Downtown Austin

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Freitag, 27. Juni 2008

Erst Schiessen dann Fragen

Heute etwas zu einem Klischee. Vorab aber vielleicht schnell was ist den ein Klischee. Dazu aus der Wikipedia

Ein Klischee ist eine überkommene Vorstellung oder ein eingefahrenes Denkschema, eine abgedroschene Redensart oder vorgeprägte Ausdrucksweise, ein überbeanspruchtes Bild (Stilmittel), das sich auf eine entweder regelhaft wiedererkennbare oder äquivalent dazu häufig zugeschriebene gemeinsame Eigenschaft einer Menge von Personen, Objekten etc. (konkret einer Menge von Individualbegriffen) bezieht und auf welche das Klischee demnach angewendet werden kann.
Wow! Man beachte: das ist alles ein Satz!

Im Englischen ist es übrigens auch ein Klischee allerdings wird die französische Schreibweise beibehalten. Die Aussprache bleibt daher fast wie im Deutschen ausser das am Ende noch ein schwaches I angehängt wird. Die Bedeutung ebenfalls aus Wikipedia jedoch der Englischen:
A cliché is a phrase, expression, or idea that has been overused to the point of losing its intended force or novelty, especially when at some time it was considered distinctively forceful or novel.
Etwas kürzer, oder?

Das oder ein cliché über die Amerikaner beinhaltet, dass sie so übertrieben freundlich sind und sich immer und überall erkundigen wie es einem den auch geht und so. How are you?, How is it going? oder auch How are you doing? heisst die oft gestellte Frage. Der verwirrte deutschsprachige Mittel Europäer, kaum zum ersten Mal in Amerika, kriegt Schweiss Ausbruch und weiss nicht wie er mit seinen mageren Sprachkenntnissen seinen Wesenszustand beschreiben soll. Mancher wundert sich vielleicht auch noch wie man einen wildfremden Menschen fragen kann wie es ihm denn geht. Es scheint doch schon etwas intim wenn nicht sogar frech zu sein, oder?

Ich könnte nun seitenlang schreiben über die verschiedenen Variationen und Möglichkeiten. Einen Ratgeber sozusagen, wie Grüsse ich die Amerikaner richtig und all die Unterschiede zur alten Heimat aufzeigen. Oder den Grund und allfällige Herkunft dieser Freundlichkeit finden. Ich überlasse das gerne anderen Wissenschaftlern Bloggern. Ich bringe hier nur eine kleine Sache welche mich selbst nach mehr als zwei Jahren immer wieder einmal vor Probleme stellt. Ach nein, eigentlich kein Problem -- mehr verwunde(r)t.

Als Vergleich oder weshalb überhaupt zuerst die alte Heimat. Wenn ich damals zB mit meinem Hund spazieren ging und mir jemand entgegen kam beginnt zuerst einmal das Problem mit dem Augenkontakt. Da wird man oft erst auf den letzten paar Metern angeschaut. Dann passiert eine von zwei Möglichkeiten:
  • Variante 1: Leider viel zu oft, die andere Person schaut sofort wieder weg. Dem Gesichtsausdruck nach könnte man meinen die Person ist soeben bei einem peinlichen Vorfall erwischt worden. Der Kopf wendet sich ab und die verbleibenden zwei Schritte bis man vorbei ist werden grosser und schneller um der angespannt Situation noch schneller zu entkommen. Hier einer solchen Person nun einen einfachen Gruss wie "Hallo" zu sagen wird in den seltensten Fällen erwidert. Oder die Person ist so geschockt, dass die Luft Zufuhr durch die Stimmbänder blockiert ist und keine Silbe mehr heraus kommt.
  • Variante 2: In Millisekunden beginnt etwas, fast wie bei einem Duell im Wilden West. Wer zuckt zuerst mit der Lippe? Ein einfaches Zucken mit der Lippe - Zieh! - und schon zuckte es beim Gegenüber und er oder sie schiesst einem einen Gruss entgegen. Natürlich hat man das erwartet und schiesst ebenfalls blitzschnell seinen Gruss auf sein Gegenüber ab. Sehr oft brauchte es eine Zeitlupenaufnahme um festzustellen wer nun zuerst seinen Gruss losgeworden ist. Der Zeitpunkt des ersten Zuckens übrigens ist meistens so exakt gesetzt, dass man beim letzten Hauch des Grusses auf gleicher Höhe ist. Jede weitere Kommunikation wird damit elegant unterbunden.
Dieses Duell kann man natürlich schön manipulieren -- zur eigenen Belustigung. Sobald der Augenkontakt hergestellt ist und klar ist, dass die andere Person dem Duell nicht ausweicht zuckt man und feuert seinen Gruss ab. Die andere Person vermag in den meisten Fällen nicht mehr richtig zu reagieren. Die Augen sind vor Schreck und Überraschung weit aufgerissen. Volltreffer! Der vorbereitete Gruss bleibt vorerst im Hals des gegnerischen Duellanten stecken. In den meisten Fällen vermag der Gruss dann doch noch zu entweichen. Allerdings geht er ins Leere da man sich schon passiert hat. Auf dem eigenen Gesicht macht sich der Ausdruck des Triumphs breit. Gotcha!

