

Als Kind, vom ersten "Ma-Ma" bis wir uns ganz klar und ordentlich ausdrücken konnten, vergingen mehrere Jahre. Jetzt als Erwachsene finden wir Kinder in den ersten beiden Jahren einfach nur niedlich: "ja tu-tu-tu, gulli gulli" und vergessen dabei die Zeit die vergangen ist wenn wir die ersten ernsthaften Gespräche mit ihnen führen.

Für Jugendliche und solche die in jungen Jahren eine zweite Sprache lernen ist es entweder Zwang und damit eh irgendwie Scheisse oder man kümmert sich wohl noch nicht so darum was und wie man daher redet. Auch die haben es noch nicht, die Ansprüche. Erst wir alten Säcke, dumm auch!

Wer eine Sprache ordentlich gelernt hat in der Schule und auch sonst oft angewendet hat ist trotzdem im Stadium eines Kleinkindes in den ersten beiden Jahren. Wie soll man auch mehr Kenntnis haben als so ein Knirps der üblicherweise Tag ein Tag aus vor sich hinbabbelt. Dabei kommt mir die Tochter vom Freund in der alten Heimat in den Sinn wenn ich die im Skype wieder mal sehe und höre. Wenn ich die ganze Zeit so viel quatschen könnte ging es vielleicht auch schneller. Geht ja aber leider nicht. Wobei Lucky wäre das womöglich auch ziemlich egal, aber mir nicht. Wenn mich jemand so sehen würde und wenn das hängen bleibt? Wenn ich dann dauern vor mich hinrede, muss ich mich rechtfertigen? "Nein ich führe keine Selbstgespräche, ich lerne die Sprache!!!"

Also halte ich vorläufig die Klappe und begnüge mich mit den wenigen Möglichkeiten im Alltag und sonst im Office. Dafür extra eine Freundin an Land ziehen, ich weiss nicht. Den Wortschatz erweitern kann man wenigstens beim Lesen. Im Internet gibt es ein spezielles Forum wo man etwas in die Tiefen und Abgründe der Sprache sieht. Ich empfehle jedem der sich etwas ernsthafter mit einer Sprache befasst das Wordreference Forum sich mal anzusehen, welches übrigens mehrere Sprachen abdeckt. Oft schnuppere ich da einfach im English only oder German rein und entdecke interessante Sachen im Englischen, und manchmal sogar auch im Deutschen.

Grad heute habe ich folgendes Thema gesehen: Jumping at bluebottles. Hab ich mich natürlich schon etwas gewundert was es den mit dem Sprung auf blaue Flaschen auf sich hat. Oh Wunder hatte ich da etwas gefunden was man als Kind irgendwann gelernt bekommt aber als Erwachsener kaum in der Sprachschule.

Bluebottles ist eine Fliege aus der Gattung der blow-fly. Die blow-fly ist das, was bei uns die Schmeissfliege ist welche wiederum, was mir auch nicht klar war bis soeben, nicht das gleiche ist wie die 'gewöhnliche' Hausfliege. Im Englischen wohl einfach eine fly. Diese bluebottles nun ist das grosse Monster Flubobjekt von Fliege welches man gelegentlich mal sieht und meistens blau schimmert. Die mit den grünen Schimmer werden logischerweise dann auch greenbottles genannt. Das jumping at in der Frage bezieht sich dann lediglich auf jagen dieser Fliege respektive springen (to jump) nach solchen Fliegen.

Interessant noch der Kommentar in folgendem Link: Bluebottles. Diese Fliegen nisten ihre Eier ausschliesslich in Fleisch (daher glaub der Unterschied zur Hausfliege). Wer also vermehrt solche Fliegen in seiner Nähe hat ist entweder selbst schon tot oder hat irgendwo in der Gegend etwas Totes herumliegen. Also bei Gelegenheit mal den Puls fühlen. Wobei wenn ihr das nun gelesen habt sollte das auch reichen und dafür vielleicht ein Blick hinters Sofa werfen.

Wenn euch jemand aber sagt your fly's open ("Deine Fliege ist offen") dann ist damit kein fliegendes Objekt gemeint. Die fly in diesem Sinne wäre der Hosenschlitz. Also mal einen scheuen Blick vorne an sich runter riskieren.

Mittwoch, 1. August 2007

Alles nur Mythos?

