Downtown Austin

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Mittwoch, 31. Oktober 2007

Gewöhnungssache - Feueralarm

Ein erstes Thema in der Reihe Gewöhnungssache. Weshalb ich mich an Feueralarm erst noch gewöhnen muss.

Im Moment ja noch aktuell kurz nach den Bränden in Southern California. And you know what they say; It never rains in Southern California (on YouTube). Feuer, eine der Naturgewalten und im täglichen Leben eines Amerikaners eigentlich immer präsent.

In der alten Heimat habe ich in manchem Haus gewohnt oder war zu Besuch und nur einmal kann ich mich erinnern Rauchmelder vorgefunden zu haben. Notabene ein Altbau. Hier in Amerika sind die Mistdinger von Rauchmelder und sehr oft auch gleich Sprinkleranlagen fixer Bestandteil in jedem Hotelzimmer, Wohnung oder auch Haus welches ich von ihnen gesehen habe. Es dürfte damit zu tun haben, dass die überwiegende Mehrzahl der Häuser eine tragende Konstruktion aus Holz haben. Eine Leichtbauweise mit Holzrahmen welche nachwievor sehr verbreitet ist. Bevor ich zu meinem pet peeve komme kurz meine Erklärung warum Kanadier, Australier und halt auch die Amerikaner ihre Häuser primär aus oder mit Holz bauen. Es hat wohl, nennen wir es mal so, mit Tradition zu tun.

Unter den ersten Siedlern gab es sicher solche welche Kenntnisse und die Fähigkeit hatten Häuser aus Steinen oder später auch Beton zu bauen. Was ihnen aber über lange Zeit fehlte waren die Rohstoffe, auch Zement wurde erst 1824 relativ später (wieder) erfunden und zwar in England. Das Rezept von den Römern und Ägyptern hatte man ja irgendwann verbummelt. Die Abbaugebiete in Nordamerika und auch Australien mussten alle erste noch entdeckt werden und lagen auch nicht immer direkt vor der Haustür. Nicht so Holz, speziell in Nordamerika. Schaut man sich Berichte der ersten Einwanderer an war das grösste Problem bei der Erschliessung und Erforschung im Osten die endlosen Wälder. Wood framing wie sich das nennt hat sich zum de facto Standard in der Hausbautechnik entwickelt und ist es somit, aus Tradition und Erfahrung, in diesen Ländern auch heute noch. Vor allem ist es einfach zu verarbeiten und die Gehäusekonstruktion steht meistens innerhalb einer Woche. Mittlerweile kommt Beton zwar vermehrt auch zum Einsatz, die Kostenvorteile liegen vor allem im kurzfristigen Vergleich aber, und das interessiert viele Eigenheimbesitzer, nachwievor beim Holzbau. Holz als Baustoff ist günstiger, erst die Pflege und der Schutz vor dem Verrotten macht Holzhäuser auf lange Sicht teurer. Wobei auch hier moderne Verfahren diesen Umstand wiederum korrigieren. Um nochmals den Schwung zu machen zum ersten Satz. In Kalifornien wird angeblich dem wood framing auch noch wegen den Erdbeben der Vorzug gegeben da die Holzkonstruktion mitschwingt und dadurch weniger Schäden an der Gebäudestatik entstehen. Riese in der Wand beschränken sich wohl auf den Verputz und werden wenn gewünscht überpinselt.

Und damit zu meinem pet peeve. Die ersten Monate habe ich in einem Extended Stay Hotel gelebt. Also ein Hotel extra konzipiert für Personen welche ein Hotelzimmer für einen längeren Zeitraum benötigen. Relativ günstig und mit einer kleinen Küche -- und eben einem Rauchmelder. Die Küche war ja gut und recht aber ein anständiges Stück Fleisch oder sonst etwas kochen respektive braten was qualmt war unmöglich. Obwohl der Dunst in der Bude mit dem Auge kaum wahrnehmbar war hat der Rauchmelder irgendwann doch losgeschlagen. Also Türe auf und durchlüften in der Hoffnung, dass der Alarm bald aufhört. Was er dann jeweils auch gemacht hat. Nach dem dritten Versuch hatte ich solche Kochversuche eingestellt.