Ob meine etwas anderen Erfahrungen hier nun in ganz Amerika gelten weiss ich leider nicht. Bei meinen damaligen Reisen waren die Bedingungen auch anders. Und es hat auch jetzt etwas Zeit gebraucht bis es mir aufgefallen ist. In meiner unmittelbaren Umgebung spielt sich das Ganze auf jeden Fall wie folgt ab.
  • Variante 1: Dafür, dass Amerikaner dem cliché nach so überaus freundlich sind geschieht diese Variante leider unerwartet oft. Jedoch mit einem kleinem Unterschied. Kein Augenkontakt! Selbst nicht im letzten Moment schwenken die Augen noch kurz zu mir herüber. Totale Ignoranz. Man kommt sich vor wie Luft oder ein Geist. Etwas überraschend auch, dass es dem Gefühl nach mehrheitlich Frauen sind. So nach dem Motto, "Wah, ein Mann! Bloss schnell weg hier." Dabei kennen die mich doch gar nicht. Woher will die wissen das ich nur das eine will? Versteh ich nicht. Ich will doch nur "Hallo" sagen.
  • Variante 2: Die ist angenehmer ... oder sagen wir besser positiver. Sie hinterlässt mich nämlich selbst nach zwei Jahren immer noch als Verlierer. Das ist nicht angenehm, oder? Das Problem hier ist ... es wird sofort geschossen! Kaum ist der Augenkontakt hergestellt und sei man noch so weit weg schallt einem aus der Ferne der Gruss entgegen. Hier im Süden meistens ein "How's it going?" Ich weiss nicht was die grösste Entfernung war aber jemand hat mich sicher schon aus weit mehr als 10 Metern gegrüsst. Man berücksichtige dabei auch noch, dass man speziell hier in Texas langsamer zu Fuss unterwegs ist. Da müsste man noch 20% dazurechnen - von jeder Seite! Die Hitze und ein strammer Schritt passen nicht so wirklich zusammen hier im Süden. Nur so nebenbei bemerkt.
Ich würde ja nur zu gerne mal wissen wie der Amerikaner im Normalfall so auf die Frage den Gruss antwortet. Aber ich habe keine Ahnung. Ich habe es glaube noch nie geschafft zuerst abzudrücken und wenn dann war der andere wahrscheinlich meistens auch alien (Ausländer). Ha, da kriege ich sie alle!

Aus meinen angeborenen Gewohnheiten der alten Heimat zum Duell bin ich aber gegenüber Einheimischen grundsätzlich immer zu spät. Wenn mein Instinkt denkt "jetzt bin ich nah genug" und mein Blick beginnt sich auf die entgegenkommende Person zu richten stehe ich bei der schon voll im Fadenkreuz. Boom! "How's it going?" - "Dude, gimme a break! Don't you see ... I'm bleeding here!"

Vielleicht kommt das hier in Texas alles noch von früher und liegt irgendwie am Wilden Westen. Damals hatte man sich sicher schon auf Schussdistanz gegrüsst und abgeschätzt was der andere für Absichten hat. Man weiss ja nie! Je nach Situation hat man wohl sogar erst geschossen und dann gefragt. Da macht dann die Frage "How are you doing?" sogar richtig Sinn, oder?

Ich frage mich sehr oft wie das hier vor mehr als 150 Jahren für die ersten Siedler gewesen sein muss. Da hatte man das Gesetz noch sprichwörtlich in der eigenen Hand.

