Downtown Austin

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Mittwoch, 20. Februar 2008

Small Talk und Boots

Es war irgendwann im Dezember, dass mich einer meiner Arbeitskollegen gefragt hat wie es mir den nun so gefällt in Texas. Er selber ist zwar auch nicht von Texas sondern irgendwo aus der Gegend um Illinois soweit ich das einmal aufgeschnappt habe aber fragen kann man ja trotzdem als wenn man selbst waschechter Texaner wäre. "Soweit recht gut", irgendwie auf Englische natürlich, habe ich geantwortet und dann haben wir ganz kurz etwas über die Vor- und Nachteile zur alten Heimat gequatscht. Small talk halt; im Englischen eine sehr wichtige Umgangsform -- und ja, in Englisch schreibt man small talk in zwei Worten.

Zum Abschluss meint er dann, dass mir nun nur noch ein Paar von diesen fehlt, streckt mir sein linkes Bein entgegen und zieht sein Hosenbein etwas hoch. Seine Cowboy Stiefel waren gemeint, hier allgemein einfach boots genannt. Das Wort boot oder eben die Mehrzahl für das Paar boots definiert respektive übersetzt zwar generell einfach einen Stiefel aber in dieser Gegend und Kontext spricht niemand von cowboy boots.

Ich habe ihm dann gesagt, dass ich eigentlich ein Paar boots habe aber entweder meine Füsse dicker oder breiter geworden sind oder ich die Schuhe, pardon boots, halt einfach doch zu knapp gekauft habe. Wahrscheinlich schon letzteres denn als ich die 1996 in Las Vegas gekauft habe waren sie schon etwas satt anliegend aber der Verkäufer hat gemeint die werden oder müssen sich sogar break in (eintragen) und hat mir sogar noch offeriert sie zu dehnen. Ich konnte sie am nächsten Tag abholen und sie fühlten sich wirklich gut an aber so ab zwei Stunden beginnen meine Füsse unheimlich zu schmerzen. Und in den letzten Jahren, also mit mehr tragen, wurde es leider nie wirklich besser, eher schlimmer. Somit also Zeit vielleicht für ein neues Paar und eventuell kann ich die alten nochmals zum dehnen geben. Gefallen tun sie mir nämlich immer noch sehr.

Am Samstag habe ich mich entschlossen ein Paar neue boots zu besorgen. Unweit von meinem Zuhause gibt es einen Cavender's, eine Ladenkette mit allem was man(n) zur Ausrüstung für einen Stadt Cowboy braucht. Oder auch Cowgirl, der rechte Drittel des Ladens kümmert sich ausschliesslich um deren Outfit.

Und wie es sich wohl für solch einen Laden gehört gibt es auch eine ordentliche Auswahl an boots. Der Bereich und die Auswahl war etwa so gross wie in der alten Heimat in einem 'normalen' Schuhladen. Halt eben einfach nur boots. Im ersten Moment hatte ich dann meine Mühe mich zu orientieren, da ich keine spezielle Anschrift sah zB im Bezug auf die Grösse. Ich stand aber kaum 10 Sekunden unbeholfen zwischen einem Regal da wurde ich schon von einem jungen Cowgirl angesprochen ob ich Hilfe benötige.
"Oh, yes! I haven't figured out yet how they're sorted. (Nach was sind die geordnet?)"
"Dieser Gang hier Rechts Grösse 9 und Links Grösse 8.5 und zu Beginn hier jeweils double E (=EE) und dann D."
"Ah, OK. So, - da drüben wäre Grösse 8 was ich wahrscheinlich benötige und ähm, was bitte ist EE und D?"
"D ist so etwa die normale Breite und EE sind breiter"
"Ha, das hätte mir jemand vor 12 Jahren erklären sollen"
Habe ich also einen Gang gewechselt und mich zu Beginn bei den double E umgeschaut denn da vermutete ich gleich mein Glück im Wohlbefinden.

Das Verhältnis ist nun so, dass etwa 5/6 der Auswahl in Grösse D, also 'Normale' Breite, war und 1/6 in Grösse EE, ergo breiter. Und ich muss es fast eingestehen, ich war froh, dass die Auswahl nun nicht mehr so gross war. Ich habe mir dann erst einmal etwas Gedanken gemacht, nicht nur was für einen Farbton in etwa sonder auch, was für eine Spitze. Den da gibt es Unterschiede -- toe style (Zehen Form) nennt sich das.

Dann gibt es auch noch spezielles, dh exotisches Leder wie zB Krokodil, Alligator und ostrich. Nein, nein, letzteres sind keine Österreicher, ostrich ist der Vogel Strauss. Ich hatte mir noch nie Gedanken gemacht, dass man deren Haut zu Leder verarbeiten kann denn irgendwie hat man trotz deren Grösse doch sein Brathähnchen im Gedanken und die knusprig leckere Haut. Also nix von wegen Leder.

Diese Straussen Schuhe sehen nun ganz witzig aus, denn das Leder sieht tatsächlich aus wie eine überdimensionierte Gänsehaut. Also mit diesen Pickeln, Poren oder was das auch immer ist von den Federn; einfach viel grösser im Abstand und auch voluminöser. Von den Reptilien habe ich ein Paar anprobiert und die waren echt klasse aber mehr als $400 wollte ich eigentlich nicht ausgeben. Vielleicht beim nächsten Mal oder wenn der Check kommt für diesem stimulus plan den sie kürzlich bewilligt haben um die Wirtschaft anzukurbeln.

Ich habe mich dann für ein etwas bescheideneres Paar entschieden. Nachdem ich mit den EE sehr zufrieden war habe ich zum Vergleich noch das gleich Paar in Breite D gesucht und anprobiert. Und siehe da, genau das gleiche 'beklemmende' Gefühl wie mit meinen bisherigen boots. Lebe ich wohl auf etwas grösserem Fuss als der Rest der Welt. Im Bezug auf die Breite wenigstens.

Gefertigt wurden sie in Mexico. Das ist gut, denn dann müssen ein paar Mexikaner weniger über die Grenze in die USA fliehen. Wir haben eh schon genug Ausländer hier, oder?

Am Montag wieder im Geschäft habe ich dem Kollegen meinen Fuss mit dem boot dran auf den Tisch geknallt. "Right on! Welcome to the State!" sein trockener Kommentar.

Nun heute beim googlen habe ich sogar eine Webseite gefunden wo man meine Justin boots in allen Dimension sehen kann.

Beim weiteren surfen im Internet habe ich dann auch Informationen gefunden zu Schuhgrössen mit einigen guten Tipps zum anprobieren und tragen von boots. Gegen den Schluss dann sogar mit einem Link zur Website von einer Jennifer June und speziell ihrem Cowboy Boot Bulletin Board wo noch ausgiebig weiter informiert wird zu diesem Thema. Da werde ich nun etwas durchlesen. Vielleicht finde ich da heraus, wie ich am besten meine alten boots in Form kriege. Wäre schade um diese Treter.

Ach ja, und die neuen Schuhe in 8EE tragen sich wunderbar. Die alten habe ich nachgeschaut sind tatsächlich 8D. Dang it!

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