Das war dann aber im Vergleich zum Feuer Hauptalarm kein Vergleich. Aktiviert jemand den Alarm auf dem Stockwerk von Hand entpuppt sich ein kleines Plastikgehäuse im Zimmer als Sirene. Einmal (als falscher Alarm) erlebt: penetrant laut!

In meiner jetzigen Wohnung habe ich natürlich auch wieder the whole shebang (den ganzen Kram). Unter dem sink (Spülbecken) in der Küche hat es sogar einen süssen kleinen Feuerlöscher. Ebenso in der Garagenbox. Und offensichtlich ist auch einmal jährlich Inspektion in der Siedlung angesagt. Letzte Woche hatte ich von der Verwaltung eine entsprechende Meldung erhalten, dass diese Woche Inspektion angesagt ist. Ob das nun feuerpolizeiliche, versicherungstechnische oder von der Verwaltung selbst auferlegte Pflicht ist, keine Ahnung. Mir eigentlich auch egal. Was in dem Fall etwas dümmer ist, ist der Umstand, dass ich Nachtschichtarbeit habe. Wenn die also mit dieser Inspektion kommen bin ich sehr wahrscheinlich am Schönheitsschlaf. Am Montag sind sie dann nicht gekommen was mir auch recht war. Am Dienstag habe ich einen Zettel an die Tür geklebt, dass sie erst nach 3pm kommen sollen. Um 2pm hat es dann an der Tür geklopft und ich bin im Bett aufgeschreckt. Einige weniger schöne Worte der englischen Sprache sind leise über meine Lippen gerutscht. Na wenigstens nur eine Stunde zu früh. "I'm coming!" 2 Minuten später war der Spuk auch schon vorbei. Der Zettel an der Tür war seltsamer weg und etwas später dachte ich auch noch komisch; Im Brief in welchem sie die Inspektion angekündigt haben war doch was von Alarm testen aufgeführt. Seltsam!

Heute Mittwoch während meinem schönsten und tiefsten Schlaf um 1:30 mittags folgte was ich gestern vermisste. Und nein nicht klopfen an der Tür um die kleinen Rauchmelder zu testen, der Hauptalarm, von aussen bedient, die Sirene welche ich vom Hotel her schon kannte. Ebenfalls gut getarnt hinter einem Plastikdeckel in der Zimmerdecke. Und ebenfalls penetrant laut. "I f#@%ing don't believe it!" Zweimal gute 20 Sekunden lang. Und 5 Minuten später als ich schon halbwegs wieder weg gedriftet bin in eine andere Welt nochmals 10 Sekunden Zugabe.

Ich habe ja nichts an der Bauweise auszusetzen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Rauchmelder Geschichte mittlerweile grundsätzlich Pflicht ist in den meisten Staaten. Egal was die Bausubstanz ist und zumindestens für Vermieter, Hotels etc. Und zugegeben, die Rauchmelder sind ein gute Sache, ehrlich. Werde ich in meinem zukünftigen Haus sicher haben. Aber die generelle Anwesenheit dieser Dinger hier in der Wohnung muss ich psychologisch doch erst irgendwie verarbeiten bis ich mich daran gewöhne. Vom Feueralarm ganz zu schweigen.

Nah wenigstens habe ich jetzt hoffentlich ein Jahr lang Ruhe bis zur nächsten Inspektion. Und bis dann vielleicht auch mein eigenes Heim. Da mache ich dann die Inspektion wann ich will -- hoffentlich.

Kommentare:

Bek hat gesagt…

Als wir unser Haus kauften wollte die Versicherung wissen, ob und wieviele Rauchmelder wir haben. Es ist anscheinend hier eine Versicherungssache. Es gibt spezielle Rauchmelder fuer die Kueche. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie unterschiedlich die funktionieren. Ich nehme an, dass sie vielleicht diesen Kuechendunst besser vertragen ohne gleich loszugehen.

Adrian hat gesagt…

Auf die Premium hat das sicher einen Einfluss. Und ja, bei den Rauchmelder gibt es unterschiedliche Varianten. Entweder nach Rauch oder Temperatur. Letzteres ist fuer die Kueche zu bevorzugen. In einem Mietverhaeltnis und speziell in einem Hotelzimmer mit Kueche hast man aber keine Auswahl.

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