Freitag, 20. Juni 2008

Jetzt geht's abwärts

Ab heute Nacht geht es wieder bergab -- mit der Sonne. Um 23:59 UTC hat die Sonne ihren Höchststand erreicht und die Meteorologen beginnen nun auch offiziell vom Sommer zu sprechen. Aufgrund dieser Angabe in UTC ist das in der alten Heimat schon zwei Stunden später und damit am nächsten Tag, dem 21. Juni. Hier in Central Texas ist das aber schon 5 Stunden früher -- oder muss man 'später' sagen -- am 20. Juni am späten Nachmittag.

Für die deutsche Bezeichnung "Sonnenwende" gibt es kein direktes Wort im Englischen. Der Fachbegriff solstice scheint das gängige Wort zu sein oder allenfalls midsummer respektive midwinter. Zumindestens meine Erfahrung soweit aufgrund der Wörterbücher den die lieben Kollegen hier waren alle etwas verzweifelt auf meine Frage wie das den heisst wenn die Sonne kehrt macht am Himmel. Ist hier in Texas vielleicht auch nicht so wichtig; die Sonne brennt hier schliesslich schon seit Wochen vom Himmel.

Warum mir das ansonsten ein Blog Eintrag wert ist und was da speziell oder anders sein soll in Amerika? Es gibt dabei tatsächliche ein oder zwei Dinge welche dem durchschnittlichen Mitteleuropäer nicht so ganz bewusst sind.

Ich verweise dabei als erstes auf meinen Eintrag zu den Breitengraden, sprich der Lage in Breite von Amerika auf dem Globus. Ein zweiter Verweis folgt.

Während die Lage von Mitteleuropa den Tag so lang und die Nacht so kurz macht im Sommer ist das vor allem für Regionen im Süden der USA einiges anders. Die Nähe zum Aquator -- oder ist es die Entfernung zum Nordpol? -- gibt uns hier nicht soo viel mehr Tageslicht. Einige Vergleiche zu Sonnenaufgang und Sonnenuntergang gefällig?

Also, (bei wunderground.com übrigens nachzuschlagen) hier zuerst einige Beispiele zu Städten in Amerika:
  • Miami: Rise 6:30 AM EDT - Set 8:15 PM EDT (13:45 Stunden)
  • Austin: Rise 6:29 AM CDT - Set 8:35 PM CDT (14:01 Stunden)
  • Los Angeles: Rise 5:42 AM PDT - Set 8:07 PM PDT (14:25 Stunden)
  • San Francisco: Rise 5:48 AM PDT - Set 8:34 PM PDT (14:46 Stunden)
  • New York: Rise 5:24 AM EDT - Set 8:30 PM EDT (15:06 Stunden)
  • Chicago: Rise 5:16 AM CDT - Set 8:29 PM CDT (15:13 Stunden)
Und nun zum Vergleich einige Städte im Mittleren Europa:
  • Zürich: Rise 5:28 AM CEST - Set 9:26 PM CEST (15:58 Stunden)
  • Wien: Rise 4:53 AM CEST - Set 8:57 PM CEST (16:04 Stunden)
  • Paris: Rise 5:45 AM CEST - Set 9:58 PM CEST (16:13 Stunden)
  • Frankfurt: Rise 5:16 AM CEST - Set 9:38 PM CEST (16:22 Stunden)
  • London: Rise 4:44 AM BST - Set 9:22 PM BST (16:38 Stunden)
  • Berlin: Rise 4:43 AM CEST - Set 9:33 PM CEST (16:50 Stunden)
  • Hamburg: Rise 4:49 AM CEST - Set 9:53 PM CEST (17:04 Stunden)
Zwischen Miami und Hamburg besteht also ein Unterschied von mehr als 3 Stunden. Selbst zwischen Zürich und Chicago, was schon ziemlich hoch im amerikanischen Norden ist für mich, noch 45 Minuten. Dieser Unterschied ist nun wahrscheinlich nicht so gravierend für das Leben in Amerika als vielmehr ... die Zeit vom Sonnenuntergang.

Man beachte, dass praktisch überall spätestens um 8:30 Uhr Abends die Sonne am Horizont verschwunden ist. Und das trotz Sommerzeitumstellung! Diese daylight savings time (DST), wie sich die Sommerzeit in Amerika nennt, hat also für die meisten Amerikaner eine viel grössere Auswirkung und Bedeutung. Ohne DST wäre es praktisch überall in Amerika bereits um 8 Uhr Abends schon dunkel.

