Downtown Austin

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Donnerstag, 27. März 2008

Ich bin ein Berliner

Nein, eigentlich ein Amerikaner. Heute geht es um Doughnuts oder Donuts. Eine sündhaft feine Sache.

Der Titel könnte allerdings auch Zuckervergiftung heissen denn soeben hatte ich gleich drei Stück verdrückt. Mein Cheffe hier bringt in letzter Zeit immer wieder einmal solche Doughnuts mit ins Office aber wenn ich meine Nachtschicht beginne ist davon nie was übrig. Nicht so heute, da waren es eben diese drei Stück. Und da die mit dem Alter auch nicht besser werden und ich alleine war habe ich mich geopfert und sie umgehend alle drei vernichtet.

Was sind den nun genau Doughnuts wird sich manch einer fragen.

So etwas ähnliches wie Doughnuts, und höchst wahrscheinlich der Ursprung für diese, kennt man auch in der alten Heimat. Je nach dem wo man aufgewachsen ist und lebt gibt es kleine Unterschiede und heissen tun die Dinger Berliner, Krapfen oder auch Pfannkuchen. Allen gemeinsam aber ist, dass leichte Teig Ballen in Öl frittiert werden und man diese Kugeln oder Scheiben anschliessend mit irgend welcher Fruchtmasse füllt und mit Zucker bestreut.

Der wesentliche Unterschied vom Berliner (wie ich die kenne) zum Doughnut, in Amerika, sind die Varianten. Wie so vieles ist also ein Produkt aus Europa mit den Ausgewanderten exportiert worden und dann hat man ziemlich rasch begonnen damit zu experimentieren und neue Produkte zu erzeugen.

Es gibt nun einige Unterschiede in der Herstellung respektive Zusammensetzung des Teigs aber das Produkt in allen Varianten für einen echten Doughnut muss frittier-fähig sein. Im Ofen gebackene Doughnuts gibt es angeblich auch aber die werden sicherlich nicht so schmecken und luftig locker sein wie die frittierte Variante.

Typisch aber nicht exklusiv für einen amerikanischen Doughnut ist das Loch in der Mitte. Das Wort Doughnut oder besser getrennt dough + nut (Teig + Nuss) lässt darauf schliessen, dass es anfangs wirklich ohne Loch war. Wie das Loch nun in die Nuss kam darüber gibt es einige Legenden aber offensichtlich keine gesicherten Quellen. Die Quizfrage "Wer hat's erfunden?" bleibt folglich auch unbeantwortet.

Egal wer das nun erfunden hat, wie der Ring hergestellt wird oder anders gesagt das Loch in den Teig kommt ist dem Hersteller überlassen. Von einer Wurst die zum Ring geformt wird, dem Apparatus welcher Teig in Ringform ins Öl plumpsen lässt und dem Löcher stanzen mit einer Form ist alles möglich und erlaubt.

Letzteres hat noch einen speziellen Vorteil. Der kleine Ballen der mit der Form ausgestanzt wird haben einige Hersteller als eigenständige Spezialität im Angebot. Die nennen sich meistens doughnut holes (Löcher). Ob es nun Löcher sind aus tatsächlich hergestellten Doughnuts oder ob man einfach Teig Kugeln gemacht hat und diese nun als holes verkauft wollen wir nicht verraten. Soll heissen, ich weiss es nicht -- aber befürchte es und will euch nicht den Glauben daran nehmen.

Nun da wir den Ring frittiert haben kommen wir zum wesentlichen Punkt mit den Doughnuts und wo vielerorts die Qual der Wahl beginnt. Die Ringe werden überzogen mit so ziemlich allem was man sich vorstellen kann und von Kunden gewünscht wird. Da gibt es den einfachen Zucker in Kristall oder Puder Form, den Schokoguss, den Zuckerguss in unzähligen Geschmacksvarianten und der Guss entweder Solo oder besprenkelt mit zB farbigen Kügelchen, Kokosnuss oder was auch immer. Die Varianten einfach mit Guss nennen sich übrigens glazed (glasiert) und das besprenkelt heisst ähnlich wie im Deutschen nämlich sprinkled.

Wie schon erwähnt ist das mit dem Loch nicht exklusiv als Bedeutung für Doughnuts und wir haben auch noch die Doughnuts ohne Loch womit wir eigentlich wieder beim Ursprung sind. Da gibt es oft auch mehrere Varianten mit einerseits der bekannten Konfitüren Füllung aber auch mit Vanille Creme und anderen Leckereien. Ein schönes Beispiel mit einer Auswahl an verschiedenen Varianten habe ich auf der Website von Stan's Donuts gefunden. Und nach dem Blick auf deren Webpage wollen wir last but not least auch noch erwähnen, dass es noch einige andere Varianten und Formen gibt welche man hier gerne einfach auch unter dem Begriff Doughnuts ausstellt und vermarktet. Man merkt es, ganz so genau nimmt man es mit dem Begriff Doughnut nicht -- gut schmecken soll es.

