Downtown Austin

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Freitag, 7. Dezember 2007

Donner und Blitz

Wir haben noch drei Rätsel zu lösen im Bezug auf Santa Claus habe ich erfahren.

Ein jedes Kind in Amerika kennt die Namen der Rentiere welche den Schlitten ziehen von Santa Claus und irgendwo taucht auch immer wieder einmal die bessere Hälfte von Mister Claus auf -- nämlich Mrs. Claus. Und dann noch die guten Elfen. Ich bin bei der Recherche zwar über diese Information gestolpert habe sie aber anfänglich für nicht wichtig empfunden. Vor allem hätte es den letzten Beitrag noch mehr aufgebläht. Da die Frage gestellt wurde mache ich hiermit einen neuen Eintrag und liefere die Information nach. Ich habe mich dazu sogar noch etwas mehr ins Detail gestürzt als das ich dies zuvor gemacht hätte. Seit ihr alle schon ganz gespannt? Also los!

Zuerst die Rentiere
Im letzten Beitrag hatte ich schon erwähnt, dass das Bild von Santa Claus bereits früh in den Anfangsjahren von 1800 geprägt wurde durch poems (Gedichte) und andere literarische Werke in Amerika. So ging es auch mit den Rentieren. Über die genau Herkunft und einige andere Dinge gibt es allerdings kleine Kontroversen. Wie immer wenn etwas in der Vergangenheit nicht sorgfältig dokumentiert wurde.

In einer Zeitung namens Troy Sentinel - Troy ist eine Stadt im Bundesstaat New York - wurde am 23. Dezember 1823 ein besonderes poem erstmals veröffentlicht. Das Gedicht wurde in der Folge von vielen weiteren Zeitungen zu Weihnachten veröffentlicht und ist der Anfang für alles was man in Amerika unter Santa Claus heutzutage versteht. Allerdings ist im Gedicht noch von St. Nick die Rede und nicht Santa. Das Gedicht ist einerseits unter dem Titel Account of a Visit from St. Nicholas (Die Erzählung eines Besuches von St. Nikolaus), einer Kürzung davon A Visit from St. Nicholas (Ein Besuch von St. Nikolaus), noch einem Titel The Night Before Christmas (Die Nacht vor Weihnachten) sowie auch dem Anfangssatz 'Twas the night before Christmas ('Swar die Zeit vor Weihnachten) bekannt. Man beachte im letzten die Schreibform 'Twas für it was. Zur Weihnachtszeit sieht man hier auch überall den Spruch 'Tis the season -- 'tis als Abkürzung für it is.

Was dem Gedicht fehlte und eine Kontroverse auslöste war die Nennung des Autors, nicht nur in der ersten Auflage sondern auch in den vielen weiteren Veröffentlichungen. Bis heute hält sich der Glaube, dass das Gedicht von Clement Clarke Moore stammt -- einem Autor von weiteren Gedichten welcher 1863 verstarb -- den er soll sich erst ca. 20 Jahre nach dem ersten Erscheinen 'geoutet' haben. Einige Jahre später haben sich aber die Nachfahren eines anderen Autors gemeldet und die Urheberschaft angezweifelt. Der Streit dauert eigentlich noch bis heute. So wurde es im Jahre 2000 durch den Englisch Professor, Don Foster, in Zweifel gestellt; wie man ua in der New York Times nachlesen kann.

Der wahre Autor des Gedichtes soll nun Henry Livingston, Jr. sein, ein eher privater Autor von Gedichten. Er verstarb 1828 also kurz nach der Veröffentlichung aber einige Jahre bevor Moore die Urheberschaft an sich nahm und damit konnte er nicht Stellung dazu nehmen. Eine seiner Nachfahren, Mary S. van Deusen, nimmt nachwievor angestrengt an diesem Streit teil -- mit eigens dazu erstellter Website. Wozu frage ich mich, denn auf solch alten Texten ist meines Wissens das Urheberrecht eh schon längst verfallen. Wahrscheinlich geht's um eine Ehre. Anyways! Wir sind ja wegen den Rentieren hier.