Die Nähe zum Äquator verursacht nämlich noch einen weiteren Unterschied ... die Sonne verschwindet schneller am Horizont. Man beachte dazu die Zeiten bei den twilight (Dämmerung) Phasen. Die sogenannte civil twilight (bürgerliche oder auch zivile Dämmerung) zB in Hamburg ist um 10:47 PM CEST. Das sind 54 Minuten nach dem effektiven Sonnenuntergang! Bei mir in Austin dauert das ganz -- 9:03 PM CDT -- gerade mal 28 Minuten. In Miami, am Zipfel von Florida noch etwas südlicher (8:41 PM EDT) nur noch 26 Minuten. Umgekehrtes gilt natürlich am Morgen und total könnte man bei diesem konkreten Vergleich nochmals eine Stunde Differenz beim Tageslicht dazu rechnen als Unterschied. Und wer den Sonnen Auf- oder Untergang und die Dämmerung fotografieren will muss sich beeilen.

Das soll nun aber nicht heissen, dass es hier keine Gegner der Zeit Umstellung gibt. Zu dieser DST hatte ich auch schon einen Eintrag und damals einige negative Stimmen gelesen. Wer das nochmals auffrischen will also den Link anklicken.

Diese ganze Geschichte mit dem kürzeren Tag oder längeren Nacht hat natürlicher wiederum einen positiven Effekt wenn das Pendel um schlägt, im Winter. Die Tage sind dann nicht ganz so kurz ... und grau!

Der Sommer hat hier notabene in Central Texas schon lange Einzug gehalten. Das Hoch welches ich schon mal vermeldet hatte ist nach einem kurzen Kollaps von etwa einem halben Tag schon voll präsent. Keine Störung aus dem Norden bringt uns Abkühlung und Regen.

Die Meteorologen vermelden mittlerweile fast jeden Tag einen neuen oder zu mindestens einen eingestellten Temperatur Rekord. Meine Anzeige zu Hause gab bis Montag noch die höchste Temperatur vom letzten Jahr an mit 100.4 Grad Fahrenheit. Das sind ziemlich genau 38 Grad in Celsius. Letztes Jahr war ja nun nicht so die grosse Hitzekammer. Am Montag hatte ich aber 102.1 °F auf der Anzeige, fast ein Celsius Grad mehr: 38.94 °C! Gestern sogar noch 3 Zehntel drauf, 102.4 °F -- 39.1 °C.

Selbst das Wasser im Pool ist nicht mehr erfrischend. Die sollten da mal eine Wasser Kühlung einbauen oder am Morgen eine Ladung Eis rein schmeissen.

Heute gab es wenigstens mal eine kurze Abkühlung, der Guss vom Himmel blieb jedoch aus. Das obwohl der Regen Radar eine grosse Zone auf dem Weg Richtung Austin angezeigt hat in der Nacht. Wie magisch haben sich diese Niederschläge kurz vor der city limit (Stadtgrenze) in nichts aufgelöst.

Vor die Tür zu gehen war heute fast ein ganz neues Gefühl. 86,7 Grad Fahrenheit -- irgendwie fröstelt es mich.

Mittwoch, 18. Juni 2008

Tiger Knie

Heute einmal der "etwas andere" Englisch Unterricht.

Der Golf Spieler Tiger Woods ist momentan mit seinem Knie das grosse Thema im Sport und überhaupt den Nachrichten. Sein Titelgewinn vom Montag, vor allem die Art und Weise, schon Nebensache.

Wer das hier in Amerika sieht und liesst wird natürlich mit einigen Fachbegriffen rund ums Knie konfrontiert. Da war zB einfach von der Abkürzung ACL zu lesen. Ich habe darauf diesen Link gefunden welcher alles in Englisch sehr gut erklärt. Alles weitere und auch die Übersetzung in deutsche Begriff kann sich dann jeder selber heraus suchen irgendwo. Mehr gibt's nicht, bin schliesslich kein Mediziner und will mich nicht blamieren.

Ich will mich schon lange mal ernsthafter mit Golf beschäftigen -- aber bei dem Verletzungsrisiko? Bin ja auch nicht mehr der Jüngste.

Donnerstag, 12. Juni 2008

Düstere Aussichten

Mittlerweile sind es schon ein paar Wochen her da habe ich im Fernsehen zu meiner Überraschung den Hinweis erhascht, dass ESPN die Euro08 Live übertragen wird. Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Geistig habe ich mich schon auf Fussball Abstinenz eingestellt.

