Downtown Austin

Downtown Austin

Mittwoch, 14. November 2007

A horse, a horse

Wer 'nur' als Tourist in die Vereinigten Staaten reist wird mit den Banken hier relativ wenig zu tun haben, auch nicht mit den Kreditkarten und schon gar nicht mit Checks und vor allem nicht der sogenannten Credit History über welche hier so mancher Neuankömmling sich wundert -- und ärgert. Allerdings nicht zu Recht aber die Perspektive eines frisch geborenen Immigranten in den ersten paar Monaten ist halt nun mal so.

Zum Thema Kreditkarten, Checks und Credit History gibt es heute keine Geschichten, Sorry! Es geht nur um Banken und ich gebe es offen und ehrlich zu: ich möchte die Zurückgebliebenen 'Daheimgebliebenen' mit den Gewohnheiten der Banken hier in Amerika etwas ärgern. Etwas zeigen, wie schön man es doch mit den Banken haben kann -- wenn sie nur wollen.

Hat man die erste Hürden überwunden um ein Konto bei einer Bank zu eröffnen und auch etwas mehr als nur gerade das Limit eingezahlt wird man vielleicht bald ein paar nette Sachen erfahren. Erstens hat man genug Auswahl an Banken die einem ein spesenfreies Checking Account anbieten - in der alten Heimat fast ein Ding der Unmöglichkeit. Das Checking Account ist das einfache Bankkonto, Kontokorrent oder Gehaltskonto, wie auch immer man das in der alten Heimat nennt. Bei den meisten Banken ist man zwar noch an ein oder zwei Bedingungen gebunden für die Spesenfreiheit aber wer nicht gerade mit dem sprichwörtlich letzten Dollar in der Tasche ausgewandert ist und auch über ein geregeltes Einkommen verfügt sollte mit diesen Bedingungen keine Probleme haben. Nebst dem Checking hat man üblicherweise noch das Savings Account, also das klassische Sparkonto und da sind die Zinsen hier um einiges höher* als in der alten Heimat.

Mit dem Checking Account verbunden kriegt man als Bankkarte eine sogenannte Debit Card. Obwohl meistens auch mit dem Signet von VISA oder MasterCard versehen ist es keine Credit Card (Kreditkarte) und ist wie erwähnt direkt mit dem Bankkonto verknüpft. Es kann daher dem verdutzten Touristen schon mal passieren, dass ein Verkäufer die Frage "debit or credit?" stellt. Der Tourist darf dann beruhigt und mit stolz gefüllter Brust das Wort "Credit" aussprechen. Aber zurück zum Thema. Diese Debit Card ist in der alten Heimat bekannt als EC-, Bancomat-, Maestro-Karte oder was es sonst noch für Namen dazu gibt. Es ist die Karte mit der man am Automaten Bargeld bezieht aber auch im Lebensmittelladen, an der Tankstelle, McDonald's oder sonstwo statt Bargeld die Karte swiped (durchzieht) und einen PIN Code eingibt. Am gleichen oder einem der folgenden Tage wird der Betrag direkt auf dem Bankkonto abgebucht. Ob man will oder nicht.

Ich merke schon, die grosse Spannung ist noch nicht im Raum. Das war nur etwas Basiswissen damit man versteht um was es im folgenden geht.

Im Herbst letzten Jahres hat meine Bank eine Aktion gestartet unter dem Titel "keep the change". Wer Englisch beherrscht weiss, dass man mit diesen Worten das Trinkgeld gibt bei gutem Service - "behalten Sie das Wechselgeld" auf gut Hochdeutsch. Meine Bank versprach mir, wenn ich bei dieser Aktion mitmache, dass jedesmal wenn ich die Debit Card benutze die Differenz bis auf den nächsten Dollar aufgerundet wird und dieser Betrag von meinem Checking auf mein Savings Account übertragen wird. Und nun kommt das kleine Hämmerchen an der Aktion. Während den ersten drei Monaten addiert die Bank 100%, dh verdoppelt den Betrag, und danach 5% bis zu einem Maximum von $250 jährlich. Ausbezahlt wird der Betrag einmal jährlich und das wäre der kleine Haken, man darf aber sollte die Kontos bei der Bank nicht vorzeitig kündigen. Der Bonus wäre ansonsten futsch.

