Downtown Austin

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Dienstag, 6. November 2007

Harte Zeiten

Wie ich festgestellt habe, hat sich die Nachricht tatsächlich auch schon in Zeitungen in der alten Heimat verbreitet. In Amerika ist die Schreiber Gilde für TV Shows und Filme seit gestern Nacht in den Streik getreten. Offensichtlich sind die Schreiberlinge gut organisiert in einer Gewerkschaft und hatten einen Rahmenvertrag mit den Film und Fernsehstudios der nun ausgelaufen ist und erneuert werden soll. Da soll es im neuen Vertrag aber mit einigen Details etwas hapern. Man kann es sich leicht vorstellen, es geht ums liebe Geld.

Auf der Webpage von CNN.com haben sie sogar schon die Frage gestellt was denn ein Leben ohne TV wäre. Nun so weit müssen wir uns ja nun nicht fürchten. Erstens werden die Schreiberlinge irgendwann auch wieder arbeiten müssen oder wollen und umgekehrt die Produzenten wieder was senden. Auf die eine oder andere Art muss es also irgendwann zu einem Kompromiss kommen. Und dann haben wir ja noch Sport. Der kommt hoffentlich ohne Drehbuch aus. Und wenn dann wage ich mal zu behaupten, dass solche Autoren mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit nicht in einer Gewerkschaft Mitglied sind.

Was bedeutet das nun aber alles auf den Alltag eigentlich im amerikanischen Fernseh Haushalt, zB von mir. Nun, die erste Auswirkung habe ich schon heute erlebt. Da ich ja des Nachts arbeite habe ich mir heute Nachmittag die Aufzeichnung von der Tonight Show mit Jay Leno angeschaut welche am Montag ausgestrahlt wurde. Da hätte Tommy Lee Jones dabei sein sollen und auch Garth Brooks hätte seit langem wieder einmal einen Auftritt gehabt. Der Mega Country Star hat nach langer Abstinenz kürzlich ein Best of Album herausgebracht, The Ultimate Collection, mit drei neuen Songs plus 30 seiner grössten Hits. Was ich allerdings gesehen habe war Jerry Seinfeld, also eine Aufzeichnung von vor zirka zwei Wochen. Schon gesehen und kurzerhand gelöscht!

Warum ist diese Show so schnell betroffen? Bevor die Gäste zum Interview oder Auftritt kommen -- was eigentlich kein Drehbuch erfordert -- erfolgt der Monolog. Das sind lustige Sprüche, Anekdoten, Witze und zum Teil sogar kleine Sketche am Anfang der Show welche meist täglich frisch geschrieben werden aufgrund von aktuellen Ereignissen. Dummerweise werden solche Sprüche nicht von ihm persönlich ausgedacht sondern von eben solchen Autoren geschrieben und da auch die für den Mr. Leno in der Gilde Mitglied sind, haben auch die gestreikt, ergo keine Show. Ich werde mir also bis auf weiteres die Aufzeichnung dieser Show ersparen können oder sie einfach täglich am folgenden Tag löschen, so wie heute. Dafür wieder mal bei Late Night mit David Letterman reinschauen wäre von der Idee her eine sehr gute Alternative nur ... dem ergeht es gleich und zig anderen Shows die auf gleichem oder ähnlichem Konzept und somit Material basieren. Also, alle täglich frisch produzierten Shows sind mehr oder weniger per sofort eingestellt und die Sender werden in der Zwischenzeit mehrheitlich Shows von früher liefern. Mich schmerzt dabei nur der Jay -- und ich kann's verkraften.

Und nun zur wirklich schlechten Nachricht. Die meisten der idiotischen Reality Shows sind davon kaum betroffen da sie nicht nach Drehbuch arbeiten. Sonst wären sie wahrscheinlich auch kaum Reality Shows und was dummerweise damit sogar noch bewiesen wäre. Die grösste Angst ist nun, dass sie vermehrt auf solche Shows schwenken oder solche weiter auskosten, ausreizen. Vor allem schmerzhaft wenn es auf Kosten der TV Serien gehen würde.

Was die Serien anbelangt welche ich kürzlich mit dem Beginn der Fall Season erwähnt habe -- ja ich weiss ich sollte die 30 Minuten Serien noch nachliefern -- die haben noch eine Galgenfrist, da sie auf einige Wochen hinaus im voraus produziert sind. Die Christmas specials dürften allesamt schon im Kasten sein und auf dem Weg in den Schneideraum. Einige Studios vermelden, dass sie auch noch genug Drehbücher in der Schublade haben. Kritisch dürfte es für einige Serien somit ab Anfang nächsten Jahres werden. Allerdings habe ich letzte Woche bei einer der neuen Serien bereits eine erste Wiederholung vorgeführt bekommen. Wahrscheinlich beginnen sie schon früher damit und schieben so das ganze etwas in die Länge in dem sie neue Episoden und reruns, wie man Wiederholungen so schön nennt, mischen. Im Prinzip ist das nichts neues oder gar ungewöhnliches im amerikanischen Fernsehalltag. Solche hiatus (Unterbrüche) welche auch durch andere Umstände entstehen können werden seit langem und gerne mit reruns gefühlt. Und sie haben kaum eine andere Wahl. Je länger der Streik dauert je mehr wird anschliessend Material fehlen welches sie uU kaum innert nützlicher Frist gestellt bekommen oder auch gar nicht verarbeiten können. Für jede Woche die nun gestreikt wird dürfte somit in Zukunft eine Show in der Fortsetzung um eine Wochen nachrutschen und wir Zuschauer in der Lücke mit einem rerun geglückt werden welcher normalerweise am Ende der Saison folgt, ergo das Season finale wird weiter in den Sommer reinrutschen. Denke ich mal. Unter dem Strich wird sich also bis zum nächsten Sommer nicht viel ändern für uns amerikanische Zuschauer ausser, dass der Mix von neuen und alten Shows etwas mehr durchmischt wird. Ausser ...

Ausser der Streik dauert sehr lange. 1988 hatten sie bereits schon mal gestreikt und damals dauerte es ganze 22 Wochen bis zur Einigung. Aber wir wollen im Moment noch nicht auf das schlimmste hoffen, der Schreck mit den Reality Shows sitzt mir noch tief genug in den Knochen.

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