Den Sender ESPN (Entertainment and Sports Programming Network) kann man ganz knapp mit Eurosport in der alten Heimat vergleichen. Da die amerikanische Fernseh Landschaft natürlich etwas anders aussieht, hauptsächlich wegen der einheitlichen Sprache Englisch, ist der Sender aber viel populärer. Vor allem konnte der Sender sich besser durchsetzen weil er Verträge mit grossen Sportveranstaltungen in Amerika machen konnte. Etwas das Eurosport in Europa wohl nicht gelingen kann. ESPN ist praktisch in allen Sportarten präsent und hat Übertragungsrechte. Mittlerweile gehört es zum Konzern von Walt Disney wie auch ABC, eine der vier grossen Fernsehanstalten. Daher gibt es auch eine gewisse Symbiose zwischen den beiden Kanälen.

Nebst dem Hauptsender ESPN gibt es einen zweiten Sender namens ESPN2 plus noch einige weitere Sender zu speziellen Themen. Die Euro08 zeigen sie nun vollumfänglich; mehrheitlich auf ESPN2 mit Ausnahme einiger wenigen Spiele welche sie auf ESPN Classic übertragen. Letzterer ist vom Namen her nun wohl etwas widersprüchlich aber normalerweise bringen sie da wirklich Aufzeichnungen von früher. Viel früher! Legendäre Boxkämpfe mit zB Mohammed Ali oder auch Mike Tyson. Biographien über Sportler oder andere besondere Zeitdokumente im Sport. Immer wieder mal interessant solche Dinge zu sehen. Zurück aber in die Gegenwart und Zukunft.

Der einzige Nachteil mit ESPN Classic und der Euro08 ist nun, dass diese paar Fussball Spiele nicht in High Definition sind sondern Standard. Auf ESPN2 gibt es jedoch vollen HD Genuss in 16:9 und 720p.

Im Prinzip ist mir das aber mehrheitlich egal. Die meisten Spiele kopiere ich auf meinen Archos Media Player wo ich zwangsweise HD verliere und somit leider einen herben Qualitätsverlust hinnehmen muss. Dafür kann ich das dann anschliessend im Geschäft und der Nachtschicht auf meinem Computer Monitor ansehen. Auch nicht schlecht, oder? Und dazu reicht die Qualität allemal. Dabei kommt mir in den Sinn: Zu dem Archos wollte ich eigentlich mal einen Bericht schreiben. Ist nicht übel das kleine Ding.

Letzte Woche als ich bei meiner Bank war kam ich mit dem banker auch auf die Euro08 kurz zu sprechen da er meine Herkunft natürlich erkannt hatte. Er kam mit 6 Jahren hier her, ist selbst erst seit 3 Jahren Amerikaner und ursprünglich aus Honduras. Er sei schon richtig gespannt hat er mir erzählt und setzt auf Portugal weil er den Cristiano Ronaldo dort so toll findet.

Am Montag als ich im office die Franzosen gegen Rumänien geschaut habe kam mein Kollege kurz vorbei welcher bis 10 Uhr ausharren musste. "Ah, that's the French against, ehm ... ehm" - "Rumania" - "Right. I saw 'em earlier today." Hat er sich die erste Halbzeit also zuhause noch angeschaut bevor er dann zur Arbeit musste. Wären die Spiele wegen der Zeitverschiebung nicht während dem Tage täte vielleicht manch einer in Amerika die Euro08 auch schauen. Wobei am Abend gäbe es wiederum genug anderes zu schauen im Fernsehen. Who cares anyway?

Ich selbst schaue es mehr noch aus alter Gewohnheit. Meine helvetische Elf hat gestern fast wie erwartet schon ausgespielt. Von all den anderen Spielen war noch keines so richtig berauschend. Die Holländer gegen Italien war noch okay.

Während ich den Blog schreibe kicken die Österreicher und die Polen auf dem zweiten Monitor. Ein Tor hat es soeben gegeben; die Weissen, dass sind glaub die Polen, oder? Ein Auge schweift immer noch auf den dritten Monitor wo ein Programm stumm seine Arbeit tut. So habe ich fast richtig Stress im Moment. Drei Sachen gleichzeitig. Wow! Die Niederlage der Deutschen gegen Kroatien habe ich auch schon hinter mir. Selbst das hat mich nicht einmal mehr gross bewegt.

In zwei Jahren wäre dann schon wieder WM Zeit. Mal schauen ob mich die noch interessieren wird. Keine Ahnung wo die überhaupt statt findet. Auf jeden Fall und mit Sicherheit nicht in den USA. Für die Euro12 sehe ich mittlerweile aber schon fast schwarz. Zumal ich dann soo lockere Arbeitsbedingungen sicher auch nicht mehr haben werde. Schön wär's ja, irgendwie!

