Downtown Austin

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Donnerstag, 29. November 2007

Tamales

Lasst mich raten: 99% aller Leser haben aufgrund des Titels keine Ahnung um was es hier gleich gehen wird. Die 1% die wissen um was es in etwa geht waren wohl kürzlich in Zentralamerika (oder halt Texas) und sind nun über eine Suche im Internet auf diesen Eintrag gestossen. Aber eben, der Grossteil wird sich fragen: "Was zum Geier ist oder sind Tamales?

Well, wie immer kann man es sich leicht machen und das Wort in eine Internet Suchmaschine eintippen und gespannt auf das Resultat warten. Zu meiner Überraschung gibt es tatsächlich eine grössere Anzahl deutschsprachiger Webseiten zum Thema Tamales. Und hiermit ein Ergebnis mehr.

Vor etwa einem halben Jahr hat mich ein Mitarbeiter gefragt ob ich tamales will. Da die Frage in eher freundlichem Ton gestellt wurde durfte ich annehmen, dass damit nichts gewalttätiges verbunden ist und da er aus dem Aufenthaltsraum mit der Küche kam, dass es wohl eher etwas mit Ernährung zu tun hat. Richtig, es ist was zum essen und ich muss sagen die Dinger sind unheimlich gut.

Tamal oder Tamale ist ein Gericht welches die Inkas, Mayas und Azteken schon seit mehreren Jahrtausenden kannten. Es existiert daher auch unter anderem Namen in anderen Ländern und auch die Zubereitungsarten sind höchst unterschiedlich. Gemeinsam ist allen, dass ein Teig auf ein Blatt gestrichen wird und darin eine Füllung gerollt wird. Anschliessend werden diese Rollen im Dutzend und mehr über Wasserdampf gekocht.

Die tamales wie sie in Mexiko bekannt sind und daher durch deren Einwanderer speziell im Süden der USA, sind masa (Maisteig) in einem corn husk (Maishülse/-blatt). Andere Länder kennen noch andere Varianten mit Kartoffelbrei oder Blättern von Bananen oder anderen Pflanzen. Das Wort tamal/tamale kommt von tamalli und stammt aus Nahuatl, der Sprache der Azteken. In die masa mit der husk eingewickelt gibt es als Füllung Fleisch oder andere Zutaten wie es einem die Lust dazu beliebt. Traditionell oder eher konventionell aber Fleisch und offensichtlich mehrheitlich vom Schwein und Huhn. Ich bevorzuge und geniesse im Moment aber auch gerade tamales mit Rind. Lecker!

Bevor wir da noch etwas weitermachen etwas anderes was einige interessieren oder sogar überraschen dürfte.

Mais war bis zur Entdeckung Amerikas in Europa unbekannt und ist bekanntermassen ein Produkt das man vor allem auf dem ganzen amerikanischen Kontinent in vielfältiger Anwendung vorfindet. Warum man sich in Europa davon distanziert gleich etwas später. Im Amerikanischen steht das Wort corn, was auch im Englischen eigentlich Korn bedeutet, synonym für das was im Deutschen spezifisch der Mais ist. Man denke nur an Popcorn. Die Engländer nannten das Korn ursprünglich indian corn, also das Korn der Indianer. Da man im Englischen so gerne vereinfacht und abkürzt wurde daraus wenig später einfach nur corn. Die Spanier wiederum übernahmen ein Wort aus der Sprache der Arawak was uns letztendlich im Deutschen den Mais bescherte.

Schon sehr früh also haben die Urvölker in Zentralamerika begonnen den Mais zu verarbeiten. Der Mais für das masa wird speziell zubereitet oder man muss dazu speziell verarbeitetes Maismehl kaufen. Man findet daher in den Rezepten auch die Bezeichnung masa nixtamalera für nixtamalization. Nixtamalization etwas vereinfacht erklärt ist die Verarbeitung des Korns ohne die Schale. Die Schale wird in einem speziellen Verfahren vom Kern gelöst und danach verarbeitet oder auch gemahlen. Die Urvölker tränkten die Körner in Wasser mit Kalk oder auch Asche gemischt. Die ganze Prozedur hat vor allem auch einen sehr wichtigen, nämlich gesundheitlichen Aspekt. Mais hat im Prinzip keinen grossen Nährwert und das spezielle Verfahren ersetzt fehlende Aminosäuren. Dieses Wissen war in Europa lange nicht bekannt und hat letztendlich auch dazu geführt, dass Mais in der alten Heimat kaum verarbeitet wird und auf dem Speiseplan steht.

Die tamales gibt es hier in Texas in den meisten Restaurants mit Tex-Mex Flair oder ich zB kriege sie in meinem grocery store (Lebensmittelladen) schön Vakuum verpackt und so fast zwei Monate im Kühlschrank haltbar. Ein paar Schlitze in die Verpackung und nach drei Minuten in der Mikrowelle hat man ein ganzes Dutzend herrlich duftender tamales vor sich. Die tamales löst man aus der husk und geniesst sie wie sie sind oder mit einer scharfen salsa. Kürzlich habe ich im Regal einen Beutel gesehen und gekauft mit den Basiszutaten um sie von Grund auf selbst herzustellen. Es ist zwar insgesamt sehr zeitintensiv soll aber die Mühe wert sein. Man stellt daher auch gleich eine grosse Anzahl her. Den Rest kann man dann offensichtlich problemlos einfrieren und kurz im Dampf erwärmen und geniessen.

Mal schauen ob es mir gelingt und wie das Resultat ist. Dann kann ich hier einen Rezepte-Blog starten mit typischen Gerichten aus den Süd-Staaten.

Eine der Ressourcen die ich konsultiert habe für all die Angaben hier ist die Webseite Tamales. Wenn man sich die URL anschaut ist sie Teil der Website Son of the South welche interessanterweise sehr dediziert zum Thema American Civil War (amerikanischer Bürgerkrieg 1861-1865) informiert. Das werde ich unbedingt zu einem späteren Zeitpunkt mal durchforsten müssen und dann vielleicht sogar eine kleine Serie dazu in meinem Blog schreiben. Wir werden sehen! Nebst Tamales ist auf alle Fälle mehr Stoff für meinen Blog vorhanden.

Kommentare:

nick_xyz hat gesagt…

mmmm, tasty.. besonders wenn die corn husk nicht zu 'laetschig' ist.. man kann natuerlich auf waehlen, sie nicht zu essen...

Adrian hat gesagt…

Ehm, versteh ich das richtig, du isst die husk? Wo hast du das so gelernt? Fuer mein Verstaendnis dient die Schale eigentlich nur um das ganze zusammenzuhalten. Ohne die Schalen waere das ganze Gericht so wie es ist nicht machbar.

Zur Sicherheit hab ich noch mit google nach "tamales eat hust" gesucht und da wird durchwegs auch davon abgeraten.

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