Downtown Austin

Downtown Austin

Donnerstag, 20. September 2007

Mach mal das Loch zu

Im letzten Eintrag hatte ich die Klimaverhältnisse von Amerika mit Südeuropa oder gar Nordafrika verglichen und auf den Umstand hingewiesen, dass die Mehrheit der Einwanderer tragischerweise aus Nord- und Mitteleuropa stammt. Folglich Menschen welche sich mit dem Klima in Amerika schwer tun müssten. Was nun kommt ist hoffentlich nicht alles hogwash (Quatsch) aber ich sauge mir das ehrlich gesagt aus den Finger. Einfach meine Logik und ein Erklärungsversuch warum man in Amerika so auf kalte Luft schwört, auch (noch) nicht so energiebewusst isoliert und noch ein paar andere Dinge.

Nun, diese ehemaligen Einwanderer, sprich Mitteleuropäer, definieren sich ja gerne als arbeitsam und fleissig, sind sich aber naturgemäss eine solche Affenhitze nicht gewöhnt. Ich erinnere mich nur zu gut an die Leidensgenossen in der alten Heimat. Wurde es während ein paar wenigen Tagen im Jahr endlich über 30 °C warm hab ich mich gefreut, der Grossteil aber war am Fluchen ob der Hitze. Etwa am 5. Tag einer kleinen Hitzewelle konnte man in den Nachrichten und Zeitungen ua erfahren, dass die Elektrofachgeschäfte bereits Lieferschwierigkeiten haben mit Ventilatoren und mobilen Klimaanlagen. Und dann das Gejammer wenn in einer Nacht das Thermometer nicht unter die 20 °C gefallen ist, sogenannte tropische Nächte. Solche Nächte gibt es im Sommer in den meisten (vor allem südlichen) Staaten der USA gleich monatsweise. Hier in Austin hatten wir die letzte Nacht unter 20 °C irgendwann im Mai und jetzt kurz vor Herbstbeginn sind wir auch immer noch darüber. Bereits am Morgen um 8 Uhr beim Spaziergang mit meinem Hund komme ich selbst mit T-Shorts und Shorts bekleidet ins Schwitzen. Für die Auswanderer der letzten Jahrhunderte muss Amerika in jedem Sommer eine endlos scheinende Qual gewesen sein und ich denke das Gejammer Leiden ging auch an die nächsten Generationen über.

Die Erfindung des Air Conditioning (im Sinne von Kühlung der Luft) Anfang des 20. Jahrhunderts war zuerst in der Industrie ein Segen und hat die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter angeblich wesentlich erhöht. Im Wiki Artikel zu Klimaanlage steht dazu folgender schöner Satz.
Bei 28 °C sinkt die Leistungsfähigkeit auf 70 % und bei 33 °C auf 50 %.
und dann weiter
Sie [Klimaanlagen] sind in vielen warmen Ländern die Voraussetzung für den Aufbau wettbewerbsfähiger Industrien, so wie sie ursprünglich dem Süden der USA erst den Anschluss an die industrielle Entwicklung des Nordens ermöglicht hatten. Ohne Klimatisierung könnten beispielsweise die heranwachsenden Industrienationen Südostasiens ihr Wachstumstempo nicht durchhalten
Später dann und vor allem nach dem zweiten Weltkrieg ging der Boom mit Klimaanlagen auch für den Heimbedarf los.

Hier können wir nun das Thema der Bauweise anschneiden. Auch dazu hilft die Erinnerung an Erfahrungen aus der alten Heimat. Das primäre Bedürfnis in Mittel- und Nordeuropa ist sicher einmal die Kälte draussen zu halten während man drinnen Wärme produziert und speichert. Schon vor langer Zeit hatte ich übrigens irgendwo folgendes einmal gehört oder auch gelesen. Vor der Erfindung der Zentralheizung brannte im Hause für die Wärme natürlich irgendwo ein Feuer. Man war somit dem Risiko ausgesetzt an Sauerstoff Mangel zu sterben und man liess deshalb immer im Schlafzimmer das Fenster ein wenig geöffnet. Wenn dem so ist und man sich so herum hört würde diese über Generationen überlieferte Erkenntnis angeblich noch in mancher Seele ruhen, der Drang des Nachts bei offenen Fenster schlafen zu müssen.

Den Nachteil eines gut isolierten Raumes in einem heissen Sommer kennt eigentlich auch jeder. Da reisst man auch die Fenster auf, denn war die Hitze einmal in der Wohnung oder im Haus hat man sie auch kaum mehr raus gekriegt. Bei dem Klima das in Amerika vorwiegend und halt vor allem im Sommer herrscht hat man dieses Problem nicht nur tageweise sondern vielerorts gleich monatsweise. Dick isolierende Häuser zu bauen machte hier keinen Sinn und Beton oder Backstein Wände welche die gespeicherte Sonne in der Nacht abgeben ist das letzte was man braucht in einer heissen Sommernacht. Der Hitze wegen dürften nur leichte und luftige Holzhäuser Sinn machen und Holz ist auch einfacher zu verarbeiten. Wieso sich also in einem quarry (Steinbruch) oder mit Beton mischen und ähnlichem abquälen.

Vor der Erfindung der Klimaanlage war Luftzirkulation das einzige was einigermassen Kühlung verschaffte. Das dürfte auch mit ein Indiz sein für etwas das im USA erklärt Blog beschrieben wurde. Amerikaner haben kein Problem mit Zugluft. Hier verspürt man, bedingt durch die Hitze, viel seltener das Verlangen die Löcher dicht zu halten. Last but not least, die Häuser nun besser zu isolieren, dh die Kälte zu speichern und die Hitze draussen zu halten ist erst seit der Erfindung und Verbreitung der Klimaanlagen möglich. Das wiederum ist natürlich mit Kosten verbundenen. Erst seit die Kosten für Strom am steigen sind macht dieser Mehraufwand mittlerweile Sinn aber selbst für viele ältere Häusen wird sich eine solche Renovierung nie wirklich rentabel rechnen und folglich verkaufen lassen.

Meine Gedanken dazu weshalb man hier vielerorts die Klimaanlage auch noch auf Extremkälte programmiert liefere ich beim nächsten Mal.

Kommentare:

Lisa Illichmann hat gesagt…

Having immigrated in the other direction, I suffer the terrible cold of Europe - and the lack of moving air, ... mach zu, es zieht.

The air conditioning mentality is, however, something I WILL NEVER MISS.
Long live heat.

Adrian hat gesagt…

Agreed, long live heat.

Show Me The Money!