Downtown Austin

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Freitag, 7. März 2008

Gone Country

Wie im letzten Eintrag berichtet bin ich vermehrt auf Country eingestellt und ich habe einen Bericht über eine Reality TV Show beim Sender CMT (Country Music Television) versprochen.

Diese Reality Show nennt sich Gone Country was etwas frei übersetzt soviel bedeutet wie "In Richtung Country gegangen". Der host, also der welcher durch die Sendung führt, John Rich scheint es mir ist nicht einer der ganz grossen Stars am Country Himmel benimmt sich aber wie ein solcher. Er führt aber doch sehr souverän durch die Sendung. Mehrheitlich sind aber eh seine Gäste im Vordergrund.

Seine Gäste sind deren sieben und alle haben eine musikalische Vergangenheit und auf die eine oder andere Art waren mir sogar alle halbwegs bekannt. Die musikalische Vergangenheit liegt bei einigen schon länger zurück und bei allen komplett ausserhalb von Country. Daher der Titel der Show Gone Country, die Musiker sollen oder wollen einen Wechsel in eine andere Musiksparte vollziehen. Und so wie ich manchen dieser Musiker kenne -- das kann ja heiter werden.

In der ersten Sendung wurden alle in Nashville, TN in der Stadt an verschiedenen Orten eingesammelt mit einem grossen Tour Bus. Als erster Passagier stieg glaube ich Julio Iglesias, Jr. ein. Man beachte das Jr. am Schluss, dh er ist der Bruder von Enrique und der Sohnemann vom Papa mit dem gleichen Namen. Kennen tut man den Senior auch in Amerika sehr gut. Leben tut der Junior seit längerer Zeit in Miami habe ich nachgeforscht.

Mit Carnie Wilson kam eine Sängerin dazu welche die Tochter von Brian Wilson ist, das ist einer der Beach Boys. Carnie wiederum hatte in den 90er Jahren einige weltweite Erfolge mit ihrer Schwester Wendy und Chynna Phillips. Sie nannten sich Wilson Phillips. Während der ganzen Show musste ich jedoch immer an Bette Midler denken. Irgendwie hat Carnie immer so herum gezappelt und war hysterisch wie die Midler in vielen Filmen.

Der dritte im Bunde war Sisqo ein Rapper welcher mal mit dem Titel Thong Song einen Titel in die weltweiten Hitparaden brachte. Mehr gibt es zu ihm wohl nicht zu berichten.

Die nächste Passagierin hat mich wiederum in meine Kindheit zurück geschickt. Das war Maureen McCormick aus der TV Serie The Brady Bunch. Im deutschen ZDF lief das in den 70er Jahren unter dem Titel "Drei Mädchen und drei Jungen". Das waren noch Zeiten, hatten wir damals immer geschaut. Maureen spielte in der Serie die älteste Tochter Marcia und wie sich im Laufe der Show herausstellt scheint sie mit der Rolle selbst heute noch in ihrem Privatleben immer wieder konfrontiert zu sein und ernsthafte Probleme zu haben. Selbstvertrauen ist überhaupt nicht ihre Sache.

Ein ganz spezieller Typ kam dann mit Dee Snider an Board. Der war der Lead Singer der Twisted Sister, eine amerikanische Hard Rock Band welche in den 80er einige Erfolge hatte und die vor allem durch Schminke ähnlich wie die Gruppe KISS aufgefallen sind. Ob und wie sich so ein Alt-Rocker auf Country umbiegen lässt habe ich mich sofort gefragt. Na ja, man kann sich ja überraschen lassen.

Es folgte dann Diana DeGarmo, eine Teilnehmerin von American Idol und somit eigentlich jene welche man am wenigsten kannte. Ich zumindestens. Bei der Casting Show 2004 war sie auch nicht die Siegerin sondern "nur" Dritte.

