Downtown Austin

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Donnerstag, 9. August 2007

Die verfilzte Sprache

Als ich kürzlich über meine Haartracht berichtet habe und ich den Cowboyhut erwähnte, fand ich in der Recherche folgendes was ich interessant fand und nun berichten möchte. Ihr dagegen findet das wahrscheinlich langweilig oder viel schlimmer für mich ihr kennt das alles schon und nur ich bin wieder einmal total veraltet, verschlafen oder habe sonst mein Leben verpasst. Anyways, angefangen hat alles rund um den Hutmacher.

Die hatter (Hutmacher) galten lange Zeit als verrückt. Vielleicht nicht generell aber crazy oder mad as a hatter (verrückt wie ein Hutmacher) ist im Englischen auch heute noch ein geläufiger Ausdruck um jemanden zu beschreiben der, wie einer im Deutschen, 'nicht alle Tassen im Schrank' oder 'eine Schraube locker' hat.

Vorwiegend Männerhüte und im besonderen hier der klassische Cowboyhut ist aus felt (Filz), folglich ein felt hat (Filzhut) und wird nicht nur aus cotton (Baumwolle) hergestellt. Auch heute noch ist felt ein Gemisch oder in der exklusiveren Variante rein aus fur (Fell) von beaver (Biber) oder auch hare (Hase) und rabbit (Kaninchen). Für diese Herstellung wurde Quecksilber Nitrat verwendet um das Haar für das verfilzen aufzubereiten. Bekanntermassen ist Quecksilber, speziell die Dämpfe, nicht gerade bekömmlich für den Organismus und lagert sich im Körper an vielen Stellen ab, u.a. auch im Hirn und führt dabei entsprechend zu allerlei Symptomen. Im 18. und 19. Jahrhundert war man sich darüber aber noch nicht so im klaren. Zur damaligen Zeit war es auch durchaus üblich Syphilis mit Quecksilber zu behandelt. Aus heutiger Sicht kommt mir das vor wie wenn man sich für Kopfweh so lange mit dem Hammer auf die Finger klopft bis der Kopf weniger weh tut. Oder so!

Sucht man nach der Bedeutung und Herkunft für den Begriff mad as a hatter im Internet kommt man unweigerlich mit Alice im Wunderland in Kontakt. Im englischen Sprachraum scheint man den Hutmacher aus dieser Geschichte als solchen 'verrückten Hutmacher' folglich bestens zu kennen. Obwohl ich als Kind und Jugendlicher unheimlich viele Bücher gelesen habe ist mir das Buch nie unter die Augen gekommen. Wie viele andere Klassiker aus dem englischen Sprachraum übrigens auch. So rückblickend frage ich mich ob nur ich das war oder ob diese Bücher allgemein nicht so verbreitet oder bekannt waren damals. Was hatte ich damals all die Nächte lang unter der Bettdecke gelesen?

Mittlerweile stolpere ich hier fast täglich wegen Redewendungen, Filmen oder sonstigen Referenzen und Sachen über Klassiker der amerikanischen oder englischen Literatur. Die englische Sprache und die ganze Kultur ist eine richtige Verfilzung habe ich festgestellt - wie ein Cowboyhut. So etwas ist mir aus dem deutschen Sprachraum überhaupt nicht bekannt oder bewusst. Viele der erwähnten Buchtitel oder Autoren sind mir vom Namen her bekannt aber ich hatte die niemals in den Fingern. Manchmal komme ich mir dabei wie ein alien (Fremdling) aus dem All vor weil ich diese Klassiker nie gelesen habe. Und ich wüsste nicht wo ich all die Zeit hernehmen soll um all diese Bücher zu lesen um die Wissenslücke zu schliessen. Wer sich mit einer Auswanderung befasst sollte also schon mal anfangen die Klassiker zu lesen, am besten natürlich gleich in Englisch. Viele Klassiker aus dem vorletzten Jahrhundert kann man sich mittlerweile zwar im Internet, z.B. über das Gutenberg Project, besorgen. Aber eben wo die Zeit hernehmen. Weniger Fernsehen, Blogs schreiben, Schlafen? Arbeiten! Das wäre natürlich etwas. Bis zum Ruhestand geht es allerdings immer noch 20 Jahre.

Nennt mich mad as a hatter aber ich glaub ich drucke mir die Internet Version von Alice im Wunderland aus und folge dem weissen Kaninchen. Ach nein, das ist ja Neo in die Matrix, oder doch nicht?

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