Downtown Austin

Downtown Austin

Freitag, 11. Juli 2008

Vorspiel, Höhepunkt und Lust auf mehr

Ein richtig anregender Titel nicht? Er hätte aber genau so gut lauten können: "Why we really don't care". Ihr ahnte es nun vielleicht, es geht wieder oder noch einmal um das Thema Soccer und die Liebe der Amerikaner zu diesem Sport. Inspiriert hat mich die vergangene Euro08 und ein Kommentar der mir irgendwie immer noch im Hinterkopf herum spukt und dem ich eine Antwort schulde. Und den Spuk will ich mal los werden. Im besagten Kommentar werden zwei weitere Theorien vorgestellt warum Amerikaner so ein klitze kleines Problem haben mit Soccer.

Wir beginnen erst mit Theorie #2:
Soccer hat ein Problem wegen den Labbershorts (auf gut Deutsch übersetzt - Frauen und ihr Faible für nackige knackige Hintern). Ich finde den Aspekt interessant und richtig aber aus einem komplett anderen Grund als die Labbershorts. Vergleichen wir die vier grossen Sportarten in Amerika (Baseball, American Football, Basketball und Icehockey). Als erstes gleich vorneweg -- es gibt Konkurrenz zu soccer und der Rest der Welt hat nichts! Aber zurück zu den Labbershorts. Davon vermag eigentlich nur gerade American Football bekleidungs-technisch unter diesem Aspekt zu überzeugen. Gleichzeitig sind dort aber auch die meisten Spieler mit Übergewicht zu finden was, meiner bescheidenen Meinung nach, wieder kontraproduktiv wirkt. Im weiteren stellt Basketball die Labbershorts beim Soccer ins Abseits. Diese Labbershorts sind folglich eine Mode Wendung die nicht nur auf Soccer beschränkt ist und wenn ich alte Bilder oder Filme von Basketball wie auch Soccer ansehe finde ich sind die neuen Shorts ästhetisch sogar ein Gewinn. Wobei, woher soll ich das wissen, ich schau den Männern beim Spiel nicht auf den Hintern. Anyways!

Ein ganz anderer aber nicht so ferner Gedanke zwängte sich mir auf. Kommen wir nochmals zurück auf American Football aber nicht wegen den engen Shorts. Nur schon wenn die Spieler aus den Katakomben aufs Spielfeld stürmen: American Football ist Testosteron pur! Muskel bepackte Männer welche sich auf heroische Art und ohne Furcht und Tadel auf dem Spielfeld dem Gegner stellen. Das ist was anders als solch schmächtige Fussballtreter welche bei der kleinsten Berührung schreiend und wimmern sich auf dem Boden wälzen. Es ist nun schwer für mich zu entscheiden was aufregender auf Frauen wirkt aber als Mann muss ich mich für diese Heulsausen im Fussball einfach schämen. Beim American Football schrei ich jedoch ein zehnfaches "in die Schlacht meine Freunde" wenn es an die Line of scrimmage geht. Da schiesst Adrenalin und das Blut kommt in Wallung. Ach weh, es wird Zeit das der September kommt.

Selbst bei Basketball, Baseball und natürlich Icehockey ist mehr Kraft und Energie ersichtlich womit sich, denke ich, der amerikanische Mann mehr identifizieren kann als den Weicheiern auf dem pitch. Ich kann das mittlerweile auch und ganz ehrlich, ich glaub die amerikanischen Frauen stehen da auch mehr drauf. Der modische Aspekt mit den engen Hosen und dem Blick auf den knackigen Hintern gilt nur als Ablenkung für deren eigentliches Motiv. Die wollen Männer die zupacken können. Yeah Baby!

Kommen wir nun noch zu Theorie #1:
Die Möglichkeit, dass ein Spiel unentschieden enden kann geht gegen die ehrgeizige Natur des Amerikaners. Hmm, oder sind es doch die 90 Minuten Langeweile bevor am Schluss ein Unentschieden resultiert? Wer weiss? Was ich aber immer schlecht fand ist, wenn solch ein Unentschieden in der Liga sogar den Titelgewinn sichert noch vor dem Ende der kompletten Saison und im Falle von einem Turnier genügt in die nächste Runde zu kommen. Und dabei kam mir etwas in den Sinn was ich in früheren Berichten zum Thema Soccer in Amerika komplett unterschlagen habe. Die Playoffs!

