Downtown Austin

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Mittwoch, 17. September 2008

Alles scheisse hier in Amerika

So, ich musste gerade mal schnell die Blogroll rechts und meinen Blogreader etwas aufräumen. Habe soeben einen Blog gelesen über den ich mich gerade mal kurz aber mächtig aufregen musste. Plus einige andere welche mir auch immer wieder mal sauer aufstossen. *räusper* Ich wollte einen Kommentar bei jenem hinterlassen aber der Schreiber weiss wohl weshalb er die Kommentarfunktion eingeschränkt hat. Muss ich halt hier etwas Dampf ablassen. Ist vielleicht auch besser so.

Ich frage mich wie man in ein Land auswandern kann über das man wenig bis gar nichts weiss? So auf jeden Fall muss es jener Blogschreiber mit seiner Familie angegangen haben. Anders kann ich mir dessen Einträge in seinem Blog nicht erklären. Mal wohl kurz Ferien gemacht in Amerika, die Landschaft in den Nationalparks bewundert und gedacht hier wollen wir leben. Dass das Alltagsleben kein Nationalpark ist scheint man bei der Planung wahrscheinlich übersehen zu haben. Und ich wette man hat sie diesbezüglich aus dem Freundeskreis auch gewarnt. Nun ist der Schritt aber getan und was macht man?

Von Eintrag zu Eintrag findet man immer mehr negative Punkte, fein detailliert aufgeschrieben und immer wieder und je länger je mehr mit Ausdrücken wie "scheisse" kommentiert. "Sind persönliche Eindrücke" halt, hat er mal geschrieben im Kommentar als Antwort. Das aus seiner Sicht fast alles scheisse ist in Amerika finde ich nun allerdings etwas mehr als nur gerade so einen persönlichen Eindruck. Zumindestens habe ich noch kaum etwas gelesen das nur annähernd gut ist. Ausdrücke wie super oder gar geil wird man in diesem Blog wohl erst dann wieder finden wenn die Familie wieder aus Deutschland berichtet.

Anyways! Den Blog verfolge ich nun nicht mehr und leider leider: Er ist ja nun nicht der einzige. Es gibt immer wieder mal den einen oder anderen Blog und Eintrag wo einer über etwas nicht so begeistert ist hier in The U.S. of A.. Kann vorkommen, ist nicht immer alles Gold was glänzt. Aber trotzdem frage ich mich was manche erwartet haben und vor allem: Weshalb müssen sie sich dann so krass darüber in ihrem Blog auslassen?

Es ist ja nicht so, dass die Leute aus Europa nach einem Urlaub in Amerika berichten. Nein! Das sind richtige Auswanderer--die tun hier leben! Sie haben freiwillig ihre sieben Sachen in Container verschifft und sind ausgewandert.

Was mich dabei immer irritiert (um nicht nerven und aufregen zu sagen) ist, dass sie mit ihrer ach so gebildeten europäischen Ausbildung und Optik die Gründe für diese andere Welt nicht sehen (wollen). Geschweige den verstehen und das den Menschen in der alten Heimat erklären. Kulturförderung - Bildung. Nein, nichts da! Lieber negativ über Amerika herziehen.

Beispiel (ich verzichte auf Links zu jenen Blogs):
Gleich bei einigen Blogs kam das Thema Olympia und die Fernsehübertragung darüber zur Kritik. Es seien nur Amerikaner zu sehen in den jeweiligen Disziplinen. Die einzige Erklärung die den Leuten dazu finden ist, dass die Amerikaner total eingebildet und überheblich sind und sich natürlich um den Rest der Welt einen Dreck kümmert. Das Amerika ein Volk von mittlerweile 300 Mio. Einwohnern ist und mit China die beiden ersten Platz in den Anzahl Medaillen bestreitet scheint unerheblich. Das sie hier wiederum den Final der beiden Chinesen im Tischtennis gezeigt haben wird nicht erwähnt. War halt etwas spät in der Nacht und dummerweise auch keine Deutschen. Und als ob das deutsche Fernsehen lieber von anderen Sportarten als von ihren deutschen Athleten berichtet. Schwachsinn!!!