Auf der Website von dieser Frau van Deusen ist ein interessanter Link und man findet Informationen zu den Namen der Rentiere. Denn da gibt es auch ein paar kuriose Entwicklungen. Die Namen in der Erstausgabe findet man in folgendem Reim:
Now! Dasher, now! Dancer, now! Prancer, and Vixen,
On! Comet, on! Cupid, on! Dunder and Blixem;
Die Namen waren also Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Dunder und Blixem. Die beiden letzten hatten es etwas schwer. Sie wurden in vielen Abdrucken geändert bis sogar in die deutschen Namen Donner und Blitzen was exakt die Bedeutung von Dunder und Blixem ist, allerdings im Holländischen. Hier haben wir nun nicht nur den Bogen zum Ursprung des Santa Claus bei den Holländern und ihrem "Sinterklaas" gespannt sondern auch im Bezug auf den Urheberrechtsstreit ein faszinierendes Detail. Livingston war zur Hälfte Holländer; jedoch nicht Moore. Aber lassen wir das, wer noch mehr lesen will dazu hier ein Link mit sehr detaillierten Angaben.

Wer nun noch ruft, "Halt, da war doch noch Rudolph!" -- genau, hier kommt er. Es gibt noch ein neuntes Rentier im Gespann allerdings kam dieses mehr als ein Jahrhundert später dazu. Robert L. May schrieb eine Geschichte für seinen Arbeitgeber (das heisst natürlich Werbung; also nichts unmoralisches). Diese Firma, Montgomery Ward, hat alljährlich zur Weihnachtszeit ein coloring book (Malbuch) an die Kunden für ihre Kinder abgegeben. May erfand für die Geschichte ein neuntes Rentier an der Spitze des Gespanns mit einer roten blinkenden Nase, namens Rudolph. Dieses Buch wurde ein riesiger Erfolg und über die Jahre wurde aus der Geschichte nebst dem Malbuch alles mögliche produziert. Im Fernsehen gibt es bei CBS eine animierte Serie und die preisen es als The Longest-Running Holiday Special (seit 1964) an und flimmerte dieses Jahr am 4.12. über den Bildschirm.

Die bessere Hälfte
Nun also noch zu Mrs. Claus. Da gibt es relativ wenig zu erzählen, als dass sie in der einen oder anderen Form immer wieder einmal in einer Geschichte oder Erzählung auftaucht genau so wie es dem jeweiligen Geschichten Erzähler beliebt. Richtig Fuss gefasst hat sie aber eigentlich nicht. Die erste Erwähnung geht in allen Angaben aus von Katherine Lee Bates welche ein Buch mit dem Titel Sunshine and other Verses for Children, 1890 veröffentlichte und darin die Goody Santa Claus erwähnte. Goody steht hier als Kurzform des archaischen Wortes goodwife was notgedrungen langatmig etwa mit 'die gute Frau des Hauses' übersetzt werden muss.

Die Elfen
Die Elfen sind ja sonst schon ein sehr besonderes Volk und in anderen Geschichten vertreten. Im Falle von Santa Claus gehen sie angeblich auf den Karikaturisten Thomas Nast und seine Zeichnungen ab 1863 zurück. Über den habe ich im letzten Eintrag schon berichtet.

The Santa Claus
Und da wir gerade bei Übersetzungsproblemen waren zum Abschluss noch ein kleines sprachliches Detail zum Santa Claus welches mir quasi als Abfallprodukt bei der Recherche eingefallen ist.

1994 kam der Film The Santa Claus (Deutscher Titel: Santa Claus, Eine schöne Bescherung) in die Kinos, mit Tim Allen, bekannt aus der Comedy Serie, Home Improvement (Deutscher Titel: Hör mal wer da hämmert) . Wirklich eine schöne Bescherung kann man dazu nur sagen. Das Wort claus hat neben dem Klaus auch noch die Bedeutung Klausel im Englischen. Richtigerweise wird die Klausel zwar als clause geschrieben, den Angelsachsen ist das aber nicht so relevant um die Mehrdeutigkeiten zu verstehen -- daher haben sie ja auch die Knock, Knock Jokes. Der Titel im Englischen hat also zwei Bedeutungen; a) "Der Santa Klaus" und b) "Die Santa Klausel". Um das ging es ja auch im Film, dass der gute Mann das fine print oder small print (Kleingedruckte) auf der Karte nicht berücksichtigt hat. Immer schade wenn solche Wort Spielereien in der Übersetzung verloren gehen. In diesem Fall notgedrungen denn die Mehrdeutigkeit funktioniert nicht gleich elegant im Deutschen. Dies also unter dem Aufhänger: Übersetzung ist Glücksache. In doppeltem Sinne ;-)

Weitere Literatur:
American Christmas Origins

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