Kommen wir zurück auf den Eintrag zum Independence Day. Da ging es darum, dass man in Amerika ein anderes Ereignis feiert als in der Schweizer, als nationaler Feiertag. Um es den Schweizern gleichzutun müsste man in Amerika die Landung von Columbus in Amerika oder gar früher der Wikinger feiern. Tut man aber nicht. Ich habe mich daher im Welt Weiten Web etwas auf die Suche gemacht nach Daten zur Schweizer Geschichte und es ist wirklich schwierig Mythos von Fakten zu unterscheiden. Die Auftritte von Historikern im Web sind rar. Hier nun meine Ergebnisse. Tut sicher auch manchem Eidgenossen gut wieder mal etwas Geschichte zu schnuppern und aufzufrischen. Oder bin ich der einzige hier der es nötig hatte und die Wahrheit wissen will?

Die Geschichtsforscher scheint es mir sind sich einig, dass der Bund von 1291 weder eine Unabhängigkeitserklärung noch eine Staatengründung war. Das heutige Gebiet der Schweiz war und blieb damals Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Ein seltsames Reich ohne klare Führung dem erst Napoleon 1806 ein Ende setzte. Zu dem kommen wir noch einmal. Die heutige Schweiz wurde erst 1848 gegründet und ist somit noch nicht einmal 200 Jahre alt.

1291 war markant für die Geschichte der Schweiz ohne Zweifel weil am 15. Juli 1291 König Rudolf v. Habsburg starb. Zwischen 1200 und 1230 war der Gotthard als Nord-Süd Route passierbar geworden und die Innerschweiz erlangte dadurch massiv an Bedeutung; Wegzoll ist wohl das Zauberwort. Während der König Rudolf angeblich den Innerschwyzern noch etwas freundlicher gesinnt war änderte das mit den Nachfolgern drastisch weshalb die Genossen sich genötigt sahen zusammenzustehen zum Eid und sich gegenseitig beizustehen. Plus gleich noch ein paar andere Dinge geregelt. Ein solcher Bund ist beschlossen in dem was man heute als Bundesbrief kennt, besiegelt im Jahre des Herrn 1291 zu Anfang des Monats August. Es könnte also wohl auch der 2. oder 3. sein. Anyhow, nach den Historikern ist dieser Bund nur ein Bund von vielen, immer und immer wieder sind sie neu zusammen gestanden und haben die Finger in die Luft gestreckt und geschworen.

In einer Sammlung von Dokumenten und Berichten, Dem Weissen Buch von Sarnen, ein Buch das gemäss Historikern auch nicht über alle Zweifel erhaben ist, wird dann der Schwur auf dem Rütli erwähnt. Es ist dabei nicht einmal gesichert ob es sich um das Rütli handelt, da es auch ein solches beim Mythen gibt. Auch ist es total unabhängig vom soeben erwähnten Bundesbrief. Der Rütlischwur und der Bundesbrief kommen erst später zusammen, fast wie die Jungfrau zum Kind. Den Schwur datiert man nämlich irgendwann mal auf den 8. November 1307, als gesichert gilt aber auch das nicht. Dieses Datum hatte aber lange Bestand und wurde immer wieder einmal gefeiert. Die Jahreszahl ist notabene auch im Tell Denkmal verewigt womit wir den nächsten Bogen spannen. Über das Sarnen Buch und Aegidius Tschudi als Historiker gelangen wir zu Schiller, einem Deutschen, welcher aus diesem Material und wohl weiteren Erzählungen und letztendlich Mythen 1804 ein G'schichtli erzählt über den Wilhelm Tell und andere Genossen. Darin taucht auch der Rütlischwur auf und plötzlich haben die ersten Eidgenossen Namen. Stauffacher sowie Tell und Gessler sollen jedoch erst um 1470 ihre Fehde ausgetragen haben. "Gessler, Gessler, nei sie, de Walter cha doch nöd allei sii." Schnitt!

Danach haben sich einige weitere Städte respektive Kantone zum Bündnis dazu geschlossen aber so richtig Ruhe und Ordnung ist nie eingekehrt. Man sei dabei erinnert an die Helvetische Revolution (1793-1798) und darauf die Helvetische Republik (1798-1802) - Helvetische Revolution und Republik. Vorbild war Frankreich, die helvetische Flagge war irgendwie grün-rot-gold gestreift, die Urschweiz hat sich daran nicht beteiligt und schlimmer sich sogar ihrerseits dagegen aufgelehnt und rebelliert. Eine Republik, uneinig und ohne klare Führung und auch hier war Napoleon zur Stelle. Napoleon war dabei nicht ein Diktator sondern sah sich als Mediator - die Mediationszeit (1803–1814).

