Downtown Austin

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Dienstag, 15. Januar 2008

Wohnst du schon

Knüpfen wir an an das Thema "wohnen zur Miete in den suburbs", dass ich mit einer Einführung in das Leben in Suburbia begonnen habe -- nachzulesen in Teil 1 - Weshalb und Teil 2 - Wie. Und bevor wir loslegen wiederhole ich den Hinweis aus Teil 1.
Meine Erfahrungen im folgenden beziehen sich konkret auf den Grossraum von Austin, TX aber ich denke es sollte plus/minus auf andere Grossstädte so ab etwa 1 Mio. Einwohner auch zutreffen. Bei kleineren Städten und die gibt es natürlich auch, kann einiges aber anders aussehen. Auch wenn das hier zur Ausnahme irgendwie ein richtiger Ratgeber wird tut es mit Vorsicht geniessen. Thanks!
Also! Zur rent (Miete) gibt es einige Parallelen aber doch mehrheitlich Unterschiede zur alten Heimat. Da es im jeweiligen Markt hüben wie drüben wiederum selbst weitere Unterschiede hat werde ich vermeiden Vergleiche anzustellen sondern nur Fakten liefern wie ich sie erlebt habe. Die Unterschiede kann jeder selbst raussuchen. Ich spicke den Beitrag wie üblich auch mit den englischen Wörtern. Das hilft mir es zu verinnerlichen und mancher lernt das vielleicht gerne. Who knows?

Beginnen wir bei der Suche und was man üblicherweise vorfindet. Vorerst eine Parallele; es gibt sowohl private wie kommerzielle Anbieter und man kann in einem Appartement Komplex mieten oder gleich ein einzelnes Haus. Wir konzentrieren uns hier ausschliesslich auf apartment living.

Die Anzeigen der Privaten findet man eher oder ausschliesslich in der lokalen Zeitung in den classifieds (Anzeigen). Die Anzeigen der kommerziellen Anbieter findet man ebenfalls in der lokalen Zeitung allerdings hat es meistens an einem Wochentag (hier am Sonntag) eine Spezial-Beilage wobei es zur Mehrheit um Kaufobjekte geht aber eben auch zur Miete. Sehr beliebt aber natürlich auch mehrheitlich für den Kauf von Häusern sind die Gratismagazine. Ein sicherer Tipp die zu finden sind der örtliche Supermarkt. Beim Eingang hat es meistens diese Heftchen, also zugreifen und stöbern. Dann haben diese Anbieter meistens ihre eigene Website und die findet man, wenn nicht über die genannten Kanäle dann, natürlich über eine Google Suche. Dabei sollte man sich auf Webseiten über das lokale Unterhaltungsangebot konzentrieren und ein Zauberwort bei der Internet Suche heisst relocation guide (Umsiedlungsführer) plus den Namen für den Grossraum wo man sich niederlassen möchte. Dort gibt es mit Garantie einen speziellen Bereich wo die lokalen Anbieter ihre Werbung platziert haben. Ein Auge sollte man vor allem auch auf broker (Makler) haben. Die können sehr interessant und hilfreich sein. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich die unbedingt empfehlen. Warum sehen wir gleich später? Last but not least gibt es auch spezialisierte Datenbanken (zB ForRent) für Mieten.

Von den privaten Vermietern, wozu ich auch kleine Firmen wie zB Architekten oder Treuhänder (welche "nur" Private vertreten) zähle, habe ich in der alten Heimat schon genügend schlechte Erfahrungen gemacht und würde ich mir auch hier nicht antun. Da hat man zu oft mit einem geldgierigen und knausrigen landlord (Vermieter) zu tun welcher bei der Reparatur sparen will und das Gesetz auch noch selbst in die Hand nimmt. Hier der erste Pluspunkt für den broker -- die arbeiten vorwiegend (wenn nicht gar ausschliesslich) mit grossen Liegenschaften. Hier die Einschränkung: In kleineren Städten gibt es vielleicht nur wenige kommerzielle Vermieter.