Sämtliche vier grossen Sportarten feiern ihren Höhepunkt jährlich in einem grossen Finale. Selbst in der alten Heimat sind die Begriffe bekannt: World Series, Super Bowl oder Stanley Cup. Nur Basketball fällt dabei etwas ab und hat einen schlichten Titel, die NBA Finals. Fussball in Europa hat zwar die Champions League und den geschmähten UEFA Cup aber die sind im Vergleich noch jung und vor allem halt auf Europa beschränkt. Für Amerikaner örtlich und daher auch zeitlich zu weit weg um sich richtig damit identifizieren zu können, obschon die Spiele im Fernsehen gezeigt werden. Eben so die Fussball WM oder auch die Euro. Ein grosses Manko hier, dass die auch nur alle 4 Jahre statt finden. Dem Amerikaner ist dieser Turnus Entwöhnung was dem Rest der Welt Entzug ist.

Die Eishockey WM um das Thema Weltmeisterschaften noch zu komplettieren hat ein ähnliches Dilemma. Die findet zwar jährlich statt aber mehrheitlich in Europa und zum Zeitpunkt wenn die Playoffs in der NHL kurz vor dem Höhepunkt sind und da kommt ein interruptus natürlich gar nicht in Frage. Sogar dieses Jahr in Kanada habe ich gar nichts im Fernsehen gesehen. Irgend ein PayTV Kanal hätte die Spiele glaube ich gezeigt. Mein Kabelnetzbetreiber hatte den sogar nicht einmal im Angebot. Selbst bei Olympia gibt es für die NHL keine Ausnahme und darum gibt es das Miracle on Ice, 1980 in Lake Placid. Ich weiss, das passt nun so überhaupt nicht zu Soccer. Ausser das man dies mit dem "Wunder von Bern" vergleichen kann. Puh, Brücke geschafft!

Die verschiedenen Soccer Leagues in Amerika haben es aus den erklärten Gründen nie auf eine Dimension gebracht ein vergleichbares Final im eigenen Lande auf die Bühne zu stellen. Die MLS besteht im Moment nur gerade aus 14 Clubs. Auch hat es der jeweilige Liga Sieger nie geschafft in der CONCACAF mit Siegen in Serie im Champions' Cup, etwas vergleichbares wie die Champions League, Soccer wenigstens einmal im Jahr so richtig in den Fokus der amerikanischen Zuschauer zu bringen.

Dem amerikanischen Soccer fehlt bislang eine Regular Season als Vorspiel und ein Playoff als show down und richtiger Höhepunkt mit den besten Teams und Spielern im Kampf um den Titel. Und damit auch wieder Lust auf mehr in der nächsten Saison. Ein immer wiederkehrender Zyklus der bei allen vier grossen Sportarten schon seit mehr als einem halben Jahrhundert sich dreht wie die Planeten um die Sonne. Die MLS, bezeichne ich dabei mehr als symbolisch Pluto, hat zwar mittlerweile zum Saison Ende ein Playoff aber erstens ist das alles immer noch sehr jung und dann halt eben auch nicht das was man in den anderen Sportarten in einer Best-of-7 Series zelebriert. Ja ich weiss, American Football macht das auch nicht aber das ist die Ausnahme welche die Regel bestätigt. Die MLS spielt ein Finale mit einem Hin- und einem Rückspiel um den Sieger in einer der beiden Konferenzen zu ermitteln. Die beiden Sieger ermitteln dann in einem Spiel den Sieg über den MLS Cup.

Fazit: Mit einem flauen Vorspiel und einem quicky als schwachem Höhepunkt erwacht beim Amerikaner wohl selbst mit engeren Hosen nicht Lust auf mehr.

Keine Kommentare:

Show Me The Money!