Downtown Austin

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Samstag, 8. März 2008

Tageslicht sparende Zeit

Heute in der Nacht auf Sonntag beginnt in Amerika bereits wieder eine neue Zeitrechnung. Die Uhrzeit wird um eine Stunde vor verschoben wegen der Sommerzeit.

Die Sommerzeit hat in Amerika einen eher praktischen Namen -- Daylight Saving Time, oder abgekürzt DST. Es ist die Zeit in der man Tageslicht spart. Eine Übersetzung in summertime dürfte einen Amerikaner an Sonne und Wärme erinnern. Je nach Breitengrad auch an die Monate Juni bis August oder so wie hier in Central Texas an April bis Oktober. Die Briten wiederum können das mit der Zeitumstellung in Verbindung bringen da sie sich schon sehr früh auf summertime festgelegt haben. Wahrscheinlich weil die eh nie richtig Sommer kriegen. Ha-ha! Ich wiederum denke auch etwas an Mungo Jerry. Viel Spass beim googlen.

Wenn man sich auf die Suche macht nach "Wer hat's erfunden?" kriegt man keine schlüssige Antwort. Auf alle Fälle nicht die Schweizer. Die älteste Erwähnung schreibt man einem Amerikaner zu.

Als Benjamin Franklin Abgesandter war der Dreizehn Kolonien in Frankreich machte er eine interessante Beobachtung und schrieb die in einem Essay nieder welches am April 26, 1784 in Paris veröffentlicht wurde. In diesem Essay beschreibt er wie er eines frühen Morgens im Juni erwacht ist und erstaunt festgestellt hat, dass die Sonne auch schon auf war. Gemäss dem Text muss man annehmen, dass zur damaligen Zeit kein Pariser Mensch in Paris vor 12 Uhr Mittags aufgestanden ist. Er hat dann im weiteren darüber spekuliert was geschehen würde wenn man wirklich 6 Stunden früher aufstehen würde und entsprechend auch nicht so spät bis in die Dunkelheit wach bliebe. Da man damals den Tag resp. natürlich das Licht fast ausschliesslich mit Kerzen verlängerte konnte er relativ simpel eine Rechnung erstellen und das Sparpotenzial aufzeigen. Er hat dann gleich noch einige weitere Sachen vorgeschlagen aber insgesamt soll dieser Text mehr eine humoristische Beobachtung gewesen sein als ein konkreter Vorschlag. Er wurde de facto auch nie umgesetzt und man findet keine Angaben das es irgendwo auch nur im Ansatz ernsthaft diskutiert wurde. Zu der Zeit hatte man wohl auch noch andere Sorgen als ein paar Kerzen in die Luft verpuffen.

Der nächste Vorschlag war dann von William Willett, einem Engländer, welcher 1907 bei einem frühmorgendlichen Spaziergang feststellte wie viele Fenster Läden geschlossen sind. Er schrieb dann ein Pamphlet mit dem Titel "The Waste of Daylight", also die Verschwendung von Tageslicht. Er beklagt, dass man sich mittlerweile zu stark an die Uhr und damit an die Standard Zeit gewöhnt habe welche auf die Jahreszeiten keine Rücksicht nimmt. Auch er fügt dann einige Rechnungen an was man dabei in England und Ireland sparen könnte. Er wollte die Zeit insgesamt um 80 Minuten verschieben jedoch in einzelnen Abschnitten von je 20 Minuten. Willett der 1915 verstarb hat nicht mehr erlebt wie sein Vorschlag umgesetzt wurde. Im Jahre 1916 wurde es von der britischen Regierung in Kraft gesetzt wegen dem Ersten Weltkrieg. Es waren dann allerdings einmalig 60 Minuten und gleichzeitig hat man es umbenannt und als British Summer Time definiert. Viele Länder folgten dem Beispiel und auch alle hörten damit wieder auf nach dem Ende des Krieges.

Irgendwie traurig aber wahr, das gleiche Spiel ging dann wieder los mit dem zweiten Weltkrieg. England führt dabei zeitweilig sogar eine Double Summer Time ein, also gleich um zwei Stunden. Mit Kriegsende war dann bei allen Länder auch wieder Schluss mit der Zeitumstellung.

In den folgenden Jahren haben viele Länder unterschiedlich mit der Sommerzeit experimentiert. Selbst die einzelnen Staaten in Amerika haben sich unterschiedlich bemüht die Zeit umzustellen. Das hat natürlich zu einem grossen Durcheinander geführt so dass man sich auf Bundesebene auf eine Lösung besinnen musste. Und die Lösung: Die Staaten sind im Prinzip frei ob sie Sommerzeit wollen oder nicht aber dann bitte schön gleichzeitig. Festgehalten wurde dies im sogenannten Uniform Time Act von 1966. Ergänzt wurde es 1986 wobei der Beginn im April vom Ende auf den Anfang des Monats verlegt wurde.

Seit dem letzten Jahr haben wir nun eine weitere Änderung durch den Energy Policy Act von 2005. In diesem Act, was man mit Gesetz und nicht als Akt übersetzt, wurden nebst vielen anderen Sachen auch die Zeiten für die Umstellung neu festgelegt. Man erhofft sich natürlich und dem Titel des Gesetzes entsprechend weitere Energie Ersparnis. Hier gehen bei vielen aber die Meinung auseinander, dazu aber gleich mehr. Unterschrieben werden musste das Gesetz natürlich vom amtierenden Präsidenten also George W. Bush. Umgesetzt wurde es zum ersten Mal im letzten Jahr.

Wie angetönt, der Sinn der neuerlichen Verschiebung und Einsparung wird angezweifelt. Dieser act beinhaltet daher im Bezug auf die Umstellung noch ein interessantes Detail mit folgendem Text
(d) Right TO Revert.—Congress retains the right to revert the Daylight Saving Time back to the 2005 time schedules once the Department study is complete.
Es gibt also eine Studie welche herausfinden soll ob nun wirklich Energie damit gespart wird. Sollte das negativ ausfallen behält sich der Kongress vor den Zeitplan wieder auf die Zeit von 2005 festzulegen. Mit dem Department ist übrigens das Department of Transportation gemeint. Das die Umstellung im Sinne von Energie Ersparnis von einigen grundsätzlich angezweifelt wird muss man wohl kaum erwähnen.

Einen guten Plan für die Umstellung in Amerika findet man bei Wikipedia unter Time in the United States. Da sind einerseits die Zeitzonen aufgelistet, die zukünftigen Termine und auch die Ausnahmen. Mit etwas gutem Willen kann man sich sogar die Zeitverschiebung oder Zeitdifferenz ausrechnen. Bei den Zeitzonen kann man im übrigen feststellen, dass die nicht überall den Staatsgrenzen entlang verlaufen. El Paso County, obwohl in Texas, gehört zum Beispiel nicht zur Central Time Zone sondern zur Mountain Time Zone. Die Zeitzonen sind definiert im Code of Federal Regulations (CFR) im Titel 49, Part 71

Eine sehr gute Zusammenfassung zur Tageslicht Zeit in Englisch gibt es bei der California Energy Commission. Kalifornien möchte nämlich auch gerne eine eigene Schiene fahren bei der ganzen Umstellung. Aber darauf lassen wir uns in diesem Blog nicht ein. Was interessiert uns den schon Kalifornien. This is Texas!

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