Downtown Austin

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Donnerstag, 3. April 2008

Nix Kaninchen

Schon ein paar mal habe ich angedeutet, und als ganzes ua hier berichtet, was hier in der Gegend so kreucht und fleucht.

Im besagten Link habe ich kurz erwähnt, dass ich wahrscheinlich schon mal einen coyote (Kojoten) gesehen habe. Seit damals habe ich den oder einen anderen noch zwei weitere male gesichtet und bin seither ziemlich sicher, dass es wirklich ein coyote war.

In den vergangenen Tagen habe ich selber zwar keinen gesehen aber in der lokalen Zeitung, dem Austin-American Statesman, gleich drei Artikel zum Thema.
  • Am 24.03. wegen einer Attacke auf einen Hund
  • Am 27.03. hat Mike Leggett welcher immer wieder etwas interessantes zu Outdoors und Wildlife berichtet in Central Texas mit einem Artikel auf den Vorfall reagiert
  • und am 30.03. hat Mike gleich nochmals nachgedoppelt weil er so viele E-Mails auf seinen Bericht vom 27.03. erhalten hat
Wollen wir uns heute also dazu mal etwas schlau machen. Zur Attacke kommen wir nur am Rand und schauen uns primär die Information von Mike an verbunden mit ein paar Dingen welche ich sonst aus dem Internet zusammen gekratzt habe.

Im zweiten Artikel gibt es folgende Kurzfassung
The coyote is a slender, doglike carnivore that ranges over the entire state of Texas. It is a very sly animal, generally solitary and opportunistic. It has survived well despite persecution from man.
Auf gut Deutsch in etwa übersetzt
Der Kojote ist ein schlanker, hundeähnlicher Fleischfresser welcher in ganz Texas anzutreffen ist. Er ist ein sehr schlaues Tier, normalerweise Einzelgänger und opportunistisch. Er hat sehr gut überlebt trotz Verfolgung durch den Menschen.
Den Begriff carnivore könnte man auch als Raubtier übersetzen was gemäss Wikipedia nahe liegt allerdings wird im Englischen für das Raubtier üblicherweise das Wort predator gebraucht. Wobei der predator auch wieder je nach Kontext nur Jäger sein kann und pikanterweise auch für (primär wohl) Männer welche Kindern oder Jugendlichen nachstellen verwendet wird. Ich sage es ja immer, übersetzen ist die Hölle.

Mike versucht den Lesern nun im ersten Artikel klar zu machen, dass wir mit den coyotes einfach leben müssen. Wir leben zB in Austin quasi mitten im Wald oder besser gesagt sogar Wildnis. Es gibt selbst in zentrumsnähe grosse Gebiete welche fast unberührte Natur sind. Darin hat es Rehe, Hasen und vieles mehr.

Gestern Nacht bin ich während der Arbeit kurz hinaus und habe mir und meinem Hund Lucky etwas Bewegung verschafft. Plötzlich war Lucky total aufgeregt und da sah ich in der Ferne gerade noch etwas im Gehölz verschwinden. Vermutlich ein Armadillo oder Opossum. Das Areal ist umschlossen von einigen Hektaren unberührter Wildnis. Wenn wir lange genug warten erleben wir solche Begegnungen auf dem Parkplatz fast jede Nacht.

Die Nacht zuvor sind mir bei der Heimfahrt am Morgen kurz vor meiner Wohnung eine Gruppe von etwa 6 whitetails, eine Art kleiner Hirsch mit weissem Hintern, vor das Auto und quer durch die Zufahrt marschiert. Und gerade heute beim Spaziergang hinter dem Haus hat sich plötzlich ein Hase oder Kaninchen von 0 auf 100 aus dem Staub gemacht. Lucky hat aus seiner niedrigen Position nicht wirklich mitbekommen was passiert ist. Und eben vor einiger Zeit hatte ich fast an gleicher Stelle die coyotes gesichtet. Nun aber zurück zu Mike und dem Artikel.

Versuchte man coyotes zu jagen haben sich diejenigen welche man nicht sofort erwischt hat instinktiv aus der betreffenden Region zurückgezogen. Herrscht wieder Ruhe kehren sie zurück. Es kann noch schlimmer werden denn wenn die Population im Revier nachlässt wird einfach mehr Nachwuchs gezeugt. Das bezieht sich dann wohl auf den Begriff opportunistic in der kurzen Einleitung.

Der coyote ist auch dem "normalen" Hund bei weitem überlegen. Die Frau deren Hund angegriffen wurde war überrascht das der coyote wohl einen 5-foot fence, also einen etwa 1,5 Meter hohen Zaun, überwunden hat. Mike hat das nicht erstaunt. Vor 15 Jahren hat er ein Interview geführt mit einem Biologen welcher einen coyote aufgezogen hat. Der coyote soll eines Tages auf die Garage und von dort durch die offene Tür in den Dachstuhl gesprungen sein und Mäuse gejagt haben. Er gab zwar keine Angaben über die Höhe welche das Tier überwinden musste aber man kann sich in etwa vorstellen, dass dies kein normaler Spaziergang ist.