Die kommerziellen Vermieter in grösseren Städten sind nun jene welche wie in Suburbia - Teil 2 beschrieben bei der Erschliessung dieser sub-divisions den Ton angeben. In der alten Heimat gibt es das eigentlich auch, dass ein grösseres Gebiet mit mehreren Wohnhäusern überbaut wird, irgend welche 200 oder mehr Wohneinheiten auf einem Gebiet sind. Solche Siedlungen findet man hier auch je näher man am Zentrum der Stadt ist -- und damit älteren Siedlungen. Aber diese Konzepte wollen wir uns nicht anschauen und damit ahnt ihr es schon; die neueren Überbauungen in den suburbs sind anders. Dieser Trend denke ich hat hier vor etwa 10 Jahren angefangen.

An dieser Stelle müssen wir etwas einfügen für das bessere Verständnis. Der Amerikaner ist aus Tradition ein Häuslebauer -- ihre Vorväter auf der Weg Richtung Westen hatten nichts anderes als unbebautes Land vor sich. Der Traum vom eigenen Haus daher nachwievor das ultimative Ziel. Die Home Improvement (Heimwerker)-Sendungen im Fernsehen wie bei Tim Taylor, dem Heimwerker König, sind allgegenwärtig. Zur Miete wohnt hier wirklich nur der Grossstadt Mensch in den Zentren an der Nordost-Küste wie zB in New York oder der Einwanderer -- besser gesagt Zuwanderer. (Der finanziell Schwache der für gar keine mortgage (Hypothek) mehr qualifiziert und dem nur die Miete bleibt, schliessen wir mal aus. Sonst müssten wir hier noch auf die gegenwärtige Hypotheken Krise zu sprechen kommen. Zumal er zur Miete bei den kommerziellen Anbietern auch noch abblitzen wird. Ein Grund mehr private Anbieter zu meiden. Das Leben ist hart in Amerika!) Wer in eine neue Stadt zieht kauft nicht gleich das erst beste Haus. Man schaut sich vorerst etwas um in welcher surburb es sich am besten Leben lässt und bis dahin wohnt man halt zur Miete. Die landlords haben es daher mehrheitlich mit tenants (Mietern) zu tun die quasi nur auf der Durchreise sind. Dauermieter wie in der alten Heimat dürfte es sehr wenige geben und dann wie erwähnt mehrheitlich aus Not.

Die neueren Siedlungen hier versuchen nun wirklich alles um diesen Trend zu brechen und ihre tenants wenn nicht zum Daueraufenthalter zu machen so doch wenigstens die Fluktuationsrate zu senken. Statt auf Profit möglichst viele dwellings (Wohnhäuser) hinzustellen wird grosszügig gebaut. Es gibt viel Grünfläche und die Abstände sind entsprechend gross. Der Grundriss einer Wohnung steht einem Haus kaum in etwas nach. Die Bezeichnung, im Sinn von Nummerierung, der Räume ist übrigens gleich wie bei den normalen Häusern. Ein wesentlicher Unterschied zu meiner alten Heimat. Vom living room (Wohnzimmer) und der Küche geht man einfach aus und zählt nur die bedrooms (Schlafräume) plus die Anzahl baths (Badezimmer). In den meisten neueren Siedlungen scheint mir das zweite bath ab resp. mit dem zweiten bedroom schon fast Pflicht. Ein halbes (1/2) bath ist ein restroom (Raum mit Toilette). Ein 3+2 sind ein Wohnzimmer, eine Küche, drei Schlafzimmer und zwei Badezimmer. Ab zwei bedrooms ist eines immer klar als der master bedroom (Haupt oder Eltern Schlafzimer) erkennbar und oft auch als solches definiert. Was die meisten bedrooms übrigens auch haben ist das walk-in closet -- der begehbare Kleiderschrank. C'est chic!

