Downtown Austin

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Donnerstag, 15. November 2007

Ernüchternd

Manchmal gibt es in den Gesetzbüchern schon merkwürdige Paragraphen -- falsch; Paragraphen die unter bestimmten Umständen merkwürdige Vergehen produzieren oder jemanden zu einem Kriminellen machen. Ein kurioses Beispiel habe ich soeben in einem Rundblick durch nationale Nachrichten gefunden.

In der Umgebung von Nashville und Lynchburg in Staate Tennessee wurden in einigen Lagern um die 2,400 Flaschen Jack Daniel's Whiskey gefunden. Das Problem mit einem Grossteil dieser Flaschen ist, dass es mehrheitlich Flaschen sind welche nicht offiziell im Verkauf von Tennessee oder auch der USA zugelassen sind also für den Verkauf im Ausland bestimmt sind. Leider lassen alle Artikel die ich dazu gefunden habe offen wem das Lager gehört. Wenn das Lager keinem Händler gehört mit einer entsprechenden Lizenz gilt der ganze Bestand wegen den örtlichen Gesetzen als illegal und muss zerstört werden.

Ein Grossteil der Flaschen sind absolute Raritäten wie zB mehrere Jahrzehnte alt, die älteste angeblich aus 1914. Dann hat es Flaschen in Quantität und Form welche im regulären Handel in ganz Amerika nicht gestattet ist. Ein Verkauf wäre also ebenfalls illegal gewesen und diese Flaschen somit ein Gut das es zu konfiszieren gilt.

Ich bin mal gespannt wie sich das weiter entwickelt. Wenn die Lager einem Sammler gehören und er nun ernsthaft Probleme hat mit dem Gesetz deswegen wäre das schon etwas kurios und sprichwörtlich ernüchternd.

Da wir hier über das Gesetz von, mit und über Alkohol in Amerika reden, muss man das vielleicht auch noch etwas erklären. Ganz vereinfacht gesagt: es ist sehr, sehr, sehr vielseitig, vielschichtig und kompliziert. Es zeigt sich vor allem, dass Amerika hier -- wie in vielen Dingen überhaupt -- viel eher dem entspricht was die EU ist und nicht ein einzelner Staat in Europa. Die U.S. of A. sind ja auch die "Vereinigten Staaten". Wird oft vergessen. Washington, D.C. muss man eher mit Brüssel vergleichen als mit Zürich Bern, Berlin oder Wien. Oder Paris, Rom, London usw.

Zurück zum Alahol *hicks* -- Gesetz darüber.

Am Einfachsten war es von 1920-1933, das war die Zeit der Prohibition. Da war jeglicher Alkohol über 0,5% verboten in allen Staaten der USA aufgrund des 18. Zusatzartikel in der Verfassung. Der erwünschte Effekt ist ja bekanntermassen nicht eingetreten und noch viel Schlimmer, es wurde die Basis für die organisierte Kriminalität. Organisierte Banden entstanden welche die alkoholischen Getränke illegal herstellten und auch vertrieben. Der 21. Zusatzartikel welcher ausschliesslich zum Zwecke der Aufhebung des 18. Zusatzartikels geschaffen wurde vermochte zwar die Herstellung und den Verkauf in allen Staaten wieder zu legalisieren aber die organisierte Kriminalität blieb. Die Strukturen und Fundamente der organisierten Banden überlebten und sind ein Problem mit dem man heute in Amerika noch lebt und das wohl auch nie gelöst werden kann. Ein anderes, allerdings kleineres, Übel mit der Aufhebung der Prohibition gibt es auch noch. Sie hinterliess ein Vakuum. Die Regulierung über die Herstellung und den Vertrieb von Alkohol war de facto in Amerika nicht mehr existent und ging auf die Staaten, Bezirke und Städte über. Für alle eine neue Herausforderung und ein Start praktisch bei Null. Mittlerweile gibt es zwar wieder ein paar Richtlinien auf Bundesebene aber die sind eher minimal heutzutage. Die Mehrheit der Gesetze haben nur lokale Gültigkeit.

