Downtown Austin

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Dienstag, 22. Januar 2008

Handshake

Ich frage mich soeben wieso der Handschlag ein Handschlag ist. Wen oder was schlagen wir. Schlagen wir ein auf das Geschäft mit dem Händeschütteln? Wahrscheinlich. Im Englischen ist es einfach nur das letzte, ein handshake.

Die Zeiten als man ein Geschäft mit handshake besiegelte sind längst vorbei. Der Einkauf im Supermarkt bleibt etwa das einfachste Geschäft das man erledigen kann. Wobei, dabei braucht es nicht einmal einen handshake. Internet ist mittlerweile auch nicht schlecht aber da schleicht immer die Angst um, dass jemand anderes ein Geschäft für einem selbst tätigt. Verhindern kann man das kaum ausser man will auf Kreditkarten komplett verzichten. Wer will das schon. Rein technisch betrachtet gibt es dabei mit den Protokollen im Internet einen handshake. Aber um das geht es hier auch nicht.

Wer eine Wohnung mietet besiegelt das selten mit einem handshake dafür mit einer Menge Papier und Unterschriften, sofern die Initialen nicht genügen. Wie versprochen beim Leben in Wohnungen in den Suburbs biete ich einen kurzen Überblick in die vertragliche Seite.

Juristisch gesehen befinden wir uns mit der Miete in Amerika nicht auf unsicherem Terrain wie das gerne immer wieder behauptet wird. Soll heissen es gibt auch hier ein Recht welches das Verhältnis zwischen landlord (Vermieter) und tenant (Mieter) vorgibt. Damit ist schon mal gesagt: es gibt Gesetze, meistens genannt code! Nun die Frage: Wo? Wir müssen uns wieder einmal mehr vor Augen halten, dass die Vereinigten Staaten ein Bund von Staaten ist, wie die EU. Die einzelnen Staaten haben mehrheitlich die Hoheit und Verantwortung für Recht und Ordnung im Staate, so zB auch für das Mietrecht. Auf Ebene federal (des Bundes) wird es nichts zu finden geben. Dann muss man sich also eine Liste besorgen mit den Gesetzen zum entsprechenden Staat. Im schönen Staate Texas stösst man bei der Suche auf den Property Code und darin auf Kapitel 8 mit dem Titel Landlord and Tenant. Wer sich das antun will viel Spass beim lesen. Ich kümmere mich im folgenden mehr darum wie sich das real bei mir angefüllt hat und damit auch folgender Vermerk
Meine Erfahrungen im folgenden beziehen sich konkret auf den Grossraum von Austin, TX aber ich denke es sollte plus/minus auf andere Grossstädte so ab etwa 1 Mio. Einwohner auch zutreffen. Bei kleineren Städten und die gibt es natürlich auch, kann einiges aber anders aussehen. Auch wenn das hier zur Ausnahme irgendwie ein richtiger Ratgeber wird tut es mit Vorsicht geniessen. Thanks!
Wer eine Wohnung besichtigt hat und gerne einziehen will, und da bin ich mir fast 100% sicher, muss überall in der zivilisierten Welt ein Formular ausfüllen. Im Gegensatz zur alten Heimat geht man damit aber schon eine feste Absichtserklärung ein denn allerorts wo ich geschaut habe wurde damit gleichzeitig eine Gebühr erhoben. Dies scheint mir hat mit der hiesigen Marktsituation zu tun, denn es hat (zur Zeit) genügend Wohnraum zur Verfügung.

Zufälligerweise waren gerade kürzlich die lokalen Zahlen zum apartment Markt in der Zeitung, ua die Auslegung welche in Austin 2007 bei 96.6% lag. Und wie ich das im letzten Bericht schon geschildert habe lebt der Amerikaner nicht auf Dauer in einer Wohnung. Der effektiv zur Verfügung stehende Wohnraum dürfte sogar noch höher sein wenn man die Wohnungswechsel mitberücksichtigt.

Der landlord will mit der Gebühr seine Kosten abdecken welche er nun im folgenden hat. Es erfolgt ein background check, dh die finanzielle Situation des zukünftigen tenant wird durchleuchtet. Fällt das zu Ungunsten des Bewerbers aus sollte die Gebühr zurückerstattet werden. Darauf sollte man sich unbedingt vergewissern und bestätigen lassen. Speziell Einwanderer haben hier eine hohe Hürde zu meistern.

