Downtown Austin

Downtown Austin

Donnerstag, 10. Januar 2008

Suburbia - Teil 2

Nachdem wir aus Teil 1 wissen wie ich darauf komme und wieso es suburbs gibt schauen wir uns an wie sie entstehen plus noch ein paar andere Dinge drumherum. Wer Teil 1 noch nicht gelesen hat also unbedingt einen Tag zurückblättern.

Vor den Toren der Stadt wird zuerst die Haupt- und Verbindungsstrassen erschlossen was zuweilen etwas irritierend wirken kann wenn ansonsten noch kaum was gebaut wurde. Wer auf solch eine Strasse gerät fragt sich verwundert wofür hier eine halbe Autobahn gebaut wird. Entlang dieser Strassen werden als erstes fast ausschliesslich Gebäude gebaut in welchem sich Geschäfte niederlassen welche der zukünftigen Bevölkerung etwas verkaufen wollen. Eigentliche Industriegebiete wo produziert wird haben ihre eigenen Zonen. Dazu haben die Städte ihre Zonen Plänen. Die Geschäfte haben entweder ihr eigenes einzelnes Gebäude oder es sind kleinere malls (Einkaufszentren). Wenn das Zentrum nur eine Art Balken oder ein strip (Streifen) ist mit einigen Geschäften drin verwendet man den Begriff strip mall. Parkplätze stehen natürlich auch genügend zur Verfügung. Diskussionen wie viele Parkplätze ein Geschäft oder Zentrum maximal zur Verfügung stellen darf gibt es wohl nicht. In der alten Heimat limitiert man das aus angeblich Umweltschutz Gründen. Paradoxerweise nimmt man dafür Staus in Kauf und lässt die Kunden stundenlang kreisen auf der Suche nach einem freien Platz. Diese Logik begreife ich bis heute nicht. Anyways, hier geht es ja um Amerika -- da ist Mobilität Trumpf.

Hinter der Hauptstrasse sind dann meist die riesigen Gebiete mit entweder Einfamilienhäusern oder eben Appartement Siedlungen. Die Unterteilungen oder erschlossenen Gebiete werden oft als sub-divisions bezeichnet und im Falle von Wohnraum spricht man gerne von communities (Gemeinschaften) oder von village, was übersetzt eigentlich ein Dorf ist. Dank Satelliten Bildern im Internet kann man heutzutage diese sub-divisions abseits der Hauptstrassen sehr gut erkennen. Aus Google maps habe ich ein Parade Beispiel von Las Vegas. Um die Dimension etwas zu begreifen beachte man als Vergleich den Flugplatz, McCarran International Airport und etwas reinzoomen lohnt sich auch. Gleich links vom Flughafen Richtung Nord beginnt übrigens der Strip mit all den grossen Casinos.

Interessant ist ja folgendes und gilt notabene nicht nur unbedingt für Grossstädte. Der einfache Amerika Tourist bewegt sich unbemerkt in den suburbs (oder eben einer Kleinstadt) aber mehrheitlich auf den Hauptstrassen und staunt das an jeder Ecke ein McDonald's und gleich daneben ein BurgerKing steht. Was dahinter oft für riesige Wohnflächen sind und wieviele Menschen dort wohnen entzieht sich seiner Kenntnis. Zurück in der Heimat erklärt er mit Bestürzung wie viele Hamburger Restaurants er gesehen hat. Und überhaupt dann all die Geschäfte. Wer sich dort übrigens hinein wagt muss froh sein wenn er den Weg wieder raus findet -- also eine sub-division meine ich, nicht die Burger Bude oder Geschäfte. Vor allem haben diese Gebiete oft was man hier so schön französisch cul-de-sac nennt, Sackgassen. Ich habe schon einige Male gedacht ich könnte eine Abkürzung nehmen quer durch. Wer sich nicht auskennt, nix da!

Das Leben in den suburbs hat natürlich einen grossen Plus Punkt. Das Land vor den Städten ist meistens relativ billig und somit sinken die Preise fürs Wohnen merklich mit jeder Meile entfernt von downtown. Diese Unterschiede gibt es in der alten Heimat auch nur waren sie nicht so gravierend und wenn es dann wirklich günstiger war lebte man aus Sicht der Grossstädter am Arsch der Welt.

Der negative Punkt am Leben in den suburbs ist natürlich der Verkehr da ein Grossteil der Arbeitsplätze im Zentrum der Stadt konzentriert ist. Morgens wollen alle ins Zentrum und Abends umgekehrt aus dem Zentrum raus. Wiederum andere haben ihren Arbeitsplatz zwar nicht im Zentrum aber wohnen nicht im selben Viertel. Die müssen sich dann quer zum anderen Verkehr durchkämpfen. Eine Route welche meistens nicht gleich gut mit Schnellstrassen erschlossen ist. Der öffentliche Verkehr hat mit dieser Entwicklung auch seine Probleme. Effizient ist er hauptsächlich in einem dicht besiedelten Zentrum oder Satellitenstädte welche über eine Schnellverbindung die Massen in die Stadt pumpen. Je grösser eine Stadt wird und hier halt auch noch grossflächiger umso umständlicher wird es dies zu erschliessen für die Leute am Rande der Stadt.