Wer in Amerika Alkohol konsumieren will muss sich folglich erst schlau machen in welcher Stadt er ist und was für Gesetze vor Ort herrschen. Nährboden für Gerüchte. Beispiele? Vielfach ist bekannt -- bzw wird sogar behauptet -- dass das Bier in Amerika dünn wie Wasser ist und man nicht betrunken wird. Die Aussage ist so komplett falsch und kommt daher, dass es tatsächlich einige Regionen gibt mit Bestimmungen wo der Verkauf von Bier den Wert von 3,2% in Gewicht oder Volumen nicht übersteigen darf. Man spricht dann hier von low-point beer. Richtig ist, beim Bier gibt es kein Reinheitsgebot. Dann wird oft noch behauptet, dass es Staaten gibt ohne Alkohol, Utah wird da zum Beispiel gerne immer wieder mal behauptet, was auch nicht stimmt. Auch falsch aber richtiger wäre Mississippi welches erst 1966 die Prohibition aufgehoben hat. Das es gar keinen Alkohol gibt gilt allerdings oft für ein County. Es gibt tatsächlich noch einige Staaten in welchen es eine grosse Anzahl dieser Counties hat in welchen die Herstellung oder der Verkauf nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen gestattet ist. Aber eben, das sind nicht ganze Staaten.

In Texas gibt es eine stattliche Anzahl solcher Counties. Allerdings darf man den Alkohol mitbringen wie man zB lesen kann beim Salt Lick Restaurant in Hays County. Lustigerweise ist auch Lynchburg, Tennessee wo die Destillerie von Jack Daniel's Whiskey beheimatet ist in so einem dry county. Auch wenn der Duft wohl dauernd in der Luft liegt, kaufen kann man ihn dort nirgends.

Und wenn ich schon dabei bin will ich noch ein weiteres Gerücht endlich mal aus der Welt schaffen welches sich immer hartnäckig hält. Jack Daniel's ist Tennessee Whiskey und kein Bourbon Whiskey. Bourbon darf zwar überall gebrannt werden unterliegt aber gesetzlichen Bestimmungen [1] und bezieht sich im übrigen vom Namen her auf Bourbon County und das liegt in Kentucky.

Dabei kommt mir in den Sinn. Seit ich hier bin habe ich noch keinen Tropfen Whiskey geschlürft. Ich muss mal in einen dieser Liquor Stores gehen und mir ein paar Fläschchen Liquor besorgen. Allerdings darf ich das nicht Sonntags. Die Herstellung und Verkauf von Alkohol in Texas ist geregelt durch die Texas Alcoholic Beverage Commission - TABC. Im Bezug auf den Vertrieb gibt es dazu noch ein weiteres Kuriosum welches nur in drei Staaten gilt, ua Texas - gibt es hier nachzulesen im Statesman: Alkoholverteilung

Prost!

1 Kommentar:

mog0 hat gesagt…

Hallo,
nach Besichtigung der Brennerei wird man zu einem kleinen Umtrunk eingeladen ...es gab dann Zitronenlimo!
Vor einigen Jahren habe ich in Lynchburg im Stadtpark oder Statepark oder sowas gezeltet. Dabei mit Freundin Büchsbier getrunken. Ein sehr höflicher uniformierter Mensch im Streifenwagen bat uns dann das Bier in Kaffeetassen zu gießen, sonst müsse er dienstlich werden....
Später kam er nochmals vorbei und lud uns ein abends bei ihm zu Haus (er wohnte innerhalb des Parks) doch einige Bierchen zu trinken. Er wäre eben außerhalb des Counties gewesen und hätte entsprechendes eingekauft. Haben wir dann gemacht, war ein netter Abend aber kurios ist diese Regelung schon.

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