Downtown Austin

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Mittwoch, 28. November 2007

Komische Zahlen

Für viele ist Amerika unter anderen auch das Land der komischen Zahlen. Da wird noch mit Füssen gemessen, dem Pfund gewogen und auch mit Fahrenheit die Temperatur gefühlt. Selbst mit der Zeit haben sie es etwas anders -- aber das hatten wir schon. Da ich im letzten Eintrag auf eine kleine Ungenauigkeit hingewiesen wurde ist es an der Zeit einen Ausflug in die amerikanische Zahlenwelt zu machen. Im konkreten Fall ging es um Fahrenheit und Celsius und damit auch im heutigen Eintrag.

Dank Internet und vor allem der Wikipedia ist es im Prinzip ein leichtes Spiel sich auf die schnelle zu solchen Themen ein Bild zu machen. Somit wäre dieser Blog eigentlich überflüssig aber zum Glück sind die Perspektiven etwas anders gelagert. Soll heissen der Unterschied bei der Suche in Google und Deutsch versus Englisch. Im deutschsprachigen Google findet man in diesem speziellen Bereich hauptsächlich Umrechnungstabellen von Fahrenheit zu Celsius und umgekehrt -- aber kaum Hintergrund Wissen.

Das Ergebnis in der englischen Suche sieht etwas anders aus. Da findet man zwar auch einige Umrechnungstabellen aber auch Webseiten wo Fahrenheit und Celsius mit ihrer Erfindung ordentlich erklärt werden plus einiges mehr. Um nur ein paar Beispiele zu liefern, hier die University of Alaska oder auch bei der NASA.

Bei allen Webseiten ist man sich einig, die Fahrenheit kommen von einem deutsch-stämmigen Physikus namens Gabriel Daniel Fahrenheit um 1714. Er wird auch als der Erfinder des Quecksilber Thermometers beschrieben. Andere Messgeräte existierten zwar schon früher aber waren mit Mängel behaftet welche das Quecksilber offensichtlich eliminierte. Wo die Meinungen etwas auseinander gehen ist bei der Ein- oder Zuteilung der Zahlen auf seinem Thermometer. Einigkeit herrscht noch bei Null Grad das auf dem Trick von Salz und Eis basiert, der endothermischen Reaktion. Salz in Wasser oder auch auf Eis senkt den Schmelzpunkt. Irgendwo ist damit aber Schluss und das Wasser gefriert vollständig oder umgekehrt beginnt zu schmelzen. Dieser Punkt war gemäss dem Herrn Fahrenheit der Punkt Null für seine Skala. Der nächste Punkt war der Schmelz oder Gefrierpunkt von normalem Wasser und ein weiterer Punkt die Körpertemperatur.

Auf sämtlichen Webseiten die ich gefunden habe werden diese weiteren Punkte mit dem Wert 32 resp. 96 angegeben. Keine Seite vermag aber zu erklären wie Herr Fahrenheit darauf kam. Schaut man sich die Zahlen jedoch etwas genauer an erkennt man schnell, dass 32 ein dreifaches von 96 ist und ich denke der gute Herr Fahrenheit hat auf seinem neu entwickelten Thermometer schnell realisiert, dass der Gefrierpunkt ein Drittel vom Nullpunkt entfernt ist. Ob genau oder nur annähernd sei dahingestellt. Unterteilt man nun die Spanne zwischen jenem Null Punkt und diesem oberen Punkt wird dieser Fixpunkt von einem 1/3 durch sukzessives Halbieren in weitere Einheiten unwillkürlich zu einem Bruch oder Verhältnis von 32 zu 96.

Nur wenige Jahre nach Fahrenheit kam der Schwede Anders Celsius mit seiner Tabelle welche den normalen Gefrierpunkt von Wasser auf Null setzte und den Siedepunkt davon auf Hundert. Ein Jahrhundert später kam dann noch William Thomson, auch bekannt als Lord Kelvin, welcher herausfand, dass Kälte nicht unendlich ist und es einen absoluten Nullpunkt gibt. Seine Skala geht daher von diesem Punkt aus und das erlaubt folglich auch keine Minuswerte. Kelvin definiert gegenüber Celsius nur den Nullpunkt anders und benutzt notabene die gleichen Schritte wie Celsius. Folglich muss man nur die Differenz von 273.15 dazu oder weg rechnen. Bei Fahrenheit ist das nicht ganz so einfach.

Kurz nach dem Ableben von Fahrenheit und Celsius hat man den Siedepunkt von Wasser und den 100 °C auf 212 °F festgelegt. Ob es wirklich für die einfachere Umrechnung geschehen ist steht irgendwo in den Sternen aber es resultiert letztendlich in der Tatsache, dass wir somit zwischen Gefrierpunkt (0-32) und Siedepunkt (100-212) gegenüber den 100 Grad in Celsius eine Differenz von 180 Grad bei Fahrenheit haben. Oder anders ausgedrückt als Bruch 100/180, gekürzt sind das 5/9.