Um beim Sport zu bleiben. Ist ja auch ein beliebtes Thema bei einigen Auswanderer Blogs um schlechtes über Amerika in die alte Heimat zu schreiben. Da stossen viele an ihre sportlichen Grenzen und an König Fussball und die Formel 1 kommt halt nichts heran. Basketball wird interessanterweise verschont wohl wegen Dirk Nowitzki. Spezialfall jedoch ist natürlich Baseball. Der Reiz von Baseball ist zugegebenermassen wirklich nicht offensichtlich und braucht etwas Zeit und Verständnis. Das Unvermögen (oder ist es einfach nur Ignoranz) die Zeit und den Willen das zu verstehen aufzubringen rechtfertigt meiner Meinung nach aber niemanden diese Sportart einfach als dumm, einfältig oder gar, wie jemand, scheisse zu bezeichnen. Ein einfaches "ich verstehe es nicht" täte genügen. "Ich bin zu dumm dafür" muss es nicht sein. So präzise formuliert will ich das nicht wissen.

Aber das ist wohl genau das Problem. Den eigenen Unwillen das zu erforschen oder die Unfähigkeit das zu verstehen öffentlich eingestehen im Blog dafür wird der natürlich nicht geschrieben. Erstens hätte man nichts zu berichten und zweitens gäbe man halt vielleicht auch jenen Recht wenn man eingestehen müsste mit der Auswanderung wohl etwas die Realität aus den Augen verloren zu haben. Nein, da zieht man lieber Amerika etwas durch die Scheisse.

Last but not least frage ich mich dann jeweils wie das aber zuvor im eigenen Heimatland war. Was hat man damals eigentlich über die Ausländer gedacht welche schlecht über das geliebte Heimatland geredet haben? Wie schnell hat man denen dann gesagt: "Ihr wisst ja wo die Grenze ist!" Und wie wollt ihr denen begegnen wenn ihr wieder zurück geht in die Heimat?

Es gibt hier auch Dinge welche mir gegen den Strich gehen, so total gegen meine Erziehung sind und gegen gewisse Prinzipien verstossen. Letztendlich bin ich aber Gast in einem anderen Land und aus freiem Willen hier. Ich habe mir die Auswanderung zuvor reiflich und lange überlegt. Ich stelle die positiven Dinge in den Vordergrund und versuche was negativ ist zu ergründen und zu verstehen. Sollte ich letztendlich etwas dann doch nicht verstehen würde ich mir nie anmassen das oder Amerika und Amerikaner unisono als dumm, dämlich, idiotisch, schwachsinnig, gestört, krank und scheisse zu bezeichnen.

Für gewisse Menschen scheint letzteres aber kein Problem zu sein. Ich denke aber die werden auch nicht lange in Amerika bleiben und überleben. Sie werden irgendwann wieder zurückziehen in ihr Heimatland und dort weiter berichten wie schlecht dieses Amerika ist und dumm die Amerikaner sind. Ja nicht eingestehen, dass die Auswanderung falsch war und sie sich selbst überschätzt haben.

Und wenn wir schon dabei sind. Ich frage mich auch ob jemand ausser mir und Nicht Amerikaner überhaupt an etwas positivem über dieses Land interessiert ist. Vielleicht sollte ich den Blog hier etwas mehr negativ trimmen. Dann steigt wahrscheinlich auch die Statistik für die Besucherzahlen. Alles scheisse hier in Amerika.