Mit Napoleon war ja einiges später aber auch Schluss, man erinnere sich dank Abba an Waterloo. Irgendwann um 1815 in Wien hat man die Kantone in ihrem Bündnis als neutral akzeptiert. Der grosse Meilenstein erfolgte 1830 mit der Regenerationszeit und in dieser Zeit ertönten auch Stimmen (Paul Vital Ignaz Troxler) einen Bundesstaat zu Gründen - Achtung: Trommelwirbel - nach Vorbild der Vereinigten Staaten von Amerika. Schaut man sich die Strukturen an sind sie sich auch sehr ähnlich, dazu ein anderes mal mehr. Da bin ich noch nicht ganz so weit. Kurzum, 1848 war es soweit die Bundesverfassung war geschrieben und die Schweiz eigentlich erst gegründet.

Warum nun aber 1291 und der 1. August als nationaler Feiertag? Das haben wir angeblich den Berner zu verdanken und man muss es leider so sagen: Es könnte auch irgend ein anderer Tag und ein anderes Jahr sein!

Fast bis Ende des 19. Jahrhunderts hat man sich auf den 8.11.1307 bezogen. Der Bundesbrief von 1291 war erst im 18. Jahrhundert 'entdeckt' worden und ist, wie erwähnt, im Prinzip nur einer von vielen. 1891 dachten sich dann die Berner, dass sie irgendwie seit 600 Jahren bestehen und wollten das feiern und gleichzeitig hat man dann sich an eben diesen jenen Bundesbrief erinnert und gedacht, toll machen wir doch daraus auch gleich eine Bundesfeier. Interessanterweise hat man dabei aber noch nicht mal an eine jährliche Wiederholung der Feier gedacht geschweige an einen "Nationalen Feiertag". Das kam erst 1899 als der Bundesrat die Kantone aufforderte am 1. August die Glocken läuten zu lassen weil man sich etwas genötigt sah einen Gegenpunkt zu haben zu den Franzosen mit ihrem Quatorze Juillet und anderen Staaten die begannen Jahrestage zu feiern. Nach und nach kamen dann die Höhenfeuer, Ansprachen, Lampions und Feuerwerk dazu sowie auch einzelne Kantone begannen den Feiertag als arbeitsfreier Tag in den Kalender aufzunehmen.

Das Rütli vollends zum Mythos gemacht hat dann General Guisan bei seinem Rütlirapport im Jahr 1940 um für den Widerstand gegen das nationalsozialistische «Neue Europa» zu mobilisierte. Dabei beschlich mich in der jüngsten Vergangenheit immer ein seltsames Gefühl wenn sich ausgerechnet nationalsozialistisch veranlagte Schweizer eingefunden hatten zur Feier. Ich glaube in der Geschichte hatten die einen grossen Fensterplatz.

Somit wünsche ich allen Schweizerinnen und Schweizern ein schönes entspanntes Feiern, jetzt wisst ihr wenigstens wieder einmal weshalb ihr Raketen in den Himmel schiesst. Ich muss ja arbeiten. Und wer es noch genauer wissen will und sonst noch so ein paar Sachen über die ich bei meiner Recherche gestolpert bin hier (m)ein Feuerwerk von Links.

Nachtrag (07.09.2007): Im "Das Magazin - 34/2007" der Beilage am Samstag im Tages-Anzeiger fand ich den Artikel Von der Kuh zum Geissbock. Interessante Kurz-Lektüre über die Geschichte von damals bis heute. Nicht geeignet für Leser welche etwas über die schöne und heile Schweiz lesen wollen.

Bundesarchiv
Bundesbrief
Bundesverfassung
Die "offizielle Geschichte" der Schweiz

Historisches Lexikon der Schweiz
Der Weg zum modernen demokratischen Bundesstaat

Wikipedia.de
Wiki Schweiz-Geschiche
Wiki Rütlischwur

Historisches Lernen in der Grundschule zwischen nationaler Identitätsbildung
und fachwissenschaftlicher Rationalität - ein Schweizer Beispiel [PDF]

Troxler Forum

Eine Wiese mit Kuhdreck
Bundesbrief ziert Austellung in Amerika

Show Me The Money!