Noch eine grosse Überraschung gab es mit dem letzten Passagier welchen sie am Flughafen aus einem Privatjet abholten. Das weckte natürlich gleich bei allen grosse Erwartungen wer sich einen solchen Auftritt verschafft. Und siehe da, ein guter alter Bekannter -- Bobby Brown. Genau der Bobby welcher als Mitglied von New Edition mal angefangen hat und nun zuletzt eigentlich nur noch wegen Skandalen mit und um Whitney Houston und Drogen Schlagzeilen gemacht hat.

Im Verlauf von weiteren 5 Folgen ging es dann nicht darum einzelne Teilnehmer zu eliminieren. Das war schon einmal ein grosser Unterschied zu anderen Reality TV Shows. Alle 7 Teilnehmer waren also bis zum Schluss dabei. Die Folgen werden nun dauernd immer wiederholt auf dem Sender und Ausschnitte wie zum Teil ganze Episoden gibt es auch im Internet bei cmt.com nachzuschauen und die habe ich im folgenden verlinkt.

Die Episode 1 war das Zusammentreiben und somit die Vorstellung der Teilnehmer wie ich das vorhin etwa gemacht habe. Untergebracht wurden sie zusammen in einem grossen Gästehaus von John Rich und da sollten sie sich an das Country Leben angewöhnen.

In der Episode 2 sollten sie sich mit Kochen ans Leben gewöhnen. Es galt einige Freunde von John Rich (und sich selbst) mit Southern cooking zu verwöhnen, also typischem Essen aus dem amerikanischen Süden. Carnie Wilson hatte sich dabei als ausgewiesene Köchin gezeigt und zum gelingen der Gerichte massgeblich beigetragen. Punkte gab es dafür aber wohl keine. Nach dem Essen dürfen oder müssen sie einen ihrer ehemaligen Hits in einem Club vorsingen. Die beiden grossen, alten Stars Dee Snider und Bobby Brown geraten sich dabei fast etwas in die Haare. Zur grossen Keilerei kommt es aber nicht.

Eine Überraschung wartet in Episode 3 denn sie werden auf die Ranch der Country Sängerin Gretchen Wilson verfrachtet wo sie mit dem Leben auf dem Lande in Berührung kommen was wesentliche Element der Country Musik sind. Ausschnitte im Internet gibt es dazu leider wohl nicht.

Noch mehr Elemente die zu Country gehören lernen sie in Episode 4 kennen. Da geht es nicht um Cowboys sondern um Zwischenmenschliches mit gemeinnütziger Hilfe. Sie waschen Autos, sammeln Geld und besuchen ein Kinder Krankenhaus. Bobby Brown hat dort eine besondere Erfahrung mit einem schwer kranken Kind kurz vor dem Tode. Er schwört ein besserer Mensch zu werden. Wir werden sehen. Wohl nicht während der Sendung aber später irgendwann einmal im Fernsehen oder auf den Titelseiten am Zeitschriftenstand im Supermarkt.

Endlich um Musik und auch etwas Image geht es dann in der Episode 5. Da kommen sie mit anderen Musikern und Songschreibern aus der Szene zusammen und können ihre Ideen einspielen. Das Ziel ist schliesslich ein Lied zu schreiben und zu präsentieren. Der Gewinner wird dann von John Rich einen Titel produziert bekommen. Sie werden dann auch noch in einen Kleiderladen geschickt und sollen sich für den Auftritt einkleiden. Dee Snider kann mit gar nichts etwas anfangen was dort zur Auswahl steht. Ein Rocker halt durch und durch.

Endlich heute das grosse Finale. In einer ganzen Stunde werden nun die 7 Möchtegern-Country-Stars ihre Titel auf einer Bühne vor Publikum vortragen. Man ist richtig gespannt wer den nun vom Publikum nieder gemacht wird und total sein Ziel verfehlt hat. Und vor allem: Wird Maureen das Nervenbündel überhaupt bis vor das Mikrofon kommen?

