Downtown Austin

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Dienstag, 18. März 2008

Etwas Regen

Das Klima und somit auch das Wetter in Central Texas ist fast das ganze Jahr durch angenehm (sofern man heiss mag im Sommer wie ich) und ausser spektakulären Sonnen Auf- oder Untergängen eher ruhig -- ja, das bedeutet oft sonnig. Man spricht hier von etwa 300 Sonnentage aber wenn ich mir andere Städte anschaue in Amerika nehmen das die meisten für sich auch in Anspruch.

Die kleine Ausnahme von der genannten Regel ist der Frühsommer Frühling in der Zeit von März bis irgendwann in den Mai hinein. Mit anderen Worten die Zeit ist reif und heute war es so weit.

Grundsätzlich kommt das Wetter wie in der alten Heimat auch aus westlicher Richtung aber mit kräftiger Unterstützung aus Nord oder Süd und nun liegen sie im Streit über uns. Aus dem tropischen Gürtel im Süden schieben sich vermehrt warme und des öfteren feuchte Luftmassen gegen Nord. Wiederum aus der Gegenrichtung versuchen immer noch kalte Strömungen aus Alaska via Kanada und rechts vorbei an den Rocky Mountains nach Süden vorzudringen.

Manchmal denke ich, dass man statt der Mauer gegen Mexiko besser einen riesigen Berg aufschütten soll, zB an der Grenze zu Oklahoma. Statt der Mauer würde man einen riesigen Graben ziehen zu Mexiko und den Bodenaushub dort aufschütten. Nur so als Idee.

Anyways, die beiden Luftmassen treffen nun um diese Jahreszeit in unserer Region immer wieder aufeinander und das gibt dann ordentlich durcheinander. Man weiss ja auch in der alten Heimat was passiert wenn warme auf kalte Luft trifft. Dann gibt es Blitz und Donner meist mit viel Wind, ordentlich Regen und im Extremfall wird der Regen zu Hagel. Der kleine Unterschied zum Sommergewitter wo warme Luft vom Boden aus in kalte Luft aufsteigt, also eine rein vertikale Angelegenheit ist, erfolgt die Auslösung horizontal durch Verschiebung von Luftmassen und geht erst anschliessend ins vertikale über. Solche Konstellationen fördern wiederum die Entstehung von tornadoes. Weitere ideale Bedingung dafür ist offenes flaches Land und daher sind in meiner unmittelbaren Umgebung tornadoes eher selten. Das Terrain im sogenannten Hill Country ist dem Namen gerecht relativ hügelig was der Entwicklung von solchen Zentrifugen entgegenwirkt. Das heisst tornadoes gibt es auch aber die Wahrscheinlichkeit und allenfalls die Intensität und Dauer ist einiges geringer.

Heute Dienstag sind die Massen gleich zweimal aufeinander getroffen. Erst in den frühen Morgenstunden einiges nördlich von uns und in östlicher Richtung, dann aber als vertikales Band über einige Stunden am Nachmittag von Süd nach Nord. Von der Website wunderground.com habe ich mir das zweite Unwetter am Nachmittag als animiertes Doppler Radar Bild abgespeichert.

Man sieht hier schön über einen Zeitraum von etwas mehr als 2 Stunden wie zügig sich die Luftmassen fortbewegen. Die erst grossen (=Einschlag) und dann kleiner (20 Minuten Interval) werdenden quadratischen Punkte sind einzelne registrierte Blitze. Das ganze Gebiet im Quadrat entspricht etwa 400 km. Oben aus dem Bildrand wäre übrigens dann noch Dallas zu finden.

Obwohl das nun in den einzelnen Bereichen wo es tief rot ist und allenfalls ins violett übergeht heftig regnet ist die Dauer -- in der Regel -- relativ kurz. Ein paar Stunden und dann ist das gröbste vorbei. Die Gegend von Dallas wiederum hat es heute mit beiden Unwetter gleich zweimal erwischt worauf der Flughafen zeitweise den Betrieb einstellen musste was Verspätungen auch beim örtlichen Flughafen ABIA zur Folge hatte.

Vielerorts gibt es das Problem, dass die Wassermassen vom meist trockenen Boden nicht richtig aufgenommen werden und es kommt zu örtlichen Überschwemmungen. Oder genau umgekehrt wie letztes Jahr wo es so oft geregnet hat, dass der Boden oft viel zu feucht war.

Über die Jahrtausende sind es oft kleine unscheinbare und mehrheitlich ausgetrocknete Bäche welche das Wasser eines riesigen Gebietes aufnehmen müssen. Entsprechend kommt es zu Überflutungen von solchen Bächen da sich entsprechende Sanierung in unbewohnter Gegend nicht lohnt. Viele Brücken über die erwähnten Bäche sind für Überschwemmungen ausgelegt und Tafeln warnen bei Hochwasser und Strömung darüber hinweg zu fahren.

Am Tag nach solchen Niederschlägen kann man dann immer wieder hören und lesen, dass sich mindestens eine Person von den Wassermassen nicht hat beeindrucken lassen. Entweder sind sie trotz Warnung über eine überflutete Brücke gefahren oder haben sich sonst irgendwie von der Strömung mitreissen lassen.

Wer Vernunft walten lässt und sein Haus nicht in einen Bach hinein baut lebt hier aber eigentlich sicher. All solchen Nachrichten zum Trotz und in der Vorhersage für die kommenden Tage scheint ja wieder die Sonne.

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