Kommentare:

Schlens hat gesagt…

Vielen Dank fuer Deinen wohltuenden Text. Die Ignoranz, die viele Alt-Europaeer den USA gegenueber walten lassen, ist wirklich unbeschreiblich und man ist in Deutschland von der breiten Masse eigentlich gar nichts anderes mehr gewohnt (vorzugsweise in Kombination mit regelmaessigen Urlauben in den USA, nach denen man wieder berichten kann, wie schoen es doch war und wie bescheuert die Amerikaner sind).
Dass man diese Spezies auch unter den Einwanderern findet, ist eigentlich nicht wirklich verwunderlich (man hat ja in Good Ol' Germany ein aehnliches Problem), andererseits stellt sich dann doch die Frage, was sich die von Dir genannten Beispiele dachten, als sie in die USA auswanderten, bzw was die Motivation dafuer war.
Ich kann doch nicht erwarten, in ein anderes Land zu emigrieren und dort alles genauso vorzufinden wie im Herkunftsland (das wuerde auch das Auswandern an sich etwas ad absurdum fuehren).
Oder ist man einfach nur ausgewandert, um seine Vorurteile vom ungebildeten, fetten Ami bestaetigt zu wissen? Dazu haette man nicht auswandern muessen und dazu sollte man auch nicht die Gastfreundschaft des betreffenden Landes missbrauchen.
Alles in allem ein Armutszeugnis fuer die geistig und moralisch ach so ueberlegenen Alt-Europaeer.

Ach ja: Bitte aendere nicht die Linie Deiner "Berichterstattung". Es gibt im Netz schon genuegend unreflektierten und geistlosen Muell ueber die USA zu lesen. Da bin ich ganz froh, ueber Deinen Blog gestolpert zu sein.

breedo hat gesagt…

Ich muss dir voll und ganz zustimmen.
Oft genug bekomme ich den Eindruck, dass viele (nicht nur Blogger!) einfach nur in die allgemein bekannte Melodie einstimmen und die Klischees bedienen wollen. Das ist sehr schade. Jeder, der sich von seinem Heimatland verabschiedet sollte eigentlich mit offener Einstellung seine (Landes-)Grenzen überschreiten. Wenn Auswanderer von vornherein mauern und die neue Kultur, in der sie sich schließlich entschlossen haben zu leben, nicht annehmen, kommt es zwangsläufig zu diesen "das-ist-in-deutschland/europa-viel-besser"-Ansichten.

Ich kann mich der Bitte nur anschließen: Berichte weiter von deinen illustren Eindrücken über'm Teich. Dann haben wenigstens zukünftige US-Immigranten die Möglichkeit sich ein wahreres Bild zu machen.

svennika hat gesagt…

haha, den blogeintrag, der das wohl grade hervorgerufen hat, hab ich heute auch gelesen - und hatte ähnliche gedankengänge wie du...
ich muss zwar zugeben, dass ich baseball nur seeeehhhr wenig abgewinnen kann (ich hab's mehr mit football und hockey), aber besagte krasse negativ-verallgemeinerungen sind doch nun wirklich überflüssig.
wenn es nicht so viele dussel gäbe, die jeden blogeintrag der weiten virtuellen welt für lexikonreif und unumstößlich glaubwürdig und fachkundig halten, wäre es eigentlich vage unterhaltsam, was einige leute so von sich geben, aber so ist es doch eher anstrengend ;-)
anyways, mach weiter so wie bisher - und poste hübsch regelmäßig bilder von deinem hundi, ja? bin total verschossen in das hundenasenphoto...
grüße vom stillen mitleser!

thaimo hat gesagt…

Ich glaube nicht, dass Leute wie dieser Blogger (gerne haette ich das ja mal verlinkt gehabt ;-) jemals etwas positv schildern koennen. Sind halt ganz und gar negativ gepolt. Und weiter glaube ich, dass er zurueck in Deutschland, genauso alles scheisse finden wird.

Vielleicht haette er auch ein bisschen in "USA erklaert" lesen sollen, dann wuerde er mit dem Amerikaner an sich auch viel besser zurecht kommen :) bzw. der arme Amerikaner mit ihm.

Es gibt Menschen, die kommen nirgendwo klar und schieben es dann auf die Community in der sie sich befinden. Wie einfach das ist...

Ich fand die amerikanischen Olympioniken total GEIL und ich will mehr positive Blogs ueber die USA lesen.