Was da nun im Final folgte hab ich wirklich nicht erwartet. Eigentlich alle 7 Teilnehmer haben sehr positiv überrascht. Einige waren vielleicht nicht ganz so nah und typisch auf Country eingestellt aber kein einziger war total oder mindestens erheblich daneben. Auch das Publikum hat sich entsprechend von allen mitreissen oder mitgehen lassen. Speziell Maureen (Being Me) und Bobby Brown (The Man I'm Gonna Be) fand ich hatten sehr persönliche Titel und die auch sehr gut vorgetragen. Sisqo hat sich wohl leider mit einer kleinen nicht Country-mässigen Tanzeinlagen geschadet und dem Dee Snider ist sein Rockerherz und der Mittelfinger durchgerutscht. Julio (The Way I Want You) liess sich dafür zu einer kleinen Text Passage in Spanisch mitreissen was ihm aber vor allem von den weiblichen Zuschauern keine übel nahm. Die waren eh alle ganz verzückt und schwebten fast vor der Bühne.

Im anschliessenden Kommentar musste John Rich eingestehen wie gut sich alle auf Country eingestellt haben und das er damit eigentlich nicht gerechnet habe. Er hätte sich die Sache eigentlich einfacher vorgestellt, denn an ihm lag es nun einen Sieger zu benennen. Mit Ausnahme vielleicht von Sisqo und Dee Snider mit ihren Ausrutschern hätte es nun wirklich jeder sein können. Selbst Julio Iglesias Jr. welcher sich sprachlich nicht mit den reinen Amerikanern messen kann und mehr Latino als Cowboy klang war durchaus ein Kandidat. Dem Sieger winkte die Produktion des Songs durch John Rich und der will sich natürlich auch jemanden mit Zukunft auswählen und mit dem er sich nicht blamiert. Damit war für mich eigentlich Maureen wieder gestrichen den trotz dem sehr guten Lied wird die sich mit ihrer Unsicherheit nicht richtig vermarkten lassen.

Wie üblich für solche Sendungen wurde natürlich die Verkündigung des Siegers durch einen Werbeblock verzögert aber danach war es offiziell. Zum Sieger wurde tatsächlich der Gringo aus Spanien ernannt, der Julio Iglesias Jr. Und er selbst konnte es natürlich kaum glauben und alle haben sich total mit ihm gefreut. Damit habe auch ich nun nicht wirklich gerechnet aber wer weiss, vielleicht höre ich den Gringo bald über KASE 101 in meinem Radio.

Bin auch schon gespannt ob es von dieser Reality Show eine weitere Folge gibt.

Kommentare:

svennika hat gesagt…

john rich ist die eine hälfte von big&rich, falls du die noch nicht kennst (unwahrscheinlich, wenn du so viel radio hörst...), bemüh mal freund google, lohnt sich ;o) definitiv nicht soooo ein kleines licht am country-himmel...

ansonsten mal ein ganz dickes lob an dein blog, macht viel spaß, hier mitzulesen!!

Adrian hat gesagt…

Na Google kenne ich schon und habe ich auch bemueht. ;)

Neben all den anderen Grössen scheint er mir aber aus den Beschreibung heraus einfach nicht "einer der ganz grossen Stars" zu sein.

Und danke für die Blumen1

Anonym hat gesagt…

John Rich (eine Haelfte von Big&Rich) ist ein ganz Grosser im U.S. Country Geschaeft. Nicht bloss, dass er selber singt und grossen Erfolg hat, sondern er ist auch der Entdecker von Gretchen Wilson und ihr Produzent. Zudem schrieb und produzierte er fuer Keith Anderson, Cowboy Troy und Faith Hill. Auch ist er Mitbegruender und Mitglied der Muzic Mafia.

Btw - "Gone Country" wird wohl besser mit "Country geworden" uebersetzt, so im Stil von "ich werde Country". Siehe "gone mad"....verrueckt geworden.

Ansonsten vielen Dank fuer den Beitrag und den gesamten Blog.

Treme

Karla hat gesagt…

das maedel heisst Carnie Wilson, nicht Carrie - so heisst meine Putzfrau

Adrian hat gesagt…

Oh, dang it! Danke Karla, das wird gleich geaendert. Und gruss an deine Putzfrau ;)

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