Downtown Austin

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Donnerstag, 1. September 2011

Pornos und prüde Amerikaner

Dieser Eintrag wird sicher wieder hoch in der Google Quote ankommen da er doch zwei interessante Themen vereint: Pornographie und das ach so prüde Amerika.

Bei meinem regelmässigen Blick in die Online Zeitung in der alten Heimat sehe ich doch den schönen Titel "HIV-Fall stoppt kalifornische Pornoindustrie". Nicht verwunderlich das dies in Kalifornien passiert ist, denn angeblich ist das San Fernando Valley in der Nachbarschaft von Los Angeles und Hollywood das Porno Mekka der amerikanischen Porno Filmindustrie--respektive Adult Business/Movies (Erwachsenengeschäft/-film) wie sich das im Amerikanischen nennt.

Soweit so gut und uninteressant. Mitten im Text stosse ich jedoch auf den folgenden Satz:

... weil der Dreh von Pornos in fast allen US-Staaten unter das Prostitutionsverbot fällt und damit untersagt ist.
Ach ja? Da ich nun schon einige Jahre hier bin gibt es so gewisse Dinge wo ich mittlerweile fast instinktive sagen kann, dass dies bullshit ist. Vor allem weil man in den USA so etwas wie eine Constitution und die bill of rights kennt und auch anwendet. Der gute Schreiberling bei der Online Zeitung hat sich allerdings nicht um Recherche bemüht. Er/Sie hätte konkret folgendes gefunden.

Es gibt den Fall California vs. Freeman wo man in Kalifornien tatsächlich versucht hat die Pornoindustrie und pornographisches Material mit einem Gesetz zur Prostitution zu verbieten. Konkret ging es in der Anklage um pandering was man im Deutschen unter Kupplerei, also Zuhälterei, versteht.

Der gute Harold Freeman ist anfänglich in erster und zweiter Instanz auch wirklich verurteilt worden. Allerdings, in folgender Instanz ist er freigesprochen worden, hauptsächlich im Bezug auf das First Amendment und freedom of speech. Das ganze wurde durch alle weiteren Instanzen bis zum U.S. Supreme Court hinauf aufrecht erhalten. Dieser letztendliche Freispruch hat wohl auf dem Weg über den Atlantik an schärfe verloren, scheint es.

Das letzte Urteil vom U.S. Supreme Court datiert übrigens vom August 1988! Das war genau die Zeit als ich in der alten Heimat einen Typen kannte der immer wieder mal VHS Sexfilme offerierte mit folgendem Kommentar: "Der ist direkt aus Amerika. Da sieht man mehr als in den Videos die man sonst hier kriegt!" Tja, so war das in der alten "prüden" Heimat damals. Erstaunlich, dass das Urteil und Wissen über das Amerika von heute von noch früher als damals ist.

Wer es etwas mehr zeitgenössisch will, es gab kürzlich einen ähnlichen Fall in New Hampshire mit einem "privaten" Filmproduzenten. Auch dieser Fall wurde im Dezember 2008 abgewendet--Supreme Court of New Hampshire Urteil [pdf].

Abschliessend muss man vielleicht anerkennen, dass ein kleiner Funke Wahrheit in dem Satz drin ist. Die Gesetzgebung in Amerika ist etwas komplex und in Europa schwierig zu verstehen. Vor allem weil jeder Staat primär seine eigene jurisdiction (Gerichtsbarkeit) hat. Da ausserhalb von Kalifornien (und nun auch mit New Hampshire) kein anderer Staat einen ähnlichen Fall vorweisen kann, darf man entsprechend in europäischen Medien behaupten, dass es nur in Kalifornien erlaubt ist.

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