Downtown Austin

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Montag, 13. August 2007

Des Teufel's Chef

Heute kümmern wir uns etwas um die amerikanische Küche. Im speziellen die im Restaurant und nicht die welche in der heimischen Stube das Essen auf den Familientisch zaubert. Und ich kann mir auch gleich das Geheul in der alten Heimat vorstellen; "Ja, ja, die Amerikaner und Küche! Kennen die überhaupt was anderes als Hamburger und Peperoni Pizza wo, oh, Schreck, nicht einmal Peperoni drauf sind?" Als Neo-Texaner muss ich da natürlich gleich ergänzen, aber sicher. Wir haben auch Steaks, Bar-B-Q und TexMex.

Wenn die amerikanische Küche ein Problem hat in der Gunst des Gourmet, dann ist es die Vielfalt und auch das muss wieder mal gesagt sein, die Dimension des Landes. Was die Vielfalt anbelangt ist die Auswahl so bunt wie die Einwanderer in der jeweiligen Region - und wie stark sie ihr Essen vermisst haben. Ein französisches Restaurant irgendwo in einem Wüstenkaff selbst mit 20,000 Einwohnern wird kaum überleben weil ... das muss ich ein anderes mal erklären. Ich will was ganz anderes erzählen heute. Gehen wir einfach mal davon aus: Auch die Amerikaner kennen eine Küche welche sich international nicht zu verstecken braucht.

Vorneweg ein paar englische Begriffe damit auch noch ein gewisser Lernfaktor in diesem Eintrag mitschwingt und man einiges im folgenden besser versteht. Der chef im Englischen ist nicht einfach irgend ein Chef sondern ausschliesslich der Chef in der Küche. Der Ursprung kommt dabei aus dem Französischen. Wenn man über seinen Vorgesetzten spricht dann ist das im allgemeinen der boss. Spricht man aber eher von einer Funktion dann ist es oft chief kann allenfalls aber noch ein anderer Begriff sein. Am besten bekannt ist der chief in der Abkürzung CEO (chief executive officer). Natürlich kann man seinen Vorgesetzten auch chief nennen, dass hat dann aber meist so einen gewissen Unterton. Chief ist auch das was im Deutschen der Häuptling ist. Ich hoffe damit kann man sich etwa gut vorstellen wo die Bedeutung liegt wenn man seinen Chef chief nennt. Also aufgepasst!

Eigentlich will ich über Hell's Kitchen (des Teufel's Küche) berichten, eine Reality Show im Fernsehen. Die läuft zur Zeit gerade in der dritten Staffel und heute abend um 8 Uhr ist Finale und ich bin schon richtig gespannt. Vor zwei Jahren gab es bei RTL auch eine Teufelsküche und wurde aber offensichtlich, soweit ich das per Internet recherchieren konnte, nicht wiederholt. Vielleicht weil sie die Show mit C-X Prominenz besetzt hatten oder der Chef nichts wert war. Wer weiss das schon und ich kann mich nur sehr schwach daran erinnern weil ich mich grundsätzlich für solche Reality Shows (à la Big Brother, Karibik Überlebenstraining, Sing Sang Wettbewerbe und was es sonst noch alles gibt) nicht begeistern kann. Das war in der alten Heimat schon so und nun auch hier in Amerika nicht anders. Mit eben dieser Ausnahme.

