Downtown Austin

Downtown Austin

Sonntag, 28. Oktober 2007

Rote Socken, eine Meile und ein Humidor

Und wie ich das in diesen Eintrag erklärt habe war schon wieder Besen Wetter angesagt. Die Boston Red Sox im Baseball in der World Series swept to their title -- sie haben sich zum Titel durchgebeselt. So erstaunlich und letztendlich aber überzeugend wie sie aus der Championship Serie gegen die Cleveland Indians einen 3:1 Rückstand umbogen, haben sie in der Best-of-7 Serie die Colorado Rockies kurzerhand mit 4:0 Siegen abgefertigt.

Entgegen dem amerikanischen Grundsatz The winner takes it all, was nicht nur so viel heisst wie "Der Gewinner kriegt alles" sondern im übertragenen Sinn vom Zweitplatzierten oder Verlierer spricht keine Sau, schauen wir etwas ins Detail von eben dem Verlierer -- den Colorado Rockies.

Die Colorado Rockies sind innerhalb der Major League Baseball ein relativ junges Team. Sie wurden erst 1991 gegründet und hatten in der Saison 1993 ihren ersten Auftritt in der Major League. Bevor sie in ihrem "eigenen" Stadion spielen konnten mussten sie im legendären Mile High Stadion spielen. Der Name bezieht sich auf die Höhenlage der Stadt Denver im Staate Colorado welche eine Meile über dem Meer liegt, das sind 1,609.334 Meter. Das Stadion war 1948 ursprünglich mit 17,000 Plätzen für Spiele in der Minor League gebaut worden. Dann kamen die Broncos mit Football dazu und über die Jahre wurde das Stadion umgebaut auf letztendlich 76,273 Plätze was den Rockies in den ersten beiden Jahren Zuschauerzahlen bescherte respektive ermöglichte welche bis heute in den Rekordbüchern der Major League stehen.

Zwei Jahre später war dann das eigene Stadion fertig gestellt und wie ihn Amerika üblich erwirbt sich eine Firma das Namensrecht und sponsort das Stadion und so nennt es sich Coors Field. In diesem Fall ist es die Coors Brewing Company, also eine Bierbrauerei welche durch das gleichnamige Bier bekannt ist. Coors Field hat nun nur noch Platz für etwas mehr als 50,000 Zuschauer gilt ansonsten aber als eines der grössten Stadion im Bezug auf das Spielfeld welches auf die Länge im sogenannten Outfield nicht speziell genormt ist. Bedingt durch die Höhenlage von Denver war man sich von Anfang an im klaren, dass Bälle aufgrund des geringeren Luftwiderstand weiter fliegen werden und hat daher die Begrenzung weiter entfernt gezogen. Trotzdem galt der Park als Homerun-friendly weil die trockene Luft in der Höhe wahrscheinlich noch weitere Vorteile verschafft. Das Leder der Bälle wenn sie trocken sind hat offensichtlich zwei weitere entscheidenden Unterschiede.

Der pitcher (Spieler der wirft) hat nicht so einen guten grip (Griff) was für ihn sehr wichtig ist. Würde der pitcher den Ball einfach nur pfeilgerade werfen wäre praktisch jeder Schuss ein Treffer auf das Holz eines batter (Spieler der schlägt) unter den Profis. Der pitcher versucht dem Ball Drall zu geben was den Ball in eine Kurve zwingt und den batter in den meisten Fällen wiederum zum Rätsel raten. Wegen des trockenen Leders hat der pitcher damit aber seine Probleme was zu mehr Treffern und konsequenterweise auch mehr Homeruns führt, also Bälle welche über die Feldbegrenzung hinaus fliegen.

Und wenn wir schon dabei sind erwähnen wir noch die Ausnahme von oder Gegenstück zu solchen Kurvenbällen, der fastball. Der darf pfeilgerade sein, denn er soll so schnell wie möglich sein, so dass der batter im Prinzip ins Leere schlägt oder sich sogar wundert wo der Ball geblieben ist. Der Trick oder die Kunst des pitchers ist eben so viel Varianten wie möglich zu haben und den batter immer im ungewissen zu lassen was ihn erwartet. Der fastball ist eigentlich ein Geschenk für einen Profi batter allerdings nur dann wenn er weiss wann er kommt. Ansonsten ist auch der in der Regel zu langsam. Auf folgender Wegpage kann man seine Reaktion beim fastball in einem Vergleich mit einem Mausklick testen.

Der andere Vorteil welcher bei trockenen Bällen vermutet wird ist die Energieumwandlung wenn der batter mit dem bat (Schläger) auf den Ball trifft. Feuchtes Leder, da weicher, absorbiert angeblich etwas Energie was letztendlich darin resultiert, dass der Ball etwas weniger weit fliegt. Oder im umgekehrten Fall für Denver weiter, ergo mehr Homeruns.

Um etwas realistischere Verhältnisse zu schaffen, besonders im Vergleich zu anderen Ballparks, haben die Verantwortlichen in Denver beschlossen einen Humidor im Stadion zu installieren. Beim Wort Humidor denkt manch einer richtig an Zigarren. Der Humidor soll Zigarren in einem angenehmen und reguliert feuchten Klima halten. Nichts anderes ist es nun mit den Bällen für Baseball nur das dieser Humidor mehr wie ein Kühlschrank aussieht welchen man in einem Restaurant findet, dh begehbar und mit Regalen. Da ein Ball nur für wenige pitches (Würfe) verwendet wird muss innerhalb eines Spieles eine ordentliche Anzahl Bälle zur Verfügung stehen und der Heimclub ist jeweils dafür verantwortlich diesen Vorrat zu halten.

Anfänglich war das mit dem Humidor fast ein Geheimnis und wurde sogleich von den gegnerischen Mannschaften als Betrug und Verfälschung der Verhältnisse betrachtet. Letzteres ist aus physikalischer Sicht sicher richtig aber letztendlich bleiben die Verhältnisse für alle Spieler gleich während des Spiels und soll eben auch die Verhältnisse zu den anderen Stadien ausgleichen. Im Prinzip geben sie damit sogar einen Vorteil auf. Mittlerweile haben einige Clubs auch solche Lagerräume und die Ligaverantwortlichen wollen eigentlich alle Clubs verpflichten solche Bedingungen zu schaffen.

Und damit wäre die Baseball Saison für diese Jahr beendet. See y'all next year at the ballbark!

Keine Kommentare:

Show Me The Money!