Was nun zum Thema Doughnut wirklich typisch für Amerika ist und wahrscheinlich die Doughnuts auch so populär gemacht hat ist der Geschäftssinn einiger Leute hier. Während in der alten Heimat die Berliner vom Bäcker oder Konditor so nebenbei hergestellt werden, in gewissen Region angeblich sogar nur zu bestimmten Zeiten und Anlässen, gibt es dafür in Amerika einen eigenen Markt also eine grosse Anzahl an Betrieben welche fast ausschliesslich nur Doughnuts produzieren und nebenbei nur noch Kaffee oder andere Getränke anbieten und verkaufen. Und das natürlich das ganze Jahr durch, 7 Tage die Woche und oft auch 24 Stunden nonstop.

Der Geschäftssinn wäre aber nicht komplett wenn hier nicht eine Veränderung zu beobachten wäre. Vor allem die grossen Doughnut Ketten machen sich nun vermehrt im Kampf ums Frühstück bemerkbar. Vor einigen Jahren hat es mit den Hamburger Ketten angefangen welche ihr Frühstücks Angebot massiv ausgebaut haben.

Das Konzept haben die Doughnut Betriebe natürlich aufgeschnappt. Während die Hamburger Betriebe ihr Frühstück eher in Richtung oder Form von Hamburgern gestalten machen die Doughnut Betriebe ihr Frühstück in Richtung Doughnut. Ihnen kommt dabei ein ähnliches Produkt zu Hilfe, der Bagel.

Der Bagel hat die gleiche Ring Form und in etwa Grösse wie ein Doughnut ist aber ein gebackenes Produkt das einer grossen Brezel am nächsten kommt. Wobei es wieder unzählige Varianten gibt und kaum ein Bagel mit einer Brezel direkt vergleichbar wäre. Wie man das schon oft bei den Brezel sieht kann man einen Bagel bequem aufschneiden und mit allem möglichen als Sandwich belegen was man nun einzeln anbieten und verkaufen kann. Als Frühstück zum Beispiel.

Vom Ursprung her haben Doughnut und Bagel aber offensichtlich keine Gemeinsamkeit vor allem weil man den Bagel angeblich klar als jüdischen Ursprungs sieht. Wobei so 100% sicher ist man sich dabei auch nicht.

Bei der Schreibweise sieht man übrigens oft auch Donut wie ich das ganz am Anfang schon aufgeführt habe. Diese Schreibform wurde wahrscheinlich durch einige Betriebe eingeführt um sich von der Konkurrenz abzuheben. Der bekanntest Ableger dafür dürfte wohl Dunkin' Donuts sein während dem sich anderer zB Krispy Kreme Doughnuts nennen. Wer den Link zu Stan's Donuts von weiter oben anschaut wird zB auch noch feststellen, das die Web Adresse mit stansdoughnuts.com auf Doughnuts lautet. Wer denkt "ich bin clever" und stansdonuts.com eintippt, also als Donuts, landet wiederum auch auf der gleichen Website von Stan's aber trotzdem wieder mit Doughnuts.

So und nun muss ich schnell einmal um den Block spurten um die 3 mal ca. 250 Kalorien/Doughnut los zu werden. Ich hoffe das reicht. Richtig gegessen hat man davon ja noch nicht und ich habe bald schon Hunger.

Kommentare:

Torsten hat gesagt…

Hach, Donuts!
Fuettern die Seele und leider auch die Plauze.
Egal.
Es ist Sonntag morgen 7.48am und ich habe den Fehler gemacht, wieder besseren Wissens dieses Posting zu lesen.
Mein Es hat bereits mein Ich und Ueber-Ich ueberwaeltigt und ich fuehle mich unaufhaltsam zum naechsten Donut Laden hingezogen. Es ist fast so als wuerde ich ein Homing Signal empfangen.
Donuts und Kaffee - was kann es besseres geben an einem Sonntag morgen.

P.S. Letztes Wochennde - ja, da war ich auch nach Donuts auf der Jagd - habe ich uebrigens festgestellt, dass der einzige Dunkin' Donuts Laden in Austin (Hwy 183 & Oak Knoll) bis Mitte Mai wegen Renovierung geschlossen hat!!!! Das war ein unglaublicher Schocker! Denn ich bin absolut kein Fan von Krispy Creme, welches sich in relativer Nachbarschaft zu Dunkin' befindet.
Ein Notfallplan ist natuerlich schon erstellt. Somit werde ich gleich mal einen der mir bekannten, unabhaengig gefuehrten Donut Laeden mit guter Reputation aufsuchen, als da waeren: Daylight Donuts in Cedar Park oder Round Rock Donuts in - na klar - Round Rock.
So, ich muss dann nun auch direkt los!

Adrian hat gesagt…

Oh, I'm so sorry, dude!

Du kannst ja noch froh sein, dass du nicht bei mir Sueden bist, ich hab gleich zwei solche Laeden praktisch direkt vor der Tuer. Wieso ich deren beacon bisher widerstehen konnte wundert mich -- bin ich letztendlich aber froh. Zu viel davon geht unheimlich auf die Rippen.

Tanja, Herbert + Kinna von Ducati hat gesagt…

Ja, die guten Donuts - ich habe sie auch lieben und hassen gelernt. Sie sehen gut aus, sind super lecker und legen sich direkt auf die Hüften!!!
Gestern hatte ich einen Double Chocolate mit Kokosraspeln - yummi!
LG aus Orange County

Adrian hat gesagt…

Ouuh, double chocolate. Ja, das haut schoen auf die Hueften. Mit Kokos wenigstens noch etwas Fruechte dazu genommen. ;)

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