Letztes Jahr während der zweiten Staffel etwa zur Mitte bin ich beim klicken durch die Kanäle hängen geblieben. Der Teufel in der Küche ist Gordon Ramsay, von Geburt Schotte und gemäss der Biographie auf der Website Besitzer von diversen Restaurants in England welche mit Michelin Sternen und weiteren Titeln geschmückt sind. Dann hatte er im britischen Fernsehen eine erste Show ebenfalls mit Prominenten welche wohl die Vorlage für die RTL Show bildete. Hier in Amerika auf FOX haben sie mit ihm die Show aber mit dem Konzept von 'normal sterblichen' Möchte-gern-Köchen gestartet. In zwei Teams mit je 6 Frauen und 6 Männern geht es vom ersten Tag zur Sache. Jeder der Köche bekommt so richtig sein Fett ab. Ramsay erscheint einem im ersten Moment wie der Dieter Bohlen allerdings nur in den Momenten wenn er einem Teilnehmer die Meinung sagt. Und meine Güte, das macht er nicht zu wenig. Damit ist der Vergleich mit Bohlen aber bereits ultimative beendet. Man soll den Teufel nicht heraus fordern - also Gordon Ramsay. Ansonsten muss man vor ihm den Hut ziehen und er macht die Show wahrscheinlich für FOX auch so erfolgreich. Ja, und vor allem für mich natürlich. Ich bin dem Teufel ausgeliefert und hab ihm meine Zuschauer Seele verkauft.

In jeder Folge werden die Köche vor mehr oder weniger schwierige Koch Aufgaben gestellt und natürlich gibt es immer einen der damit 'relativ' gut klar kommt und gewinnt. Dazwischen gibt es unzählige Momente wo Gordon Ramsay den Köchen klarmachen muss was für ein F oder S sie grad produziert haben. Das F und S stehen symbolisch für das F- (Fuck) und S-Word (Shit) und kommt sehr häufig aus dem Munde von Chef Ramsay, was im amerikanischen Mainstream Programm natürlich konsequent weg gepiepst wird. Ich kann also nur annehmen, dass er Fuck und Shit sagt. Warum das eigentlich so ist mit dem piepen werde ich auch mal erklären müssen mit einem separaten Eintrag.

Der Sieger des jeweiligen Tages muss dann einen der Mitstreiter nominieren der raus fliegt, also beim nächsten Mal nicht mehr dabei ist. Da die Sieger nicht nur Köche sind, sondern in erster Linie auch nur Menschen, kam es immer wieder mal vor, dass die oder der Sieger den vermeintlich Besten nominiert hat, man ist ja clever und will den ärgsten Rivalen loswerden. Gordon Ramsay ist halt aber auch clever und hat ein Veto Recht welches er dann in die Runde wirft und korrigiert 'diesen Fehler'. Da sieht man dann gleich in kurzer Folge einige Kiefer die runter klappen und anschliessend ist natürlich schön Gift in der Küche. Arbeiten macht Freude, ich könnte stundenlang zusehen.

Mit Freude hatte ich vor einigen Wochen festgestellt, dass Hell's Kitchen diese Saison in die dritte Runde geht. Leider hatte ich die ersten drei Folgen übersehen aber seit der Vierten bin ich wieder live dabei und heute ist der grosse Showdown. Im Finale stehen sich Bonnie (gelinde gesagt eine blonde Heulsusse) und Rock (einer der sich von unten hochgearbeitet hat und den amerikanischen Traum träumt) gegenüber. Dem Sieger winkt eine Stelle als Head Chef in einem Italian Restaurant im Green Valley Ranch Resort and Spa in Las Vegas. Bonnie wollte zu Beginn immer wieder aufgeben und steht nun trotzdem im Final. Ob all das Geheule nur berechnet war fragt man sich nun im Nachhinein. Vor allem in den letzten beiden Folgen hat sie sich unheimlich gesteigert und man muss fast befürchten, dass sie Rock wegfegt. Rock war eigentlich der Fels in der Küche, ein solider Koch über die ganze Serie und hätte sich quer gerechnet den Sieg verdient. Nur hatte auch er immer wieder mal einen Durchhänger oder nicht brilliert und dann auch das Glück, dass es immer andere gab die ernsthafte Fehler begingen und folgerichtig raus geflogen sind. Das könnte ihm im Finale wieder zum Verhängnis werden. Mal schauen was heute Abend resultiert.

Wie gesagt ich bin so gespannt, darf es nicht verpassen und der Teufel lacht sich dafür wahrscheinlich eins in sein heisses Fäustchen.

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