In den ersten drei Monaten war ich ja nun wirklich versucht im Lebensmittelladen für jedes Produkt einzeln zu bezahlen oder den Einkauf auf mindestens drei Durchgänge auszudehnen. Also zuerst die Konserven Produkte einsammeln, bezahlen, im Auto verstauen und wieder reingehen. Frisch- und Molkereiprodukte einsammeln, bezahlen, im Auto verstauen und wieder reingehen. Wein, Bier und Chips einsammeln, "hey, yeah it's me again. I, ahm, forgot, ahm ...", bezahlen und nun schnell nach Hause fahren. Sehr wichtig, das Bier am Schluss denn hier wird das im Kühlregal gelagert und ist schon kalt und trinkfertig! Cheers!

So dreimal durch den Lebensmittelladen zu kurven war mir dann aber doch zu doof und ich habe mich während diesen ersten drei Monaten auf 4-5 mal pro Woche eingestellt statt 1-2 mal. Wenigstens! Beim Tanken tue ich dafür immer noch - oops - einen Cent über den nächsten Dollar tanken. 99 Cents von mir auf's Savings Account und 99 Cent von der Bank, booyah! Thank You! Also jetzt natürlich nur noch 5% aber das sind immerhin noch, ahm ... 5 Cents, genau. Seltsam, irgendwie wünschte ich mein Auto würde mehr saufen oder mein Weg zur Arbeit wäre länger.

Letzte Woche war das Jahr herum. Zahltag! Schon eine Woche früher hat man mir mit einem Email mitgeteilt, dass es nun bald so weit sei und mir dazu gratuliert das man mir demnächst $60.94 überweisen wird. Ich habe dieses Geld quasi im Schlaf verdient und ich war so glücklich, dass ich diese Bank gewählt habe. Welche andere bescheuerte Bank sonst verschenkt einfach so Geld an seine Kunden.

Aber wartet, es kommt noch besser!

Im Frühling ist mir ein Coupon einer anderen Bank zwischen die Finger gekommen. Wenn ich ein Checking Account bei ihnen eröffne und nicht innerhalb der ersten drei Monate schon wieder kündige bekomme ich $75. Und die Kontoführung ist kostenfrei wenn regelmässig Geld vom Arbeitgeber eingezahlt wird. Wunderbar, nichts leichter als das. Beim Arbeitgeber kann ich auf einer Webseite beliebig Konten angeben. Ich habe mir echt schon überlegt einen bestimmten Prozentsatz meines Einkommens für später zu sparen und auf ein separates Konto abzuzweigen. Also her damit.

Moment, es gibt noch mehr!

Diese zweite Bank hat mir ein paar Monate später eine Aktion vorgeschlagen. Wenn ich mindestens drei Zahlungen elektronisch mache bekomme ich $10 gutgeschrieben. No problem, guys! Statt wie üblich vom Konto meiner ersten Bank habe ich einfach drei Rechnung nun ab dieser zweiten Bank elektronisch bezahlt. Ka-ching und schon wieder klingelte es in der Kasse.

In der alten Heimat sind mir die Zinsen auf dem Konto durch die Spesen fast vollständig aufgefressen worden. Hier betreibe ich banking spesenfrei, kriege von Grund auf schon mehr Zinsen* und dazu noch $145.94 für - eigentlich nichts. Das diese Beträge auf dem Zinsreport erscheinen und ich bei den Steuern als Einkommen deklarieren muss trübt das ganze etwas aber hey, Don't look a gift horse in the mouth (Dem geschenkten Gaul schau man nicht ins Maul).

Happy banking everyone!

* Nachtrag 20.11.2007: Ich muss zu den Zinsen nachträglich noch feststellen, dass die Unterschiede doch nicht soo gewaltig sind. Ich habe mich etwas verwirren lassen und nun noch konkret nachgeprüft. Je nach Bank und Konto bewegt sich die Differenz maximal im Zehntel bis Viertel Prozent Bereich.

Keine Kommentare:

Show Me The Money!