Downtown Austin

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Mittwoch, 29. August 2007

Der Meister und sein Diener

Nein, es geht hier nicht um meinen Hund Lucky und mich. Obwohl ich sein Meister bin ist er mit Sicherheit nicht mein Diener, wie könnte er auch mit seinen Pfoten. Auf den Tag warte ich seit 12 Jahren, dass ich nach Hause komme und er den Haushalt erledigt hat. Wenn es um Lucky und mich ginge wäre "Der Schmarotzer und sein Meister" der geeignetere Titel. Und es geht auch nicht um Depeche Mode und ihren Titel Master and Servant von 1984. Hier das Video bei YouTube. Das waren noch Zeiten, was? *sigh*

Was sich seit Wochen angekündigt hat ist heute noch nicht wahr geworden aber die Offerte liegt jetzt auch für mich auf dem Tisch. Oder in meiner Mailbox. Unser boss hat uns vor etwa einem Monat informiert, dass er überraschend grünes Licht bekommen habe alle Vertrag seiner Contractors (Teilzeit Mitarbeiter) in permanent employees (Vollzeit Angestellte) umzuwandeln. Bevor nun überall der grosse Freudentaumel losbricht, lasst mich das erst etwas relativieren.

In Amerika ist eine Vollzeit Anstellung nicht automatisch besser als eine Teilzeit Beschäftigung. Es gibt sicher irgendwelche gesetzlichen Finessen im ganzen aber in vielen Fällen sind die minimal. Soweit mir gekannt ist gibt es in den Arbeitsgesetzen keinen Unterschied in den Vertragsformen vor allem wenn die Teilzeit sich auf die Anstellungsdauer und nicht auf die Stunden/Woche bezieht. Als Basis gilt in der Vollzeit die 40 Stunden Woche und bisher hatte ich mehr oder weniger eine normale 40 Stunden Woche auch als contractor. Daran hätte sich auch sonst nichts geändert auf absehbare Zeit.

Ich bin einfach nicht bei der Firma selbst sondern über eine Agentur angestellt. Sprich ich rechne mit der Agentur meine Stunden ab und die Firma bezahlt der Agentur irgend einen Ansatz und ich bekomme dann von der Agentur meinen wöchentlichen Check. Die Agentur offerierte mir ab Beginn eine Krankenversicherung und seit kurzem nach 6 Monaten hätte ich sogar Pensionskasse Anspruch. Ferien und Freitage fallen allerdings flach respektive kann ich unbezahlt nehmen. Sollte die Firma meine Dienste nicht mehr benötigen informiert sie im Prinzip die Agentur und diese wiederum würden wahrscheinlich versuchen mir eine andere Arbeit zu finden aber grundsätzlich ist es ein "es war schön mit dir zusammenzuarbeiten (?), aber leider yada yada"; das übliche Gefasel.

Wenn man sich die Webseiten anschaut welche Arbeitsrecht behandeln fällt ein spezieller Bestandteil für die Arbeitsverträge auf. Die Basis ist meist die at-will employment was frei übersetzt so viel bedeutet wie "wir beschäftigen dich solange wie es uns beliebt". Das frühe oder erste Vertragsrecht in Amerika wurde aus England übernommen und hat das Verhältnis zwischen master and servant (Meister und Bediensteter) geregelt. Offensichtlich beinhaltete es ein kleines nerviges Detail, notabene für beide Parteien. Hatte man nichts spezielles vereinbart galt ein Arbeitsverhältnis im Prinzip automatisch für ein Jahr. Seltsamerweise schien die Beweispflicht dafür aber wiederum beim Arbeitnehmer zu liegen. Irgendwie hat sich daraus vor mehreren Jahren mal ein Rechtsstreit ergeben weil es mittlerweile in die andere Richtung ging und darum beinhalten nun die meisten Verträge die at-will Klausel.

Um das etwas herauszustreichen, dabei geht es im wesentlichen um den Kündigungsgrund und nicht um eine Kündigungsfrist. Ein Aspekt den in Amerika offensichtlich weder die eine noch die andere Partei je einmal interessiert hat. Entweder man arbeitet für jemanden oder nicht. So einfach! Mir persönlich übrigens auch recht, wenn mich jemand nicht mehr will brauche ich dort nicht noch lange rumsitzen. Und Arbeitslosenunterstützung kennt man übrigens auch in Amerika. Auch wenn ich persönlich im Moment noch nicht ganz alle Bedingungen erfüllen würde für den vollen Anspruch. Was man jetzt unbedingt auch noch anfügen muss ist das die Grundrechte nachwievor gewahrt sind, also Diskriminierung und solche Dinge. Das sieht man dann immer wieder einmal in den Rechtsanwalt Serien oder Filmen wo jemand klagt das man in Wirklichkeit wegen etwas persönlichem gefeuert wurde. Ich denke der Film Philadelphia mit Tom Hanks als AIDS erkranktem Anwalt basiert auf diesem Grundsatz.

So, jetzt könnt ihr euch für den Freuden Tanz bereit machen. Die Firma ist natürlich stolz ein verantwortungsbewusster Arbeitgeber zu sein und offeriert einige benefits (Sonderleistungungen). Notabene der wesentlichste Unterschied zwischen einem contractor und einem permanent employee - also nicht ein Kündigungsschutz. Die Offerte beinhaltet nun allerhand Dinge welche ich vorher nicht hatte und sehr angenehm sind. Darauf im einzelnen einzugehen lasse ich jetzt mal weg, bringt im Detail ja nichts. Ich hatte das ja schon erwartet aber auch befürchtet, dass das finanziell wieder irgendwie ausgeglichen wird. Die meisten Kollegen hatten ihr Gespräch schon früher und beklagt sie müssten Lohneinbussen in Kauf nehmen. *smile* Ich meinerseits werde aber zu all den benefits auch in cash noch einen ordentlichen Schritt nach vorne mache was mich doch etwas stark überrascht hat.

Bin ich doch dem amerikanischen Traum wieder ein Schritt näher und kann mich langsam nach einer Ranch umsehen und einem Boot um auf den Seen herumzukurven.

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