Ich heule ja auch viel rum, in meinem Blog, aber im Grossen und Ganzen bin ich sehr gluecklich, hier in "meinem" Land. Wenn's einem nicht gefaellt, sollte man abhauen und nicht maulen.

USA wuerde mich auch mal interessieren. Ich komm Euch mal besuchen :)

Anonym hat gesagt…

Du Spinner bist genauso dämlich wie deine Wahl- Mitspacken aus dem behinderten Amiland!

Adrian hat gesagt…

Danke fuer deinen sehr sehr aufschlussreichen Kommentar. Anonym schreiben und mehr als Spinner, daemlich und behindert in eine Zeile kriegt ihr interessanterweise nie hin.

Und was bitte ist mitspacken???

Torsten hat gesagt…

Ich find "anonym" klasse! Ich wuerd mir gerne so einen im Terrarium halten! Ein "anonym" wie dieser ist doch immernoch der beste Beleg dafuer, dass Du mit deinem Posting voll getroffen hast :-)

Dein Mitspacken(?) aus der Nordwest-Stadt.

Marc Trementore hat gesagt…

Uah uah uah...der "anonym" ist aber ein ganz abgefahrener. Und seine Argumentation ist auch bewundernswert...ppppbbbblllltttt [das ist ueberigens die amerikanische Art wie man Zungenrausstrecken schreibt..]

Muss dir aber eine grosses Kompliment machen - hast mir aus dem Herzen geschrieben. Natuerlich ist nicht alles super hier drueben, aber dieses Ami-Bashing von den Europaern geht mir zum Teil schon auf den Wecker, besonders wenn sie einfach drauflosfluchen, ohne nachzudenken. A la: Alle Amis sind doof, basta.

Irgendwie wuerde es mich wundern, was fuer ein Blog das war, der solchen Bloedsinn verzapft hat.

Gruss aus NYC.

Marc

Anonym hat gesagt…

Ohje, man kann sich aber auch anstellen! Dafuer sind Blogs doch da, einen etwas anderen Blick auf den Alltag in Amerika zu werfen. Dass einem da als Europaer einige Dinge seltsam vorkommen gehoert doch dazu. Natuerlich kann man es dann als andere Kultur abtun und einfach nicht darueber schreiben. Aber wo ist dann der Sinn eines Blogs?

Zu dem Sport-Beispiel: Wenn man sich als Fan des US-Sports davon dann angegriffen fuehlt - OK, aber man muss ja trotzdem nich gleich auf beleidigt machen, oder?

Ich bin mir sogar sicher, dass mein eigener Blog mit diesem Eintrag gemeint ist. Um die Leser zu "verschonen" werde ich aber auf eine Adress-Angabe verzichten.

Kai hat gesagt…

Ich glaube, die Vorurteile, die z.T. durch die deutschen Medien vermittelt werden, spielen bei der Noergelei mancher Neuankoemmlinge auch eine Rolle. Da werden dann oft wiederholte Stereotypen als bestaetigt angesehen, ohne darueber nachzudenken, dass man manche Dinge auch aus einem anderen, sprich positiven Blickwinkel betrachten koennte. Die USA sind nun mal anders als Deutschland und man sollte unvoreingenommen versuchen, das Land kennen zu lernen und zu verstehen.

Anonym hat gesagt…

amerika ist wirklich scheisse
wie kann man diese leute nur mögen...
ihre mentalität ist so antik wie ihr sozialsystem

nickxyz hat gesagt…

Guter Artikel, genau ins Schwarze getroffen.
Mir fehlt bis dato auch die "Weisheit" warum Personen in die USA auswandern und sich im Anschluss dann dermassen auessern.
Gruesse aus dem Mittelwesten.

Anonym hat gesagt…

In Deutschland hält jeder den anderen für total bescheuert. Die Amis sind allgemein oberflächlicher, doch verbreiten damit wenigstens keine schlechte Stimmung.
Leben möchte ich dennoch lieber in Europa!

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