Beim background check wird mindestens die credit history (Kredit Vergangenheit, Kreditwürdigkeit) geprüft -- was in meinem Blog eigentlich schon lange ein eigenes Thema wert wäre. Einwanderer beginnen hier dummerweise bei Null und im Sinne einer history (Vergangenheit) ist das nicht sehr förderlich. Viele landlords registrieren noch in anderen Datenbanken, dh sie geben eine Wertung über ihre Mieter ab womit im Lauf der Jahre über eine Person ein gewisses Mieter Profil entsteht. Dann wird der Arbeitgeber meistens auch angefragt um die Angaben zur Beschäftigung zu überprüfen. Auch hier steht der Einwanderer mit einem neuen (und wahrscheinlich seinem ersten) Job auf wackligen Füssen.

Hat man nun trotzdem alle Hürden geschafft und bekommt die Wohnung zugesprochen beginnt wohl der eigentliche Prozess welcher die Gebühr verursacht. Die Verwaltung beginnt mit dem ganzen Papierkrieg und nimmt die Wohnung vom Markt. Mit der Gebühr wollen sie also ihre Aufwände bis zur Unterschrift schützen und verhindern das man kurz vor der Unterschrift kommt und sagt: "Ach ne, doch lieber nicht. Wir haben was besseres gefunden". Viel Aufwand für nichts also für den landlord. Normalerweise sollte die bezahlte Gebühr dann mit dem security deposit (Pfand/Sicherheit) verrechnet werden. Bei mir war das auf jeden Fall so. Also auch nachfragen und absichern.

Der Vertrag besteht in meinem Falle aus mehreren Dokumenten. Da gibt es denn einfachen Vertrag mit den wesentlichen Punkten zur Miete, unterschreiben bitte. Wichtigster Bestandteil ist die Dauer welche wie im ersten Beitrag erwähnt hier fix vereinbart wird. Danach muss verlängert werden oder man zieht aus. In einem separaten Dokument, unterschreiben bitte, wird beschrieben wie man früher kündigen kann und was passiert wenn man Monat-für-Monat verlängert. Alles ist mit teils heftigen Strafen Gebühren verbunden. Das muss man also gut durchlesen und sich überlegen falls man ausser Termin ausziehen will. Da ich eigene Garage und carport (überdachter Parkplatz) habe gibts natürlich entsprechende weitere Dokumente, unterschreiben bitte.

Haustiere werden hier nicht nur einfach gestattet (oder auch nicht), sie werden auch separat mit einem Dokument, unterschreiben bitte, beglückt und kosten soweit ich das gesehen habe überall und zT nach Gewicht extra. Für meine Strassenmischung bezahlte ich eine einmalige Gebühr, ein zusätzliches security deposit und monatlich einige Dollar extra. Zum Glück aber keinen security check für den Hund.

Dann habe ich noch ein Dokument über die Besonderheiten mit dem Eingangstor, allgemeines zur Benutzung der Gemeinschaftsräume, ein Blatt mit Auflistung all meiner Kosten und sonst noch einige mehr erhalten. Unterschreiben hier, hier, Initialen hier und noch eine Unterschrift da. Keine Ahnung mehr was alles und ich will es auch gar nicht mehr wissen. Eigentlich normales Zeugs halt aber eben, mit einem handshake und freundlichen Worten, dass mein ein lieber und braver Mieter ist, geben sie sich nicht zufrieden.

Was man auch noch wissen und beachten muss. Die anderen Verpflichtungen welche mit dem Wohnen dazu kommen (also auch beim Hauskauf) können für Einwanderer umständlich sein. Das Elektrizitätswerk und allenfalls Gaswerk, die Firma fürs Kabelfernsehen und wer will auch die Telefongesellschaft, fast alle wollen von einem Neukunden (also nicht nur Mangels einer credit history) ein security deposit was das Startkapital für Auswanderungswillige belastet.

Damit ist meine Geschichte, und damit auch gleich etwas Ratgeber, zur Miete in den Suburbs einer Stadt beendet. Wer noch Fragen hat kann per Kommentar oder Email (im Profil zu finden) nachfragen. Vielleicht gibt es was für einen Nachfolge-Bericht. Individual Betreuung biete ich hiermit ausdrücklich nicht an.

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