Downtown Austin

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Dienstag, 28. August 2007

Häuptling Geschwollene Füsse

Ist es seit gestern also wieder so weit: Ich hab Nachtschichtarbeit. Damit ihr nicht zurückblättern müsst im Blog, und ich weiss auch nicht ob ich das irgendwo schon so detailliert geschildert habe, hier zur Erinnerung. Nur alle 6 Wochen trifft es einen von uns dafür arbeitet man dann jeweils 7 Tage am Stück, 12 Stunden nonstop von 7 Uhr abends bis 7 Uhr am nächsten Morgen. Als Kompensation haben wir die anschliessende Woche frei. Die angehäuften Stunden über 40 Stunden in der Wochen gelten auch noch als Überstunden und werden mit 50% zusätzlich entschädigt. Das gibt ordentlich etwas in die Kasse.

Nebst dem das man allein vor sich hin döst, ähm ich meine die Verantwortung hat, kann man oft in Ruhe Zeitung lesen, DVD schauen oder halt auch Blog schreiben. Manchmal gibt es aber auch einige Dinge zu erledigen, aber selten und ist meistens in 2-3 Stunden erledigt. Obwohl wir sonst schon sehr relaxte Bekleidungsvorschriften haben kann man in der Nacht auch bedenkenlos mit Shorts und Slippers antanzen. Aber das schönste ist ich kann Lucky mitnehmen. Der nervt dann zwar speziell in den ersten beiden Nächten immer etwas und ich muss ihn alle 5-10 Minuten mit einem Keks und etwas Streicheleinheiten beglücken (oder ruhig stellen, wie man will). Auch jetzt spüre ich gerade wieder seinen Kopf auf meinem Oberschenkel. Also einen Moment schnell.

Ok, bin wieder zurück. Dann so etwa zwei oder dreimal pro Nacht gehen wir auch nach draussen, weit können wir aber nicht gehen da das Schnurlostelefon nicht so weit Empfang hat. Seit Anfang Mai fällt die Temperatur kaum unter 75 °F (ca 24 °C) und da ist es selbst in Shorts und T-Shirt total angenehm. Die grillen Zirpen um die Wette und am benachbarten Highway Loop 360 hört man die Autos vorbei rauschen. In den ganz frühen Morgenstunden wird es aber auch mit den Autos etwas ruhiger.

Zuerst führe ich Lucky etwas dem Gebüsch nach. Da wird dann wie üblich alles ordentlich beschnuppert und in gebührendem Abstand immer wieder mal mit einigen Tropfen Wasser markiert. Anschliessend setzen wir uns an den Randstein vor dem Eingang und lassen die Umgebung auf uns wirken. Gestern hat Lucky auf einmal den Kopf gestreckt und ganz gespannt den hintersten Winkel vom Parkplatz anvisiert. Wenig später habe ich erspäht was ihn so interessiert. Schwer zu erkennen aber offensichtlich ein Armadillo (Gürteltier) tapst über den Parkplatz und sucht wohl was zu fressen. Oder gar auf Brautschau?

Mir ist dafür etwas ganz anderes ins Auge gestochen. Der Himmel war heute unheimlich klar und der Mond, in seinem vollen Umfang heute am Firmament, schien total hell. Wobei es heisst ja, dass die Sterne heller und grösser scheinen in Texas. Vielleicht war es aber auch meine verbesserte 20/15 Optik. Um 5 Uhr morgens gibt es dann sogar noch eine Mondfinsternis zu bewundern. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich den je einmal so kräftig scheinen sah und für eine total lunar eclipse (totale Mondfinsternis) habe ich mich auch noch nie mitten in der Nacht aufgerafft. Da der Parkplatz mehr oder weniger hell beleuchtet ist bringt das Mondlicht selbst aber nichts um die Umgebung zu inspizieren. Wenn man im Englischen übrigens von moonshine (Mondschein) spricht ist sehr selten die Reflektion des Sonnenlichts vom Mond gemeint sondern eher die Schwarzbrennerei.

Der Begriff moonshine oder auch die Tätigkeit moonshining glaubt man bezieht sich auf die nächtlichen Aktivitäten der Schmuggler zuerst in England. Unter moonshiners versteht man heute aber allgemein die Schwarzbrenner und die bootlegger sind die Schmuggler weil die den Schnaps in ihren Stiefelschaft versteckt haben. Kann mir aber irgendwie nicht vorstellen wie das lukrativ sein soll. Als Schmuggler gibt es auch noch die rumrunners, das waren dann mehrheitlich die zur See welche aus der Karibik Rum transportiert haben. Dann gibt es aber noch die andere Quelle. Im Englischen hat moonshine auch wenig oder nichts bedeutet. Wenn die Schmuggler gefragt wurden was das Zeugs denn sei, haben die geantwortet: "Oh that, that's mere moonshine" - "Ach das, das ist nichts".

Im technischen Sinne hat der Begriff moonshine heute aber auch die Bedeutung übernommen für den reinen Schnaps, also unverschnitten so wie er aus dem Brenner kommt, denn die Schwarzbrenner haben sich nicht um Alterung oder weitere Veredelung des gebrannten Wassers bekümmert. Heutzutage wird moonshining hautsächlich noch mit der südlichen Region der Appalachen in Verbindung gebracht, bzw. betrieben sollte man sagen. Dort in den Wälder fliegt immer wieder mal eine Truppe auf welche den Kick im Schwarzbrennen suchen. Obwohl es wohl vordergründig immer um die Steuern geht ist das Brennen auch nicht ungefährlich. Der Prozess des Brennens erfordert doch einiges an Sorgfalt um giftige Bestandteile wie Methanol abzuscheiden. Die hohe Alkoholkonzentration in diesen Eigenkreationen ist meistens auch nicht unbedingt gesundheitsfördernd. Ausser man konsumiert es natürlich in kleinen Mengen und ausschliesslich zu medizinischen Zwecken. Oder zum Einreiben, könnte ich jetzt für meine Füsse gebrauchen. Vielleicht hilft es was.

In den ersten beiden Nächten habe ich immer festgestellt, dass die Füsse anschwellen. Ich dachte zuerst, dass ich da ein spezielles Problem hätte. Kürzlich hatte ich aber mit einem Kollegen etwas über die Nachtschichtarbeit diskutiert und da hat er das Phänomen auch erwähnt und dann hab ich gestern auch noch einen anderen darauf angesprochen und der hat das auch bestätigt. Muss ich mir also keine Sorgen machen und ab der dritten Nacht hat sich der Körper eingependelt und hat keine Sorgen mehr.

Und jetzt entschuldigt mich, ich will etwas Video kucken. Later!

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