Downtown Austin

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Sonntag, 16. September 2007

Who are you? Who who - who who

Da es sich Torsten kürzlich bei diesem ->Eintrag nicht verkneifen konnte mein anyways zu kommentieren will ich heute etwas Aufklärung dazu bieten. Und als erstes gleich vorneweg; er hat natürlich recht, richtig heisst es anyway.

Anyways!

Das frustrierende interessante wenn man Englisch (oder wahrscheinlich irgendwelche Sprache) lernt ist die Tatsache, dass "Eingeborene" in ihrer Muttersprache in keinster Art und Weise das Englisch sprechen welches man uU mühevoll in der Schule gelernt hat. Da gibt es erstens das was man schlechthin Dialekte nennt (als Schweizer weiss ich was damit gemeint ist), dann Redewendungen, Synonyme und dabei nicht zu vergessen das was man so schön idiomatisch nennt und dann Begriffe welche im angelsächsischen Raum unter dem Terminus informal oder colloquial (notabene für mein Verständnis schlecht zu vergleichen oder zu übersetzen mit umgangssprachlich) figurieren und je nach Umgebung auch zum Slang degradieren. Vor allem letztere drei Typen sind im Englischen für Nicht-Muttersprachler schwierig einzuschätzen. Als genereller Rat gilt die Finger (resp. das Mundwerk) davon zu lassen.

Irgendwann kommt man nicht darum herum und schnappt sich solche Floskeln auf und bindet sie in den Wortschatz ein - selbst wider besseren Wissens. Anyways gehört für mich dazu. Aus dem Standard Englisch ist mir zwar bewusst und bekannt das es anyway heisst und auch noch ein anyhow oder whatever gibt wenn ich so etwas ausdrucken will wie "Was/Wie auch immer" - mir doch egal! Bei whatever kann man sogar noch streiten ob es nicht in zwei Wörtern - what ever - geschrieben werden muss. Dann gäbe es noch however was wiederum immer zusammengeschrieben wird und nicht genau gleich zu verwenden ist. Ferner mit Vorsicht zu geniessen wie man in den Erläuterungen dazu im Wiki sieht. Dann sollte man noch die räumliche wherever (nicht whereever) und persönliche whoever Variante erwähnen.

Das anyways aufgeschnappt habe ich in meiner, sagen wir mal beruflichen, Umgebung denn hier höre ich selten bis gar nie anyway sondern immer anyways. Zu Beginn dachte ich noch es muss am Feintuning meiner Ohren liegen, dass ich noch ein S im Ohr nachklingeln höre aber immer öfter wurde klar das die hier alle anyways sagen. Also mal kurz im Wordreference Forum nachgeforscht und tatsächlich wurde das Thema schon einige Male erwähnt und in diesem Thread zusammengefasst. Da lernt man dann, dass es anyways schon sehr lange gibt aber halt eben von der Mehrheit nicht als Bestandteil des Standard English angesehen wird und, dass man darüber sogar sehr aufgeregt diskutieren kann wenn man wegen dem Gebrauch des Wortes sozial klassiert oder eingestuft wird. Eine Klassifizierung ist die regional Zuordnungen auf den Süden von Amerika - was auf Texas ja zutrifft. Aber eben nochmals zur Erinnerung die Regel als Nicht-Muttersprachler am besten die Finger von solchen Wörtern zu lassen selbst wenn man im Süden von Amerika unterwegs wäre.

Da Englisch eine Weltsprache ist, da auf der ganzen Welt gesprochen und deshalb auch beeinflusst (und verändert) wird, ergeben sich wohl verstärkt Fehler in der Anwendung welche im entsprechenden Umfeld als vollkommen normal angesehen werden aber ausserhalb davon klar als Fehler taxiert werden. Natürlich gibt es Beschützer der Sprache und Paul Brians von der Washington State University ist einer davon und nebst anyways hat er eine ganze Liste solcher Fehler aufgelistet. Wer sein Englisch möglichst "standard rein" halten will also diese Liste komplett auswendig lernen. Anywho!

