Downtown Austin

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Sonntag, 2. September 2007

Zum letzten Indianer

Ich weiss nicht mehr um was es ging. Vor einigen Wochen hat jemand von der amerikanischen Regierung zu irgend etwas in der Welt seine Meinung kundgetan. Auf gut Deutsch sich eingemischt in die Angelegenheiten eines anderen Landes. Gelesen habe ich das irgendwo im Online Artikel einer Zeitung in der alten Heimat und natürlich hat ein Schlauberger seinen Kommentar dazu gehängt, ua (wieder einmal) mit der Bemerkung, dass sich die Amerikaner erst bei den Indianern entschuldigen sollten. Ich habe beim Monument Valley Indianer gesehen die Schmuck und andere Kunst verkauft haben. Und ich hatte geheult und mich innerlich entschuldigt. Aber ehrlich, ich verstehe nicht warum immer die Sprüche kommen, dass sich die Amerikaner entschuldigen müssten. Mir fehlt etwas die Basis dafür und die Geschichte unterstützt es auch nicht ganz. Interessanterweise gab es gerade kürzlich einen passenden Artikel mit Basiswissen dazu beim Autor.

Was bei dieser Anschuldigung immer schön vergessen wird ist, dass es Europäer waren die den amerikanischen Kontinent in Besitz nahmen und die Indianer verdrängten. Und so nebenbei nicht nur auf dem Gebiet was heute die USA sind. Ich stelle hier auch gleich eine Behauptung auf. Ohne die Unabhängigkeitserklärung gäbe es heute keine Indianer mehr. Den kolonialen Herrschern beziehungsweise deren fernen Regierungen wäre es total egal gewesen was mit den Ureinwohnern passiert wäre. Der neue Staatenbund und deren Verfassung hingegen ermöglichte es die Indianer vor der kompletten Ausrottung zu schützen. Ob und wie dies seit der Gründung der USA abgelaufen ist, ist sicher sehr umstritten und auch heute noch ein heisses Thema, dazu kann ich und will ich mich nicht äussern. Aber eben, ich denke Amerika als solches braucht sich nicht zu entschuldigen und es geschehen immer wieder Bemühungen das Verhältnis zu verbessern oder Fehler zu korrigieren. Und zwar nicht nur von der Regierung. Jüngstes Beispiel habe ich am Donnerstag in der lokalen Zeitung gelesen.

Am 1. September im College Football empfangen hier in Austin die Texas Longhorns der University of Texas das Team von Arkansas State. Letztere sind aber auch als die Indians bekannt und haben entsprechende Signaturen und Maskottchen so wie hier alles mit dem Longhorn betitelt und verziert ist. In dem Artikel vom Statesman steht nun allerdings geschrieben, dass davon nur noch der Name auf dem Scorebord zu lesen sein wird. Auch der wird demnächst verschwinden und durch einen neuen Namen ersetzt. Was ist passiert?

Ich hatte kürzlich die Sportaktivitäten der Schulen erläutert und was die NCAA dabei für eine Rolle spielt. Eben diese NCAA welche alle Championships überwacht und regelt hat sich 2001 über die Verwendung von Namen, Logos und Maskottchen Gedanken gemacht die mit indianischer Kultur in Verbindung stehen und welche einige Schulen für ihre Teams verwenden. Mitte 2005 hat man dann das ganze ausformuliert den Clubs vorgelegt und im August wurden die Guidelines (Richtlinien) ausgegeben. Bis 1. August 2008 sind die Schulen verpflichtet entsprechende Darstellungen oder Namen aus ihren Sportvereinen zu entfernen welche in NCAA Championships teilnehmen.

Die Ausnahme bestätigt natürlich auch hier die Regel. Schulen welche Referenzen zu oder mit einem entsprechenden Stamm haben können diese behalten sofern es deren Stammes Regierung bewilligt. Sofern man das so sagen darf, Pech haben alle wie zB Arkansas State die einfach Indian im Namen da es dafür keine Regierung gibt. Diese Option bleibt denen verwehrt. Sie können nur die Änderungen vornehmen - oder klagen. Das scheint aber einzig die University of North Dakota (Fighting Sioux) in Erwägung zu ziehen und will die Richtlinien gesetzlich anfechten. Ob sie damit Erfolg haben bezweifle ich mal, denn es steht jeder Schule frei sich der NCAA anzuschliessen. Werden in einem Verbund Gesetze geändert oder Richtlinien herausgegeben welche einstimmig angenommen wurden sollte das eigentlich unanfechtbar sein.

Übrigens die Longhorns haben das erste Spiel gestern 13:21 gewonnen gegen Arkansas State. Man beachte, dass Heimteam wird in Amerika immer an zweiter Stelle genannt und somit auch das Resultat. Schön nach dem Motto: "Das Team A ist zu Besuch bei Team B". In diesem Sinne finde ich es auch sehr schön und positiv, dass wir nun zum letzten Mal sagen mussten wir haben die Indianer besiegt.

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