Donnerstag, 5. Juni 2008

Luftiges Sandwich

Kürzlich habe ich irgendwo in einer Online Zeitung der alten Heimat gelesen, dass man eine erste Hitzewelle erwartet. Wenn ich die Daten der letzten paar Wochen anschaue sollte diese Welle genau ein Tag lang gewesen sein, der 27.05. mit 29 Grad. Wow, 29 Grad Celsius!

Davon ist mittlerweile wohl nichts mehr übrig wenn ich mir den forecast für die kommenden paar Tage so ansehe. Ein Tag knapp über 20 Grad Celsius ansonsten immer schön drunter und für Dienstag soll es sogar nur knapp über die 10 Grad gehen. Und in der Nacht immer schön unter die 10er Grenze. Brrr!

Seit etwas mehr als zwei Wochen haben wir hier in Central Texas so richtig schön warm über dem Durchschnitt. An einigen Tagen hat es sogar für Rekord Werte gereicht. Zum Vergleich: An jenem 27.05. zum Beispiel hatten wir mit 99 °F, das ist in etwa Körpertemperatur, auch den bisherigen Rekord 97 °F/36 °C (1958) verdampft. Ungewöhnlich ist das also nicht und die durchschnittliche Höchsttemperatur ist auch nicht schlecht mit etwa 89 °F (31 °C) um diese Jahreszeit -- schliesslich ist es ja noch Frühling für ein paar Wochen.

Was wir an jenem Tag auch noch speziell hatten war ein Schub kalter Luft aus dem Norden. Da ist am späten Nachmittag die Temperatur innert einer Stunde um gute 15 Grad Celsius abgesackt. Zusammen mit dem Wind war das schon fast schweinekalt bei noch knapp 25 °C.

Für das andauernd schöne Wetter und die Hitze Rekorde war ein riesiges Hoch über dem Golf von Mexiko verantwortlich. Im Uhrzeigersinn brachte das schön warme Luft zu uns und hielt die sonst noch üblichen kälteren Luftmassen aus dem Norden mehrheitlich ab und transportierte diese im Norden zu Oklahoma und Kansas ab in Richtung Osten.

Letztes Jahr kamen diese Kaltfronten aus dem Norden fast permanent den ganzen Sommer lang bis zu uns herunter und haben für ordentlich Niederschlag gesorgt. Allerdings war das gar nichts im Vergleich mit der alten Heimat. Dort hätte unser letzte Sommer nachwievor für einen Spitzensommer gereicht.

Anyways! Das Hoch beginnt sich nun langsam abzuschwächen und ein grosses Tief drückt gegen das Hoch. Da sich ein Tief im Gegen-Uhrzeigersinn dreht und die beiden Fronten richtig gehend aneinander liegen pfeift ordentlich Luft aus dem Süden da zwischen durch. Der Wind wird quasi eingequetscht wie der Schinken zwischen einem Sandwich. Dieses Sandwich liegt nun seit gestern ziemlich stabil direkt über unseren Köpfen.

Heute morgen aus der Nachtschicht habe ich dann beim Spaziergang mit Lucky ordentlich gegen den Wind ankämpfen müssen. Da gab es Werte bis zu 40 mph was mehr als 60 Km/H entspricht. Meine Kappe musste ich backwards tragen sonst hätte ich der nach jagen müssen. Die Schlapp Ohren von Lucky flatterten ungewohnt an seinem Kopf und sein Schwanz war auch mehr eine Windfahne als die sonst üblich aufgerollte Rute.

Interessant dabei war noch, dass es ansonsten überhaupt nicht nach Sturm aussah. Der Himmel war mehrheitlich wolkenlos und die Sonne warf ihre ersten Strahlen übers Land.

Die Temperatur war dabei, wie um diese Jahreszeit üblich, auch selbst am Morgen früh absolut angenehm. Das soll heissen Sandallen, Shorts und T-Shirt tauglich. Seit dem 20. Mai ist das Quecksilber nie mehr unter die 70 °F (21 °C) Marke gerutscht. Und das wird es wohl bis irgendwann spät im September oder sogar Oktober nicht mehr. Von solchen Werten könnt man wohl im Moment in der alten Heimat selbst am Nachmittag nur träumen.

Also träumt mal schön weiter. Ich geh mal an den Pool etwas an meiner Bräune arbeiten!

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