Was in der Liste von Paul Brians noch fehlt, reihum als falsch bezeichnet wird aber man nichts desto trotz immer wieder hört ist anywho anstelle von anyhow. Das heisst selbst wenn es sich auf Sachen bezieht und nicht Personen was man ja noch knapp verstehen (akzeptieren ???) könnte. Soeben kürzlich habe ich es wieder gehört und zwar aus dem Munde von Dennis Miller und somit nicht irgend einem low grade idiot oder Immigranten wie mir der dauernd in die who versus how Falle tappt. Beim Sprechen habe ich damit eigentlich keine Problem aber wenn ich eines der beiden Wörter schreiben muss komme ich immer ins grübeln und benötige meine Eselsbrücke. Ich muss zur Hilfe an die Gruppe The Who denke.

Wie auch immer, ich bleibe hier im Süden beim anyways - muss mich ja irgendwann einmal anpassen selbst wenn ich den Texas drawl nie wirklich rein kriegen werde. Von anywho werde aber auch ich vorerst einmal die Finger lassen und hoffentlich auch nicht in voller Aufregung über meine Zunge rutschen lassen. Was immer!

Kommentare:

MollyB hat gesagt…

Kurzer Hinweise zu den Feinheiten von "anyway(s)": wenn Ihr Gegenueber "anyway(s)" sagt, bitte bitte NICHT papagei-maessig widerholen. "Anyway(s)" ist fast schon sich selbst herabw�rdigend, und dies zu widerholen beleidigt den, der es gesagt hat.

Mit 's' klingt fuer mich uebrigens ungewohnt, aber ich komme aus dem Norden.

Adrian hat gesagt…

Also mir persönlich käme es nicht in den Sinn das zu wiederholen da ich es anwende wie im Deutschen, da wäre das auch nicht üblich oder angebracht.

Meist ist der Ausspruch auch mit einem Seufzer und einer Pause verbunden bevor man mit einem anderen oder dem eigentlichen Thema weiterfährt.

Wie auch immer - anyways *sigh*!

Pendi hat gesagt…

Interessanter Beitrag!

Ich habe mir aufgrund exzessiven Sitcoms schauens (Scrubs, Simpsons, ... - auf englisch natürlich) einmal das "anywho" angewöhnt und dachte einfach, das ist in den Staaten umgangssprachlich das "anyway" -> egal ob das nun so ist oder nicht werde ich in Zukunft wohl wieder zum "anyway" wechseln. Man will ja nicht einem Amerikaner (oder noch schlimmer einem Briten) gegenüber dumm dastehen.

Adrian hat gesagt…

Als "Auslaender" hat man bei beiden eigentlich einen Bonus und steht in keinem Falle dumm da. Das kann nur dem "Einheimischen" passieren wenn er unter gebildete Artgenossen geraet. Allerdings wenn man als "Auslaender" sich irgendwann und irgendwo respekt verschaffen muss dann solle man diese Feinheiten eben schon kennen. Auch wenn uns durch Filme gewisse Woerter als "American Standard" eingetrichtert werden sind sie es im taeglichen - und vor allem beruflichen - Umgang nicht.

MollyB, Bloggerin hat gesagt…

@Pendi - glauben Sie wirklich, dass gebildete Amis weniger gut Englisch koennen als gebildete Briten es koennen?

Eine Bekannte aus England, die Anglistik studiert hatte, muesste als Uebersetzerin bei einem grossen Software-Unternehmen auf einmal U.S.-Grammatik erlernen. (Unsere Regeln fuer Zeichensetzung, Praepositionen usw. sind vielfaeltiger und strenger als die britischen Grammatik vorgibt.) Nach ihrer Einschaetzung ist es viel leichter, Britische Grammatik zu beherrschen. Vielleicht wird sie deswegen von deutschen Schulen bevorzugt.

Als "Auslaender" kann mann in jeder Sprache dumm da stehen, wenn man uebermaessig viel Umgangsprache verwendet aber die Grundsatze nicht beherrscht. Das ist mir unabsichtlich passiert, als ich in Frankreich Saetze aus Kanadischen Lieder verwendet hatte. Nach einer schlafloser Nacht hat mein Kommentar, "je viens de blanchir toute une nuit" hat meine Freundin so zum Lachen gebracht, dass sie beinah geweint hat. "J'ai passe' une nuit blanche" oder "j'ai fai nuit blanche" waeren ueblicher gewesen, dennoch nicht gerade gaengig.

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