Downtown Austin

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Samstag, 15. März 2008

Etwas über Leintücher

Nachdem ich im letzten Eintrag etwas Vorarbeit geleistet habe sind wir bereit für den Samstag. Also allenfalls erst einmal einen Eintrag zurückblättern.

Ich hatte wieder einmal eine Einladung von meinem Versicherungs-Fritze, Mark. Einer seiner Arbeitskollegen hat ein Haus gekauft und sie machen etwas BBQ und schauen sich einen Boxkampf an auf HBO.

Das Boxen ist in der alten Heimat zwar auch sehr populär, ich denke da vor allem an Stefan Raab und die Klitschkos, geniesst hier in Amerika aber sicher mehr ansehen. Anders lässt es sich nicht erklären, dass sich Pay-per-view (PPV) lohnt. Und damit sich das auch für den einzelnen Zuschauer lohnt schaut man das nicht alleine sondern veranstaltet eine Party. Sich zu populären Sport Veranstaltungen zu treffen und diese gemeinsam im Fernsehen zu schauen ist in Amerika sehr üblich. Nicht nur wegen PPV sondern weil auch im öffentlichen Fernsehen sehr viel Sport Live zu sehen ist. Da kann man dann schon etwas Pech haben und beim Nachbarn geht es laut zu und her. Für mich kein Problem dieses mal ich war mit von resp. bei der Party.

Solche Kämpfe im Boxen und ähnlichen Sportarten werden hier gerne auch als bout bezeichnet. Am heutigen Abend ging es um vier bouts in Klassen rund um das Federgewicht. Also die jene Sorte von kleinen mageren Menschen die man besser nicht unterschätzen sollte und aus einer Bar zu einem Kampf auf die Strasse bittet. Wer nicht das Glück hat, dass es irgendwie auf Video aufgezeichnet wurde und nur Stunden später schon auf YouTube ist wird nie wissen was wirklich passiert ist. Da geht das Licht aus bevor das Auge blinkt und das Hirn schaltet auf stur Daten zu verarbeiten. Und nein, ich rede hier nicht aus persönlicher Erfahrung. Ich habe nur eine sehr lebhafte Fantasie und kann es mir sehr sehr gut vorstellen.

Die Veranstaltung fand im Mandalay Bay Resort and Casino in Las Vegas, NV statt. Der Hauptkampf war ein Titelkampf im Superfedergewicht (130 lbs/58,967kg) der World Boxing Council (WBC) was einer der vier Weltverbände im Boxsport ist (Liste der amtierenden Boxweltmeister der vier Verbände).

Der Titelverteidiger war Juan Manuel Marquez aus Mexiko und man kann sich wohl gleich vorstellen wie diese Party im Hause etwa aussah. Oder hab ich vergessen zu erwähnen, dass der Mitarbeiter von Mark einen etwas dunkleren Teint hat, pechschwarze Haare und einen spanischen Nachnamen? Nicht zu vergessen, dass ein Drittel der Einwanderer in Amerika aus Mexiko kommen und dieser Anteil in Texas noch einiges höher ist?

Der Herausforderer war Manny Pacquiao von den Philippinen und da es bereits das zweite Aufeinandertreffen der beiden Boxer war wurde der Kampf als Marquez-Pacquiao II angepriesen. Vor vier Jahren beim ersten Treffen lieferten sie sich angeblich ein dramatisches Unentschieden und da Pacquiao in den letzten Kämpfen gleich mehrere Mexikaner bezwungen hatte wurde dieser Kampf noch spezieller. Die Erwartungen waren vor dem Kampf bei den Kommentatoren von HBO sehr hoch. Und auch an der Party jedoch, die Erwartungen der Gäste das Marquez seinen Titel verteidigen kann war da aber irgendwie spürte ich, dass niemand daran glauben wollte.

Der neue Hausbesitzer war auch gleich glücklicher neuer Besitzer eines 50" High Definition Wide Screen Plasma Bildschirms den man sogleich in den Garten schleppte und einer Leinwand gleich an die Hauswand stellte. Die Temperaturen bei knapp 80 °F (~26 °C) am Nachmittag liessen auf einen milden Abend hoffen. Je dunkler es wurde und später der Abend umso kälter wurde es aber und der relativ starke Wind liess es noch frostiger werden. Es ist halt doch noch März und noch nicht April -- selbst in Central Texas. Wir hielten aber alle standhaft aus bis zum Hauptkampf um ca. 10 Uhr abends und während des Kampfes war es dann total egal. Kleine Bemerkung am Rande: Da es um die 30 Leute waren hätten wir uns im Haus alle auch kaum richtig vor den Bildschirm quetschen können.