Wenn es zur Konfrontation kommt zwischen Hund und coyote hat selbst ein grösser Hund keine Chance. Und coyotes kommen immer mehr in die Nähe von Hunden und wie Mike im zweiten Artikel ergänzt liegt die Schuld beim Mensch selbst. Der coyote hat auch Abfall als Nahrungsquelle entdeckt und macht Jagd auf die Überresten unserer Gesellschaft. Man darf auch das wohl opportunistic nennen.

Bei der weiteren Suche nach Information habe ich noch einige andere Sachen gefunden. Interessant fand ich, dass es coyotes nur in Nord- und Mittelamerika gibt. Wie das Verhältnis zum Wolf steht und damit eigentlich auch zum Hund wurde leider nirgends aufgezeigt. Geht man dem Stammbaum nach respektive der Ordnung und Gattung ist der Hund mit dem coyote identisch wie auch dem Wolf. Sie alle sind unter der Gattung Canis aufgelistet und da komme ich auch noch gleich auf eine Besonderheit in der englischen Sprache hin. Und es ist etwas verwirrend. Fangen wir noch einfach an.

Es gab 1989 einen Film mit James Belushi mit dem deutschen Titel "Mein Partner mit der kalten Schnauze" und der hiess im englischen Originaltitel schlicht und einfach: K-9. Wer den Film gesehen hat wird wissen, dass dies nun nicht für K-neunchen oder Ka-ninchen stehen kann. Die Bezeichnung K-9 kann man auch immer wieder einmal auf einem Polizeiauto in Amerika finden. Ich bin sogar der Meinung, dass ich das irgendwann einmal sogar noch in der alten Heimat gesehen habe. Dieses K-9 wird mancher nun kennen oder interpretieren als Bezeichnung für einen Polizeihund; aber was steckt dahinter. Die Hunde, also Mehrzahl, oder die Rasse allgemein so als ganzes hört man hier auf Englisch sehr oft bezeichnet als canine. Das Wort canine klingt nun nicht nur, nein man kann es auch als K für ca und 9 für nine, schreiben. Et voila! Das war noch einfach, oder?

Wenn ich nun aber die Rasse oder Gattung canine nachschlage sind im biologischen Sinne damit nicht ausschliesslich die Haustiere gemeint sondern so ziemlich alles in dieser Richtung von Schakal und Fuchs bis zum Wolf und eben den Kojoten. Etwas aus den Socken gefallen bin ich dann als ich zum deutschen Gegenstück von canine gesucht habe. Das deutsche Wort ist tatsächlich Hund und da wird offensichtlich biologisch auch alles darin aufgenommen. Der Hund den wir im Deutschen so brauchen ist richtigerweise "nur" der Haushund. Irgendwie erstaunlich das man sowohl Deutsch wie Englisch es mit den Begriffen nicht so genau nimmt.

Und wenn wir schon etwas beim vermischen der Rassen oder Gattungen sind noch folgendes das ich gefunden habe. Der Wolf macht auf die coyotes gelegentlich jagt und das vor allem im Streit ums Territorium wo der Wolf natürlich Vorrang geniesst. Durch die Jagd auf den Wolf und quasi Ausrottung durch den Menschen konnte sich der coyote wiederum entfalten. Auch interessant, coyotes sollen sich gelegentlich auch mit Hunden und eher selten mit Wölfen gepaart haben.

Ach ja, und Katzen sollen auch keine Chance haben. Also euren Garfield hier vielleicht nicht unbedingt frei rumtigern lassen. Genau so wie kleine Hunde. Der Hund der übrigens angegriffen wurde, Mr. Jingles, war ein Chihuahua und wird von der Besitzerin seither vermisst. Ich weiss ja warum ich meinen Lucky immer an der Leine halte.

Kommentare:

Steffi hat gesagt…

danke fuer deinen kommentar auf meiner seite adrian. es freut mich dass du bei mir mitliest, und es wuerde mich noch mehr freuen wenn du in zukunft auch den ein oder anderen kommentar hinterlassen wuerdest. ich nehme mir vor das gleiche zu tun, werde jetzt oefter bei dir mitlesen. ganz liebe gruesse aus AZ!

Adrian hat gesagt…

Hodwy,
nur zu mit den comments. wenn du in deinem archive etwas suchst solltest du eigentlich ein, zwei oder vielleicht sogar drei comments von mir finden.

gruss nach Arizona

Anonym hat gesagt…

Lateinisch:

Canis, -is, m - der Hund

Gruss
Treme

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