Downtown Austin

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Mittwoch, 23. Januar 2008

Fäustling gesucht

Es ist mittlerweile bitter kalt und schlecht geworden das Wetter -- auch in Central Texas. Seit einer Woche steigen die Temperaturen kaum noch über 50 °F (10 °C) und mit Ausnahme vom Wochenende ist es dauernd grau und nieselig, was man hier als drizzly, von drizzle, bezeichnet oder in der ganzen feinen Variante als misty, von mist. Ich fühle mich schon ganz mies und deprimiert -- sogar etwas kränklich. Ich kann mir kaum vorstellen wie ich das früher in der alten Heimat monatelang erdulden konnte -- musste.

Dann ist mir hier auch ein wettertechnisches Phänomen aufgefallen. Ich habe das schon im letzten Winter festgestellt und glaube einmal im Sommer, dass die Wolkendecke irgendwie 0 inches (=0 Zentimeter), 0 feet (=0 Dezimeter) oder 0 yards (=0 Meter) wie man will über dem Land hängt. Die Meteorologen sprechen hier dann zwar von fog (Nebel) aber fog mit Null Sicht wie in der alten Heimat haben die im Herzen von Texas wohl noch nie wirklich gesehen und erlebt.

Wer in den Alpen schon mal so mitten in einer Wolke war versteht etwa was ich meine. Und eben, Nebel ist was anderes. Die Sicht in einer Wolke ist nicht so eingeschränkt wie im Nebel aber die Feuchtigkeit trotzdem ungleich höher. Wen ich die Hand ausgestreckt habe fühlte ich eigentlich keinen Regen aber trotzdem wurde alles nass. Wenn gleichzeitig Wind weht fühlt man die Feuchtigkeit im Gesicht. Beim Auto fahren muss man permanent die Wischer sausen lassen. Steht man am Rotlicht sieht man keine Tropfen auf die Windschutzscheibe fallen, nichtsdestotrotz wird die Sicht merklich trübe. Das hatten wir die letzten zwei Tage. Heute war es einfach grau und kalt. Morgen soll zur Abwechslung heftiger Wind kommen.

Wenn Kälte und Wind zusammenkommen sprechen die Meteo Leute wieder gerne vom wind chill factor (Wind Kühlung Effekt). Was man so auf der baren Haut fühlt weil der Wind die eigene schützende Körperwärme wegpustet. Wer bei dem Wetter nackig draussen steht ist wahrscheinlich nicht selber Schuld aber es ist sicher nicht die Regel. Selber Schuld jedoch wer vergisst sich Schutz für Kopf und Hände zu besorgen oder mitzunehmen.

Was im Deutschen die gestrickte Mütze ist bezeichnet man hier als beanie oder vereinzelt auch skully, letzteres wohl eine Abkürzung für skull cap (skull=Schädel). Der Begriff beanie soll sich angeblich von bean (Bohne) ableiten, eine umgangssprachliche Bezeichnung für den Kopf -- im Deutschen kennen wir Obst, die Birne. Meine AC/DC beanie ist in den letzten Tagen ein treuer Begleiter draussen. Hält die Ohren schön warm.

Wer seine Hände schützen will und keine Handschuhe mitgenommen hat muss im Kaufhaus nach gloves fragen, also nicht 'hand shoes' oder ähnliche Wortgebilde erfinden. Ein Handschuh in welchem die Finger zusammen sind, den man im Deutschen gerne Fäustling nennt und wie man ihn zB in der Küche für den oven (Ofen) findet ist ein mitt, eine sehr gebräuchliche Kurzform von mitten. Der Fäustling in der Küche wird notabene auch oven mitt genannt. Der Boxer nennt seinen Handschuh wieder trotzdem einen boxing glove obwohl es per Definition ein mitt ist.

Apropos gloves und darum bin ich überhaupt etwas auf diesen ganzen Eintrag gekommen ist ein Fundstück im Internet -- im sprichwörtlichen Sinne sogar. Man staunt manchmal was man alles im Internet für websites findet.

Die Website One cold Hand? hilft verloren gegangenen Handschuhen ihren Besitzer wieder zu finden. Soweit ich das sehe aber nicht umgekehrt. Wer einen oder wohl besser ein Paar Handschuhe findet kann ein Bild emailen, die Handschuhe an eine Adresse schicken oder die Handschuhe in dafür vorgesehenen Boxen in der Stadt einwerfen. Ein Bild der Handschuhe wird dann online gestellt und der Besitzer kann sich melden. Angeblich gab es bereits eine Wiedervereinigung. Diese Website widmet sich allerdings nur den Objekten in der Stadt Pittsburgh im Staat Pennsylvania. Weitere Seiten gibt es mittlerweile gemäss den Links für New York City, Denver und bald, man staune, 'Milano in bella Italia'.

Wenn es hier in Austin länger kalt wäre würde dafür sicher ein Bedarf bestehen. Dann würde ich doch eine website dafür glatt aufmachen und diese Verantwortung übernehmen. Oder nein doch nicht, denn wenn es so viel länger kalt würde hier täte ich eher wo anders hinziehen. Ich brauche Wärme und kein Zimmer voller stinkender gloves and mittens die doch niemand zurück will.

Ich hoffe auf Sonntag, da gibt es wieder 70 Grad Fahrenheit.

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