Alle Wohnungen welche ich besichtigt oder zumindestens die floor plans studiert habe verfügen auch über einen kleinen Raum mit Anschluss für washer (Waschmaschine) und tumble dryer (Tumbler). Kurzer Englischunterricht eingefügt: washer ist eine Abkürzung für washing machine und notabene auch das was im Deutschen die Unterlagsscheibe ist und man beachte beim Tumbler den Scheinanglizismus und Unterschied im Englischen. Zurück zur Wäsche: Diese Geräte bringt man selbst mit oder kann bei den meisten Vermietern welche mieten. Irgend einen gemeinsamen Waschraum gibt es wohl auf dem Areal müsste ich bei mir zB aber zuerst suchen. Er ist auf alle Fälle nicht vor Ort. Ansonsten ist alles vorhanden, dh die Küche ist komplett eingerichtet mit allen appliances (die grossen Geräte im speziellen für die Küche) wie Kühlschrank, Herd, Mikrowelle und Geschirrspülautomaten. Selbst der typische garbage disposal (Küchenabfallzerkleinerer) fehlt nicht. Dazu sind im voran gehenden Link die rechtlichen Aspekte in der EU noch interessant. Hier ist das kein Thema den die Abwasserentsorgung ist entsprechend ausgelegt. Habe ich eigentlich die Ventilatoren an der Decke und Licht in allen Räumen schon erwähnt?

Gut und schön denkt sich mancher, so viel anders ist das noch nicht, oder? Was die eigenen vier Wände angeht ja aber die meisten neueren Anlagen bieten nun wirklich noch einiges mehr. Ob sich der Durchschnittsmieter in Amerika davon beeindrucken lässt, im Sinne von "da bleib ich wohnen bis ich sterbe", steht auf einem anderen Blatt. Beginnen wir damit was am ersten auffällt wer so eine Liegenschaft besucht und sich eine Wohnung ansehen will.

Die Verwaltung hat ein eigenes Gebäude meistens als Club House oder ähnliches bezeichnet. Da die Fluktuation der Mieter wohl wirklich hoch ist und die Anlagen meistens um die 300 oder mehr Wohneinheiten haben arbeiten die Berater gleich vor Ort -- man könnte sich also im Prinzip unangemeldet informieren. Diese Berater fahren einem dann mit einem Golf Cart (also so ein Personenwagen wie auf einem Golf Kurs) durch die Anlage und zeigen entweder das zur Verfügung stehende Objekt oder haben extra eine Wohnung hergerichtet für Besichtigungen. Das Club House hat dann meistens noch einiges mehr zu bieten. Ein grosszügiger Aufenthaltsraum (daher wohl die Bezeichnung Club House) mit einem Billard Tisch und natürlich diversen Sesseln und kleiner Küche mit allem nötigen habe ich überall vorgefunden (was man notabene für Parties reservieren und mieten kann) sowie einem Mediaraum mit Fernseh auf Grossleinwand oder ähnlichem, Computer mit Internetanschluss, Fitnessraum, Sauna, Concierge Service and whatnot. Fast jede Anlage hat ausserhalb vom Club House noch weiteres zu bieten angefangen beim fast obligatorischen Swimming Pool und Fitnessraum bis hin zu Beach Volleyball Court und einmal sogar einem Hundepark wo man seinen pooch (Köter; aber nett gemeint) mit Artgenossen spielen lassen kann. Obwohl selbst Hundebesitzer habe ich mich ernsthaft gefragt ob ich oder sonst jemand das macht.

Wer nun zB in Austin etwas sucht ist mit all dem Angebot fast etwas überfordert und ich kann daher wie erwähnt die Hilfe eines broker empfehlen. Und es gibt noch einen Bonus, sprichwörtlich. Die Vermieter zahlen eine Prämie an diese broker für eine Vermittlung und je nach Marktsituation sind die broker sogar bereit dem Mieter etwas zurück zu geben. In meinem Fall bekam ich $150 dafür das ich ihre Hilfe in Anspruch nahm -- und es war echt genial. Ich habe ihr mitgeteilt welche Gegend ich vorziehe, welchen Preisrahmen und einige Randbedingungen wie Anzahl Zimmer, Parkplatz und natürlich meinen Hund. Sie hat mir eine Liste von 4 Angeboten zusammengestellt und ist die mit mir an einem Nachmittag abgefahren. Aus den geplanten 2 Stunden sind dann halt satte 4 geworden aber insgesamt am Schluss hatte ich Zeit gespart, Geld kassiert und die sprichwörtliche Qual der Wahl.

Es gäbe sicher noch einiges mehr zu berichten aber lassen wir es vorerst dabei bewenden. Einen weiteren Beitrag werde ich noch nachschieben mit einigen Informationen oder Wissenswertem im vertraglichen Sinne. Da gibt es auch einige Spezialitäten auf welche man gefasst sein muss weil man das so in der alten Heimat wohl nicht kennt.

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