Es wäre nun relativ einfach, wenn man sich merken könnte, dass 5 °C immer 9 °F entspricht im Unterschied. Leider nützt dies dem normalen Touristen in Amerika relativ wenig den er erhält Angaben in Fahrenheit und wenn der Wetterbericht 86 °F oder auch 10 Grad weniger verspricht, was heisst das? Eigentlich einfach das umgekehrte, dass eine Differenz von 9 °F immer auch 5 °C mehr oder weniger sind. Man muss das dann halt etwas aufrunden auf 10 °F zu 5.56 °C oder noch besser mit 20 °F immer auch 11.1 °C.

Oder macht es wie ich, vergesst die Umrechnerei und nebst den harten Fakten merkt euch das was ihr fühlt.
  • Hard fact ist: 32 °F ist der Gefrierpunkt. Alles darunter ist Eis und de facto kalt. Da ich darunter eh kaum einen Unterschied mehr fühle ist eine weitere Definition oder Unterteilung zwecklos. Wer in Regionen lebt wo es oft darunter liegt soll sich mit Kelvin abmühen. Da gibt es nie Minuswerte -- Positiv denken nennt sich das.
  • Unter 40 °F sind dringend Handschuhe anzuraten im Freien.
  • Unter 50 °F ist dringend ein Sweatshirt und eine wärmende Jacke zu tragen im Freien. Bei starkem Wind unbedingt für winddichte Verhältnisse sorgen.
  • Weiterer Hard fact hier: 50 °F sind exakt 10 °C
    ( [50 - 32 = 18] -> [18 : 9 = 2] -> [2 x 5 = 10] )
  • Unter 60 °F ist ein T-Shirt unter einer Jacke allenfalls nicht genug, vor allem wenn es windet.
  • Zwischen den 60 und 70 °F haben wir eine Grauzone und wechseln im folgenden im Bereich von unter auf über.
  • Sind wir über 70 °F wird es langsam angenehm. Im Wohnzimmer kann man auch schon mal barfüssig oder im T-Shirt umher wandeln und es sich vor dem Fernseher bequem machen. Beim Autofahren mit offenem Fenster oder convertible (Cabriolet) (vor allem in den ersten Frühlingstagen) sollte man doch noch eine Jacke, Schal oder ähnliches in Erwägung ziehen -- es ist die gefährliche Zeit wo eine Erkältungen in der Luft liegt.
  • Interessant wird es über 80 °F denn da können wir langsam alle Hemmungen und Kleider fallen lassen. Shorts, T-Shirt und Slipper sind die optimale Bekleidung. In den Wohnräumen muss dringendst die Air Conditioning in Betrieb genommen werden und Cabriolet Fahrer welche das Dach nicht herunter geklappt haben werden mit Schmähblicken bestraft.
  • Steigt das Thermometer über 90 °F beginnt sich die Bevölkerung klar in zwei Gruppen zu spalten. Die Gruppe A findet es einfach nur awesome (grossartig/stark/toll/geil), Gruppe B kann nicht verstehen was daran awesome sein soll. Ich finde es definitiv awesome.
  • Hard fact: Bei 96 °F haben wir bekanntermassen die Körpertemperatur erreicht wobei die gemäss Definition für den Siedepunkt korrigiert werden musste auf 98.6 °F was wiederum genau 37 °C entspricht. Wer solche Temperaturen in seinem Wohnzimmer vorfindet hat definitiv ein grosses Problem. Was die Temperatur im Freien angelangt beginnt nun auch Gruppe A welche es bis hierhin noch awesome fand es als warm (warm) zu bezeichnen. Währenddessen befindet sich Gruppe B schon längst dort wo sich nun auch Gruppe A hin sehnt, in den Schatten oder einem Raum mit Klimaanlage und auf 65 °F herunter gekühlt. Letzteres wiederum bringt die tourists (Touristen) aus der alten Heimat vollends aus der Fassung den das sind 18.33 Grad in Celsius.
  • Bleibt noch über 100 °F. Gruppe A findet es langsam aber sicher auch hot (heiss). Gruppe B stösst das letzte Gebet zum Himmel und beginnt auch sonst wirres Zeugs zu reden.

  • Last but not least noch ...
  • ... ein Hard fact: Ideale Temperatur für Bier ist 38 °F!
Damit solltet ihr nun wissen was ich fühlte als das Thermometer heute morgen bei mir draussen nur 42 °F anzeigt. Es war viiiel zu kalt und die Handschuhe lagen griffbereit.

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