Levittown auf Long Island bei New York galt um 1950 als die erste suburb und ist heute praktisch der Standard bei der Stadtplanung. Heutzutage kommt nun auch der Benzinpreis und das Umweltdenken ins Spiel und man ist sich bewusst, dass man sich mit dieser Entwicklung der Städte in den letzten 50 Jahren in eine schwierige Situation gebracht hat. Der Ausweg ist eigentlich klar aber natürlich gar nicht einfach. Man liesst und hört des öfteren, dass man wieder näher am Zentrum leben soll und will. Suburbs sollen zukünftig out sein dafür ist nun downtown living absolut In. Entsprechend hat hier in Austin ein Bau Boom an Hochhäusern stattgefunden im Zentrum. Die Investoren hoffen, dass sich viele Leute nun lieber eine Wohnung im Zentrum leisten als ein günstiges Haus oder eine Wohnung in den suburbs. Wer im Zentrum arbeitet und ein entsprechendes Einkommen hat mag das wollen. Viel schlimmer ist ein anderer Punkt. Die Preise sind soweit ich das bis jetzt gesehen habe happig und zudem zielen sie auf Verkauf und nicht Vermietung. Um die Mehrkosten auszugleichen müsste für manchen der Benzinpreis vermutlich noch etwa $1/Gallone mehr steigen. Von der Einschränkung in Wohnfläche und anderen Annehmlichkeiten auf dem Lande ganz zu schweigen. Da ich nicht im Zentrum arbeite lässt mich das alles im Moment mehr als kalt.

In knappen Worten ist das in etwa das allgemeine amerikanische Leben im Sinne von Wohnen in einer amerikanischen Grossstadt und den suburbs. Beim nächsten Eintrag gibt es Informationen wie man zu einer Wohnung kommt in einer Grossstadt und was ein solches Mieter Leben in den suburbs "üblicherweise" erwarten darf.

Kommentare:

Andreas hat gesagt…

Hi Adrian. Bin vor kurzem auf Deinen Block gestoßen und sauge grade alles auf :-). Sehr interresant muß ich mal sagen. Vor allem nah´ am Alltag, das findet man nicht so oft. Bin schon gespannt wie es sich so "mietet" in Texas. Ich hoffe ich komme auch schnellstmöglich in diesen Genuß :-).

Grüße aus Leipzig,

Andreas

Torsten hat gesagt…

Fuer mich ist auch immer wieder erstaunlich wie schnell so eine Subdivision bzw. Suburb dann "explodiert" wenn die Erschliessung erst einmal angefangen hat, will sagen, wie schnell dir Entwicklung dan voran geht.
Man schaue sich mal das Satellitenbild hier an:
http://maps.google.com/maps?f=q&hl=en&geocode=&time=&date=&ttype=&q=14000+Avery+Ranch+Blvd,+Austin,+TX+78717&sll=30.495315,-97.78626&sspn=0.045114,0.074673&ie=UTF8&t=h&z=16&iwloc=addr&om=1
Das ist die Gegend in der ich heute lebe, Der Avery Ranch Blvd verlauft auf dem Satellitenbild Westen buchstaeblich noch im Sand.
Heute ist das eine vierspurig ausgebaute Strasse und mit Highway 183 im Westen verbunden. Wo im oberen linken Viertel des Bildes nur ein Teich zu erkennen ist gibt es heute komplette Subdivisions, also Wohngebiete mit Haeusern. Da ist nix mehr mit grasland und Gebuesch. Und das gilt fuer die ganze Laenge der Avery Ranch Blvd auf dessen noerdlicher Seite.
Bewegt man sich etwas weiter nach Osten, dort wo Avery Ranch und Parmer sich kreuzen so sieht man, nun, auf dem Bild eigentlich nichts ausser texanischem Buschland. heute stehen in diesem Gebiet um die Kreuzung Banken, Big Box Drogerien (Walgreen, CVS), Restaurants, Fitness Studio, Bars etc.pp.
Wie gesagt, die Geschwindigkeit mit der sich "angesiedelt'" wird, wenn es erst ein einmal losgeht finde ich immer wieder erstaunlich.
BTW - Wir haben hier oben auch ein Waterloo Icejouse -hint,hint - Waere mal wieder Zeit fuer ein paar Biers und Burger, Adrian :-)

Adrian hat gesagt…

Hier noch der Google Link von Torsten klickbar, gekuerzt. Je nach Ansicht ist er nicht komplett sichtbar. Wegen dem Beer'n'Burger, meinen Kalender kennst du ja. Super Bowl steht uebrigens auch noch an -hint hint!

@Andreas: Nach dann viel Spass beim weiter aufsaugen und viel Glueck wohl bei deinen Plaenen.

Show Me The Money!