Das von Mark versprochene BBQ war dann übrigens kein BBQ. Die Abkürzung steht für barbecue, barbeque, Bar-B-Q um nur die gängigsten der möglichen Schreibweisen aufzulisten. Ich habe auch schon Bar-B-QUE oder Bar-B-Cue gesehen. Der Aussprache am nächsten kommt barbeque -- für mein Empfinden. Was nun ein BBQ ist werde ich ein anderes mal erklären, denn das Essen das es gab war, wer hätte das gedacht, rein mexikanischer Natur.

In der Küche hatten sie eine Heizplatte auf die man eine Tortilla kurz beidseitig legte und erwärmte. Dann haben sie wohl bei einem Restaurant die weiteren Zutaten für die Füllung geholt und damit hat man sich dann seinen Burrito gerollt oder eine Enchilada gemacht. In der einfachen Variante und Erklärung kann man sagen, dass man beim Burrito alles in die Tortilla legt und rollt und bei der Enchilada nur das Fleisch und den Rest darüber und drumherum. Im Prinzip hat man im Magen das selbe aber den Burrito kann man bequem von Hand essen. Das aber wie gesagt eine sehr vereinfachte Erklärung und die Veranstaltung hier war auch sehr unkonventionell. Dann gab es natürlich Bier und das bringt man, fast traditionell, in Amerika selber mit. Meistens hat es dann irgend einen grossen Behälter wo man das Bier rein legen kann. Das wird dann mit ordentlich Eis übergossen welches jemand sackweise bei einer Tankstelle oder Supermarkt kaufen musste. Kleiner Tipp: Nur die knausrigen Party Gäste klammern sich an das selbst mitgebrachte Bier und nehmen am Ende auch noch ihr nicht gesoffenes Bier wieder mit nach Hause -- üblicherweise lässt man das für den Gastgeber als Dankeschön zurück.

Zum Abschluss nochmals zum Boxkampf und zum Titel dieses Blogs. Pacquiao hat Marquez in der dritten Runde auf die Leinwand geschickt. Warum "auf die Leinwand" gleich später. Marquez hat sich aber schnell wieder aufgerappelt und wacker die ganzen 12 Runden durchgeboxt. Sein rechtes Augenlid hat zwar mächtig gelitten. Bei einer Pause und Grossaufnahme sah man fast bildfüllend eine riesige klaffenden Wunde und alle Party Teilnehmer haben laut aufgeschrien und das Gesicht verzogen. Es sah hässlich aus und keine Ahnung wie die das in kürze wieder einigermassen gerichtet und die Blutung gestillt haben, so dass der Kampf nicht abgebrochen wurde. Das Resultat musste am Schluss mit den Punkten ermittelt werden. Es war eine sogenannte split decision, dh einer der drei Punktrichter kam nicht zum gleichen Ergebnis oder Sieger; im Gegensatz zur Entscheidung wo das Resultat unanimous (einstimmig) ist. Zum Sieger erkoren und damit neuer Champion ist Manny Pacquiao. Im vorangehenden Link hat es übrigens einige tolle Bilder in der Dia Show. Achtet auf den Ringrichter, der war wohl zuerst in einer Show mit der Blue Man Group.

Nun noch zum Leintuch: Im Englischen wird der Boden eines Boxring als canvas bezeichnet was rein als Wort ziemlich jedes Tuch aus Leinen sein kann. Man findet den Begriff beim Segeln, Malen oder halt auch beim Boxen wo der Boden ursprünglich mit einem Leintuch bespannt wurde. Gemäss dem Ausrüster Everlast wird es heutzutage aus einer Art Kunststoffgewebe (duct fabric) hergestellt. Der Begriff canvas ist jedoch geblieben und daher wird einer nicht zu Boden geschickt wie im Deutschen sondern sent to the canvas, auf die Leinwand.

Als ich um Mitternacht nach Hause fuhr zeigt das Thermometer im Auto etwa 56 °F (~13 °C) an. Es war schon ordentlich kalt und hoffentlich gibt das keine Erkältung.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"Oder hconversiab ich vergessen zu erwähnen[...]" hconversiab? Das ist eine Abkuerzunug/mnemonic welches ich noch nicht kenne? Was bedeutes es.

And btw - woher kriegst du deinen Premium Services sooooo billig?? Hier in NYC bezahlen wir viel mehr :-( Die Suchtgefahr ist aber leider nicht kleiner.

Gruss

Treme

Adrian hat gesagt…

Oh, crap! Ich hasse das, wenn der Cursor nicht dort ist wo ich eigentlich weiterschreiben will. Kann aber trotzdem nicht verstehen wie ich das spaeter uebersehen habe. Anyways!

Ich habe TWC und ich habe fuer Manhattan mal nachgeschaut. Der Start ist mit $14.95 etwas teurer, der 2. ebenfalls $8 aber ab dem 3. Channel ist es nur noch $6 zusaetzlich. Bei 4 Channels sind wir also schon gleich auf.

Bei den hohen Loehnen in NYC sollte man sich das doch locker leisten koennen.

Show Me The Money!